Ein Sommertag mit Logenplatz

Weiter ging es von der freien Liegestelle Parey nach Genthin. Dort gibt es eine für Sportboote ausgestatte Spundwand-Liegestelle mit einem Schild „Nur für Lidl-Kunden“. Einkauf direkt am Ufer – welch eine Gelegenheit. Allerdings haben wir noch eine kleine neugierige Fußrunde gedreht und wenige 100m weiter einen sehr angenehmen Edeka-Supermarkt entdeckt. Da haben wir bei Lidl dann nur noch einen „Anerkennungs-Einkauf“ in Gestalt von Sonnenblumenkernöl getätigt. Das kommt davon, wenn man als Discounter keine Pfandflaschen anderer Läden annimmt…

Da auch Genthin noch in Sachsen-Anhalt liegt, war der offizielle kleine Sportboothafen in Genthin gesperrt. Unser Wassertank hatte zwar, zu unserem eigenen erstaunen, immer noch Inhalt, aber das kann wirklich nur noch ein Mini-Rest gewesen sein. Woher also Wasser nehmen? Wir haben einfach bei der Schiffswerft Genthin gefragt, die uns sofort mit einem dicken Schlauch geholfen haben. Leider war der Schlauch etwas kurz, und so mussten wir das Schiff noch mal umlegen, seitlich in eine Lücke zwischen stählernen Arbeitsboot-Ungetümen, die nur 3m länger war als Elodie. Nun wissen, wir, dass das geht. Immerhin optimale Übungsbedingungen, denn bei den Ungetümen hätten wir keinen Fremdschaden angerichtet, wenn etwas schief gegangen wäre.

Hier lernen wir dann auch wieder etwas über unser Boot: Später am Tage begrüßt mich Maria mit „Lust auf Wasser in der Bilge?“ Oh nein, wir waren doch so froh und stolz, sie endlich sauber und alles so gut wie dicht zu haben… Tatsächlich – da schwappen ein paar cm. Wasser! Nun wissen wir erstens, dass der Wassertank in den letzten zwei Millimetern des Füllstandsanzeigers sich sehr schnell füllt – schneller, als ich bis zum Werftwasserhahn gebraucht hatte, und zweitens, dass die Entlüftung des Tanks respektive Überlauf nicht nach außen, sondern in die Bilge geht…

Und so findet sich Maria wieder mal im Motorraum wieder – sie ist nun mal die einzige von uns beiden, die da so hineinpasst, dass sie mit dem Schwamm unten in die gesamte Bilge hineinkommt…

Wir haben uns dann zur Nacht an die Genthiner freie Liegestelle gelegt, die wir auf der Fußrunde in paar hundert Meter weiter entdeckt hatten. Eine gute Stunde Generatorlauf tat not, um den Batteriehaushalt auszugleichen – dies war das erste Mal, dass wir dabei einen „Nachbarn“ hatten, in Gestalt eines voraus liegenden weiteren Sportbootes, und schon gab es den ersten Konflikt – in nicht ganz freundlich zu nennender Weise gab er Maria zu verstehen, dass der Generator störe, und Marias Erklärungen, dass er zumindest bis zum Ende des Kochens noch laufen müsse, beruhigten ihn erst mal nicht vollends. Tatsächlich hatte er aber wohl befürchtet, dass das Ding die ganze Nacht laufen würde – als ich etwas später noch mal nachfragte, ob denn eigentlich der Lärm oder der Geruch gestört hätten, war er wieder zugänglicher. Am Meisten gestört habe das Plätschern des Auspuffs und auch der Geruch. Na, da kann es nicht so schlimm gewesen sein…

Am nächsten Tag geht es weiter durch die Schleuse Wusterwitz, fast ohne Wartezeit, und dann weitet sich der enge Kanal zu dem großartigen Seenpanorama, zunächst des Wendsees.

Einige Ankerversuche hier und im nachfolgenden Plauer See scheitern – Für Schlamm ist unser Anker nicht ideal… So machen wir erst mal vor der rostigen Fußgängerbrücke am Plauer Schloss fest, an der Kaimauer, und übernachten dort.

Und wähnen uns in einer anderen Welt: War in Sachsen-Anhalt noch alles im Coroana-Schlaf, ist hier in Brandenburg, wo wir nun angekommen sind, alles, als gebe es kein Corona. Die Häfen voll, in den Außenbereichen der Restaurants munteres Treiben. Wir müssen geradezu einen Schalter im Kopf umlegen…

Von Coroan-Vorsicht ist nichts erkennbar – Maitrubel wie alle Jahre wieder, munter beisammenstehende Menschenscharen, die sich schulterklopfend begrüßen… Ich möchte wetten, dass wir in genau zwei Wochen einen kräftigen Anstieg der Infektionen beobachten werden.

Weil wir nun aber doch auch mal wieder in einem Hafen anlegen wollen, mache ich noch eine Fahrradrunde zu den umliegenden Bootshäfen und wir nehmen uns vor, am nächsten Tag zum Gästesteg des Eisenbahnseglervereins Kirchmöser zu wechseln.

Und hier verbringen wir nun erst mal zwei Nächte und entgehen so dem an öffentlichen Liegeplätzen zu erwartenden Himmelfahrtstrubel, der ja hier in den ostdeutschen Ländern dem überdurchschnittlichen Anteil von Abendlandsrettern zum Trotz zum reinen Männertagstrubel geworden ist, an dem wir uns schon in Mühlhausen kaum aus dem Haus trauten.

Der Plan geht auf, und wir liegen am äußersten Steg mit freiem Blick über den Plauer See. Traumhaft! Gegenüber die Plauer Brücke, ringsum die bewaldeten Ufer, und auf dem feiertäglichen See ringsum munteres Treiben mit allem, was schwimmt. Vom Stand-Up-Paddler über schwimmende Kisten, Segleyachten und Motorcharterboote bis hin zu den den See querenden Berufsschiffen – der Elbe-Havel-Kanal verläuft hier mitten durch den See als betonnte Fahrrinne.

Am meisten Spaß machen uns die vielen kleinen Optimistensegler – 6 Kinder im Alter von ca. 10 Jahren nebst motorisiertem Trainer, die stundenlang Manöver üben. Sie sind mit den kleinen Badewannen so sicher wie normale Leute zu Fuß auf dem Teppich… Balancieren auf der Bordwand des um 45° gekoppten Böötchens, springen hin und her, lehnen sich so weit hinaus, dass die Haare bis ins Wasser tauchen, und weichen dem schwenkenden Baum aus wie Gemsen am Berg. Ein bisschen Neid auf so viel Beweglichkeit kommt da schon auf.

Wir beschäftigen uns noch mit der Ankerproblematik – wir wollen ja auch öfter mal über Nacht ankern, schon um die mindestens 20€ je Nacht in den Häfen zu sparen – das geht aber mit dem vorhandenen Anker nicht.

So wiegen wir unseren Anker erst mal nach, mit 12 kg Cola als Gegengewicht und ein bisschen Hebelgesetz-Dreisatz. Er wiegt ca. 28kg. Wir verwerfen als Alternative den 1000€ teuren Jambo-Anker, auch wenn wir seine Qualitäten von Elodie II her schätzen, und bestellen bei Bukh Bremen einen 35kg Plastimo Britany Plattenanker, der nicht schlechter sein dürfte, was das Eingraben im Schlick betrifft.

Dieser Tag geht als richtiger sommerlicher Urlaubstag zu Ende, mit Baden, auf dem Oberdeck in der Sonne liegen, Lesen. Wir nutzen die Waschmaschine des Hafens, um drei Waschgänge unserer angesammelten Kleidung und Handtücher zu waschen und freuen uns nun wieder an nach Lavendel duftender frischer Wäsche.

Unsere Batterien freuen sich, mal wieder durchgeladen zu werden. Und unser Not-Außenborder freut sich auch, mehr noch ich, denn dieses Mal bekomme ich ihn mit wenigen Zügen an, zum ersten Mal. Beim letzten Versuch bin ich noch gescheitert. Der Trick ist wohl, dass der Choke-Zug nicht nur ein Choke-Zug ist, sondern auch eine Vorpumpe – man muss ihn vor dem ersten Start anscheinend nicht nur herausziehen, sondern mehrmals wie eine Pumpe betätigen. Freude, dass der also doch funktioniert – wir hatten schon arg daran gezweifelt.

Als Lektüre für nebenbei haben wir uns den Bericht von Hans-Jürgen Haardt „1100 Tage Freiheit“ heruntergeladen. Wir entdecken überraschend viele Parallelen auch in vielen Details, jedenfalls in der Anfangsphase. Aber keine Sorge, auf das Mittelmeer und später über den Atlantik wollen wir mit Elodie III nicht. Auch wenn wir bei der Lektüre feststellen, dass man mit einem neuen, auf spezifische Bedürfnisse zugeschnittenen Werftbau eher mehr böse Überraschungen erlebt, als mit wir mit unserem 30 Jahre alten Eisenschwein…

Auch kulinarisch lassen wir es uns dank Marias Kochkünsten und -motivation sehr gut gehen und speisen täglich auf dem Niveau gehobener Gastronomie – hier mal Kalbssteak mit Ofenkartoffelspalten, frischem Pfannengemüse und Kräuterdipp.

Ja, nach den vielen spannenden und auch Nerven kostenden Vorgeschichten fühlt sich unsere Reiseidee gerade richtig gut an!

Los geht’s…

mit dem Leben, das wir uns ausgemalt hatten, für eine längere Weile.

Aber noch nicht mit dem Fahren, denn an dem Liegeplatz in Rothensee ist es so schön dass wir noch drei Nächte verweilen. Eine Fahrradtour nach Magdeburg füllt den ersten Tag, da kann man ja mit dem Boot leider nur durchrauschen, aber 20km ist ja nicht so weit weg.

Und wir staunen, wie viele Grün-, Natur-, Wasser- und Freizeitflächen Magdeburg hat, mal parkähnlich gestaltet, mal kreativ, mal natürlich-wild. Viele originelle Spielmöglichkeiten, eingebettet in eben diese Flächen, aber auch viele Freizeitmöglichkeiten für Erwachsene. Die Elbufer mittlerweile zu weiten Teilen auch in der Innenstadt promenadig ausgestaltet. Die alte Elbe, die ja auch noch mitten durch die Stadt fließt, mit Badestränden. Wirklich schön.

Jaja, wir waren auch kurz mal am Domplatz und am Hundertwasserhaus (leider alles zu), und auch das ist einladend. Aber eben nicht so alleinstellend, denn schön gestaltete Plätze und interessante Gebäude gibt es in den meisten Städten – sehenswert, ja, aber dann hat man es eben gesehen. Lebendigkeit kommt nicht von Gebäuden, sondern von der Vielfalt, und die ist in Magdeburg – wo wir es gesehen haben – inzwischen gegeben. Als ich, Knut, kurz nach der Wende zum ersten Mal dort war, kam es mir alles recht trist und öde vor…

Spannend finde ich die alte Eisenbahn-Hubbrücke, die dauerhaft gehoben erhalten geblieben ist, allerdings böse vor sich hin rostend, für Fußgänger nutzbar, wenn sie über Treppen auf den gehobenen Teil hinaufsteigen. Spannend deshalb, weil sie wohl von einer Gruppe von Leuten übernommen wurde, die sie erhalten: Ein Schild am Aufgang sagt (ungefähr erinnert) „Achtung: Das ganze Leben ist voller Gefahren. Das Betreten der Brücke erfolgt auf eigene Gefahr. Kinder haften für Ihre Eltern. Dies ist ein Privatweg.“ Ich hätte ja nicht gedacht, das so ein Haftungsausschluss im öffentlichen Raum überhaupt möglich ist! (Ob er einem Rechtsstreit stand halten würde?).

Am nächsten Tag gab es privaten Besuch von einer unserer Lieblingskundenlehrerin mit Radtour zwischen Elbe und Ohre.

Erst am Samstag ging es dann weiter Richtung Brandenburg, erst mal spektakulär über die längste Kanal-Trogbrücke Europas (?) quer über die Elbauen und die Elbe.

Unser erstes Ziel war Genthin, aber bei Parey gibt es einen Sportbootliegeplatz am Kanalufer, der uns spontan so gut gefiel, dass wir da erst mal angelegt haben und den Sonntag wieder mit einer Radrunde verbracht haben, zur Elbe, zum Pareyer Verbindungskanal, zu einem Nachbarort.

Schönster Part der Runde war ein Bad in einer alten Elbschleife, begleitet von Schwänen, Nachtigallen und Eisvogel, jedoch ohne weitere Menschen. Wunderschön.

Ja, nun können wir es genießen, ohne Zeitplan unterwegs zu sein.

Auch die Autarkiepläne scheinen aufzugehen – mit drei Stunden fahren oder zwei Stunden Generatorlauf am Tag (von denen eine sowieso durch Kochen anfällt) gleichen wir den Batteriestromverbrauch eines Tages in etwa aus – der beträgt etwa 60Ah, jetzt, da die Heizung nur ein oder zweimal in der Nacht, einmal morgens und einmal abends anspringt, um uns durchgängige 19 bis 20° am Tage und 17 bis 18° in der Nacht zu erhalten. Im Winter wird die Bilanz anders ausfallen, denn wir heizen ja zwar mit Diesel, aber es der Motor und die Pumpen brauchen ja auch Strom, insgesamt so etwa 3A. Da sind wir dann schnell bei 100 am Tag, aber wir wollen ja auch die drei kältesten Monate an einem festen Liegeplatz mit Landstrom verbringen.

Unser Wasserverbrauch beträgt ca. 100 l je Woche, so dass unser Tank für immerhin 10 Wochen reicht. Jetzt ist er allerdings fast leer, denn wir hatten ihn in Calbe nur einmal zu ca. 1/3 gefüllt, um für die Ausfahrt zur Elbe nicht zusätzlichen Tiefgang zu erzeugen. 1000l Wasser drücken das Boot um ca. 5cm nach unten.

Warten auf Amsel – und dann: finales Yippiee

Der Morgen danach… hatte sich um Mitternacht schon durch eine kurze Phase knirschend-schabender Geräusche angekündigt:

Wir waren eigentlich überzeugt, beim Ankern alle Sorgfalt walten gelassen zu haben. Genug Abstand vom Flachwasser, auch für den Schwoibereich, Heckanker Richtung tieferes Wasser, um schwoien gen Flachwasser gänzlich zu verhindern, und natürlich bei als leicht steigend angekündigtem Pegel. Auch die GPS-Ankerwache war selbstverständlich eingeschaltet. Alles richtig gemacht?? Das Boot hatte denn auch 5 Stunden wie ein Stein am gleichen Ort gelegen, so dass wir entspannt schlafen gegangen waren.

Und doch war der Anker auf einmal, um Null Uhr, einige Meter gerutscht. Und wir lagen nun mit voller Breitseite gegen eine Sandbank, auf der anderen Seite drückte die Elbströmung quer gegen das Boot. Die Versuche, uns mit eigener Kraft dort fortzuschaffen, sind vollends gescheitert. Auch das ja für Donnerstag angekündigte steigende Wasser war nun eher eine Gefahr, als dass es Hilfe versprochen hätte: Die Strömung hätte uns immer weiter quer auf die Sandbank gehoben, und bei dem am nächsten Tag schon wieder sinkenden Pegel hätten wir dann auf der Sandbank gethront, vielleicht bis zum Herbst!

Die Rettung zeigte sich auf http://www.marinetraffic.com: Von Schönebeck war die „Amsel“ unterwegs in Richtung Barby, ein Schubschiff des Wasser- und Schifffahrtsamtes. Über einen hilfreichen, hier nicht namentlich zu nennenden Umweg bekamen wir die Handynummer von Olaf, dem Schiffsführer, der sich dann noch das Ok von seiner Chefin hat holen lassen. Drei Stunden später war er an seinem Zielhafen Barby vorbei noch bis zu uns hoch gekommen, mit einem Baggerponton vornedran. Seine Leute haben uns ein Tau zugeworfen, ein kurzer Zug, und wir waren wieder frei. Danke, Olaf und WSA!

Beeindruckend, wie fein sich so ein schwerfällig aussehendes Ding in den Wirbeln der Strömung dirigieren lässt, wenn man es kann!

Leider gibt es zwischen Barby und Magdeburg-Rothensee keine Möglichkeit, bei niedrigem Wasser anzulegen. So blieb uns, wenn wir nicht ein weiteres Mal Ankern wollten, nur übrig, es doch bis über den Domfelsen zu riskieren, auch wenn der Wasserberg aus Dresden es erst bis Torgau geschafft hatte. Die Saale hatte aber über Nacht die Elbe bei uns um immerhin 5cm angehoben, und damit war der Pegel Strombrücke wieder auf 77cm. Damit müsste es nach den Ergebnissen unserer Messfahrt mit der Cascade am Samstag möglich sein, über die flachste Stelle unterhalb der Fähre Westerhüsen hinwegzukommen.

Es blieb also spannend… Dort sind wir tatsächlich einmal über Sand geschlurrt, wir hatten uns eigentlich treiben lassen, mussten aber zwecks Kurskorrektur einmal kurz einkoppeln, und schon schaufelte der Propeller Sand statt Wasser… Die Flachstrecke dort ist nur ca. 50m lang, und wir waren schnell drüber hinweg.

Der Domfelsen selbst ist zwar mit seinen Stromschnellen, in denen man das Boot nur noch in der richtigen Richtung halten kann, aber keine Möglichkeit hat, zu bremsen oder kurzfristig auszuweichen, immer wieder Grund zu Nervosität, aber auch schnell vorüber – man erreicht bei niedrigster Drehzahl 15 km/h!

Die Niedrigwasserschleuse in den Rothenseer Verbindungskanal hat uns dann zügig aller Wassertiefensorgen enthoben, und auch die Schleuse Rothensee hat uns sofort abgeholt (was für einzelne Sportboote angesichts der ungeheuren Wassermengen, die zu bewegen sind, um große Schiffe um ca. 16m hoch zu heben, nicht selbstverständlich ist), und so hatten wir am Abend endlich, endlich unser Ziel erreicht!!!

Schleusenluxus: Die in der linken Wand eingelassenen Schwimmpoller ersparen einem das ständige Umlegen der Taue von Festpoller zu Festpoller:

Und so genossen wir den ersten Abend auf dem Mittellandkanal, gleich auf dem – wegen seiner grandiosen Aussicht wunderschönen – Sportbootliegeplatz gleich oberhalb der Schleuseneinfahrt:


Wir sind am Ziel – die Reise kann beginnen!


Yippiee!

Gleich geht’s los!

Erst mal in die Elbe.

Dort heißt es dann, vor Anker oder, wenn’s noch klappt, in Schönebeck das
Loch abwarten, das seit vorgestern aus Dresden herabkommt und heute Nacht vor der Saale ankommen wird.

Macht aber nichts, denn dahinter kommt mittlerweile auch wieder ein mächtiger Berg herab, der am Donnerstag bei uns sein wird. Pegel Schöna: +45cm in einem Tag. Da haben die Tschechen wohl wieder aufgemacht, das kann nicht nur der Regen sein, der den deutschen Teil ja bisher gar nicht wahrnehmbar beeinflusst hat. Vielleicht wollen sie ein paar Binnenschiffe auf dem Berg herunterschicken.

In der Gewissheit des Pegels haben wir uns dann gleich bei Barby entschieden, auf der Elbe zu ankern. Schön war’s dort:

Ankern inmitten der Elbe

Warten auf Wasser… Messfahrt

gestern haben sind wir zur „Messfahrt“ mit dem 80cm tiefgehenden Schiff „Cascade“ auf Heimfahrt nach Braunschweig mitgefahren – Danke, Ralf.
Erkenntnisse:
Wir hätten die ganzen letzten Wochen fahren können!!

  • Auf der Saale bei Pegel Calbe UP 328cm allerorts 140cm Tiefe. Vor km 12,6 einmal über einen Stein (?) gerumpelt, da liegt irgendwas im Wasser, das deutlich höher ist als die offizielle Fahrrinnentiefe!
  • Auf der Elbe bei Pegel MD Strombrücke 77cm ohne Probleme allerorts mindestens 140cm Tiefe.
  • Fahrrinnenverlauf auf der Saale: Anders als von allen gesagt ist die tiefste Rinne fast durchgängig in der Mitte, nicht in den Außenkurven. Das wird auf den Navionics-Boating-App-Karten richtig dargestellt. Nur bei km 1,2 braucht es die Außenkurve. Die Navionics-Tiefenlinien stimmen zu ca. 80%. Wo kriegen die die nur so genau her?
  • Fahrrinnenverlauf auf der Elbe: Die Seitenwechsel sind naturgemäß am flachsten, nur dort gab es kurze Strecken mit weniger als 150cm Tiefe. Die Navionics-Tiefenlinien sind sehr genau und stimmen zu fast 100%.

So haben wir uns gestern noch sehr auf Dienstag gefreut, nach dem Regen sollte dann wirklich alles sicher klappen.

Heute morgen schauen wir mit Schrecken auf die Elbepegel, die Elbe befindet sich bei Dresden und mittlerweile in Torgau im steilen Sinkflug. Fast 20cm in eineinhalb Tagen gegenüber dem recht stabilen Stand der letzten Wochen. Sieht so aus, dass Tschechien kein Wasser mehr über die Staustufen lässt.

Die Elbe plötzlich im Sturzflug.

Wenn das Loch morgen hier ankommt, habe ich Zweifel, ob der Regen das noch auffängt. Zumal die Vorhersagen für heute seit heute morgen schon wieder zurückgenommen werden… Am Ende gibt’s selbst morgen dann wieder nur ein paar lurze Nieselschauer, wie alle letzten Wochen.

Dann wären unsere Erkenntnisse und der eventuelle Saaleregel wieder um zwei Tage zu spät gekommen, bzw. das Hahn-Zudrehen in Tschechien zwei Tage zu früh.

So ein auf und ab der Gefühle. Langsam zehrt es arg an den Nerven.

Warten auf Wasser…

Ganz hinten in der Bildmitte erkennt das geübte Auge auch die Elodie III

Am 5.5. um 0.00 Uhr hätte es gepasst – da ist der Pegel unter Calbe auf 345cm hochgeschnellt! …und war nach zwei Stunden wieder unten. Am Morgen war alles wie immer.

Das war also das Ergebnis der für das Wochenende angekündigten starken Regenfälle, von denen am Ende wie schon in den Wochen zuvor nur ein paar kleine Schauer übrig waren.

Inzwischen haben wir bei der Talsperre Hohenwarthe nachgefragt, ob die noch Pläne haben, mal Wasser abzulassen, aber nein, von da wird erst im August etwas kommen, für Bauarbeiten im September, für die sie einen niedrigeren Pegel brauchen.

Wir haben den – tatsächlich privaten – Besitzer des Wasserkraftwerkes Calbe angerufen, der wohnt in Bayern. Der würde uns durchaus eine Welle spendieren, braucht aber die Genehmigung des WSA Magdeburg. Um die bemühen wir uns nun, der gestrige Mitarbeiter war aber nicht zuversichtlich, dass das schnell ginge, heute hatten wir einen anderen am Telefon, der meinte, sowas geht eigentlich schon in 24-48 Stunden. Er versprach, sich für uns zu bemühen.

„Schnell“ brauchen wir, denn wer weiß, wie lange die Elbe noch hält…

Wir haben auch unseren genauen aktuellen Tiefgang noch nachgemessen, er beträgt etwas unter 1,15m bei den aktuellen Tankfüllungen. Wir könnten also die Elbe noch bei Pegel 80cm in MD Strombrücke befahren, hier und da über Sand schlurrend. Und bräuchten für die Saale Pegel Calbe UP 3,40m. Da unser Boot eine sehr robuste Hacke (die untere Halterung des Ruderblattes, somit der tiefste Punkt) hat, würden wir uns mittlerweile sogar trauen, ohne Handbreit zu fahren – bzw. uns an den flachsten Stellen treiben zu lassen. Nützt aber niX, alle Anläufe der Saale nach oben enden bei 3,30m.

Für das nächste Wochenende sind wieder mal kräftige Regenfälle angekündigt. Wie schon so oft zuvor. Hoffen wir also erneut…

Schulze Kran aus Könnern würde uns für maximal 400€ herausheben, auf der Fischer-Werft die für die Kainutzung 150,-€ berechnet, der Hafen Ringel würde uns für 280,- wieder hineinkranen. Fahren würde Jörg Malow für 2100,-€. So kennen wir die Kosten für den Landtransport jetzt recht genau, wie schon bisher erahnt um die 3000€. Viel Geld für eine ungeplante Ausgabe, wenig Geld im Vergleich zu Ausgaben und Zeitaufwand, die wir in das Boot gesteckt haben, um damit unterwegs zu sein… Allerdings schreckt uns auch die Vorstellung, das halbe Boot wieder ausräumen und diverse Aufbauten wieder abbauen zu müssen!

Wenn nicht für jedes Wochenende erneut kräftiger Regen angekündigt würde, wäre das dennoch schon bestellt. So aber bewegen wir uns im Wochenrythmus und im täglichen Schwankungsrythmus der Saale von Hoffnung zu Enttäuschung.

Immerhin – hier ist es schön, und unsere Situation durchaus genießbar. Üben wir uns also weiter in Geduld…

Warten auf Wasser…

So sieht warten aus… Wir haben das Boot, wie geplant, nach Calbe verlegt, gleich oberhalb der Schleuse. Hier durften wir an einem privaten Steg, direkt am Garten, anlegen. Danke, Ingo!

Der Motor hat nun 15 Betriebsstunden hinter sich, und das Öl ist immer noch honiggelb. Wir sind voll Stolz und Freude über die geglückte, hürdenreiche Reparatur.

In Brandenburg hätten wir auch ein Ziel, das wir Corona-Regel-Conform anlaufen könnten, um dort auf weitere Lockerungen zu hoffen.

Ja, nun könnten wir los. Stattdessen warten wir immer noch auf Wasser, aber die Chancen schwinden. Jeder im Wetterbericht für die Saalezuläufe versprochene Regen wird, je näher er rückt, um so weniger. Am Ende bleibt ein kleiner Nieselschauer von wenigen Minuten. Der ist der Saale ganz egal… In ganz Deutschland lässt Regen die Pegel steigen, nur nicht an der Saale und Elbe. Magdeburg Strombrücke hat nur noch 77cm, wir brauchen 90cm. Calbe UP hat nur noch um die 330cm, wir brauchen 350.

Sowohl nach den Erfahrungen der letzten beiden Jahre als auch nach den Aussagen der Leute vor Ort wird sich das bis zum Herbst nicht mehr wesentlich nach oben verändern. Unser Aufbruch wird uns nicht gerade leicht gemacht…

Wir verbringen unsere Tage auf angenehmste Weise und freuen uns des Lebens an Bord, unternehmen Radtouren, baden in Saale und Elbe, erledigen viele noch verbliebene Kleinigkeiten am Boot, und bereiten uns leckere Mahlzeiten. Jeden morgen 15min. auf dem Rudertrainer halten Rücken und anderes fit. Insgesamt treiben wir hier mehr und häufiger Sport als in den letzten Jahren im AntoniQ – wer hätte das gedacht. Unsere Bordküche unter Leitung von Maria ist großartig, wir haben noch an keinem Tag etwas gegessen, das nicht besonders lecker geschmeckt hätte…

Vom Boot aus sieht Calbe richtig nett aus. Leider nur vom Boot aus, ansonsten ist der Ort in erschreckendem Maße vom Wegzug, Leerständen und Verfall gezeichnet. Immerhin gibt es einen weitläufigen, sehr schönen, teils wilden, teils gepflegten Park in den Saaleauen.

Wie auch immer: Wir wollen los!!

Wenn die bis Dienstag noch angekündigten Regen auch keine Verbesserung bringen, werden wir den Schwertransport beauftragen. Auskranen bei der Fischer Werft, Transport nach Werder/Havel und dort mit dem eigenen Hafenkran wieder ins Wasser – das ist die Variante, die sich als die günstigste erwiesen hat. Und trotzdem über 3000 ungeplante Euros vom Konto holen wird…

Eine erste Nacht ohne Hafen

Nach mehreren Wochen Unklarheit darüber, was man auf dem Wasser in Sachsen-Anhalt darf und was nicht, hat die WSP inzwischen klargestellt: Ja, man darf Motorboot fahren. Und auch am Boot sein – nur eben nicht als Tourist, aber das Boot ist ja unsere Wohnung. So sind wir also seit einigen Tagen wieder auf unserem Boot. Die WSP ist schon einige Male vorbei gefahren und hat uns freundlich zugewunken.

Den Auspuff vom Generator haben wir nun umkonstruiert, er hat nun einen eigenen seitlichen Ausgang, schön mit Wassersammler und Schwanenhals, damit uns keine Welle in den Auspuff schwappen kann. So können wir ausschließen, das Seekühlwasser aus dem Generatorauspuff in die Hauptmaschine zurückschwappt – auch das könnte eine Ursache für das Wasser im Öl gewesen sein, neben der wahrscheinlicheren Ursache der undichten Zylinderkopfdichtung.

Und wir haben nun auch unsere ersten drei Probefahrstunden hinter uns. Und das Öl: Sieht immer noch aus wie frisches Öl. Es scheint, dass wir unser Ziel erreicht haben! Sicher behaupten würde ich das erst nach zehn Fahrstunden, aber wir sind mittlerweile sehr optimistisch. Welche Erleichterung!

Die Saale macht merkwürdige Sachen… Auf und ab, mehrmals täglich. Worauf soll man sich da verlassen?? Immerhin, der mittlere Trend ist nicht mehr abwärtsgerichtet. Wir brauchen für unsere 1,25m Tauchtiefe einen Pegel von 3,50, dazu 10cm, die sprichwörtliche Handbreit Wasser unter dem Kiel. In den letzten Tagen hätten wir also täglich gegen 11:00 aus der Saale ausfahren können.

Am Ostermontag sollte es ein ganz ordentlich regnen. Wir hatten darum beschlossen, Montag nachmittag die Saale abwärts zu fahren, z.B. bis Bernburg, um dort „auf der Lauer“ zu liegen für den vielleicht für dieses Jahr letzten kleinen Flutberg… Die Elbe am Domfelsen spielt im Moment noch mit.

Zwar sind auch in Brandenburg, wohin uns der Elbe-Havel-Kanal hätte führen soll, die touristischen Einrichtungen, auch die Bootshäfen, noch geschlossen – wir hätten also ankern oder öffentliche Liegestellen aufsuchen müssen. Aber wir sind nun mal auf diesekleiner werdenden Zeitfenster des Saalepegels angewiesen, sonst können wir unsere schwimmende Wohnung nicht mehr nach Brandenburg überführen. Und wo sonst kann man die Abstandsregeln besser einhalten als auf dem Wasser…

So verbrachten wir heute als „letzten Test“ für unser ganzes technisches Konzept eine erste Nacht ohne Steg, etwas oberhalb von Wettin, vor Anker.

Es ist wunderschön hier, genau wie wir uns das für die nächsten Monate ausgemalt haben – allerdings noch mit dem „sicheren Hafen“ im Rücken, genauer gesagt, ein paar km flussabwärts. Am Nachmittag benutzen wir auch zum ersten Mal unsere im Winter montierte Badeleiter und tauchen ganz kurz mal in die Saale ein. Sie hat knapp 14°. Juhu – „angebadet“! Um wieder warm zu werden, gibt’s danach noch ein Eis in der Sonne.

Wir genießen den Abend und die Abendsonne, stellen noch einen Haken für den Ankerball her, und essen leckere geräucherte Forellen, die uns ein Wettiner Nachbar heute zu Ostern vorbeigebracht hat. Danke, Fred!

Am Ankerlicht zeigt sich noch ein leicht zu behebender Wackelkontakt. Zur Nacht wird am AIS-Transceiver der im Falle des Falles deutlich hörbare Ankeralarm eingeschaltet.

Gute Nacht!

Am nächsten morgen, um 7, statt wie angekündigt, um 9 Uhr dann der versprochene Regen.

Der um 7:30 schon wieder vorbei ist und nur aus ein wenig Niesel bestand.

Damit ist unser Plan wieder im Eimer, wir legen wieder in Wettin an, fast schon gefühltes „zu Hause“. Der Wetterbericht zeigt keinerlei Aussicht auf Regen in den nächsten Tagen, alle Pegel auch der Zuläufe in die Saale fallen von Tag zu Tag. Kein Wasser mehr in der Saale schon vor Mitte April – das gab’s noch nie. Ein Telefonat mit der Leitstelle in Bernburg macht uns keine Hoffnung – sie haben ihr 90cm tief gehendes Arbeitsboot schon abgezogen, weil sie nicht mehr mit steigendem Pegel rechnen. Es müsse schon zwei Tage durchregnen, damit sich da noch mal was tut. „Da seid Ihr eine Woche zu spät“, ist der mitleidige Kommentar des Schleusenwärters.

So haben wir nun auch, bei aller Schönheit unserer gegenwärtigen Situation, unseren Corona-Schaden. Wir schicken eine Anfrage an eine Spedition für größere Boote… Wenn bis Mitte Mai kein Regen mehr kommt, bleibt uns nur noch diese Wahl, oder wir dürfen bis November auf den 100km Saale auf und ab fahren. Dafür war Elodie III ein bisschen teuer…

Immerhin verschafft uns Armin noch einen Liegeplatz in Calbe, direkt oberhalb der letzten Schleuse. Falls doch noch mal Wasser kommt, können wir dann immerhin sofort reagieren und in die Elbe ausfahren. Wieder mal danke, Armin!

vom mühsamen Sieg über einen rostigen Bolzen

Bevor uns Corona in die Pause schickte, haben wir die größte Herausforderung noch meistern können: Wir haben den Zylinderkopf herunterbekommen. 3 Tage lang haben wir gekämpft, den einen Stehbolzen, dessen Schaft sich mittels Rost mit der Bohrung im Zylinderkopf „verschweißt“ hatte, zu besiegen. Immer und immer wieder mittels Induktionsheizgerät zur Gluthitze gebracht, mit Rostlöse-Eisspray ruckartig abgekühlt, den Kopf in der Umgebung des Bolzens mittels Heißluftfön auf ca. 90° erhitzt, den Bolzen wieder schlagartig abgekühlt, mit dem Bohrhammer mit stumpfem Meißel seitlich auf eine auf den Bolzen gedrehte Mutter eingeschlagen.

So sieht ein Induktionsheizgerät aus, dass uns Armin geliehen hat, das er selbst von der örtlichen Autowerkstatt geliehen hat. Genial, so ein Gerät: Die Spirale vorn wird über den Bolhzen gehalten, und nach wenigen Sekunden ist der rotglühend!!

Mittels einer durchgesägten Mutter, deren zwei Hälften wir als Konterung gegeneinander gedreht hatten, versucht, den Bolzen selbst zu drehen – alle anderen Bolzen gaben bei dieser Behandlung ein oder zwei Grad nach, der eine nicht. Den Rostlöser ein paar Stunden einwirken lassen und die nächste Runde. Insgesamt wohl 20 oder 30 mal. Immer wieder probieren, ob sich etwas bewegt, mittels eines in der Nähe des Bolzens unter eine Kante des Kopfes geklemmten Wagenhebers. Die anderen Bereiche des Kopfes konnten wir ca. 1/2mm hochdrücken.

Aber bei dem festen Bolzen gar nichts. Ermutigungen und Geduldsaufforderungen im Boote-Forum und von unserem Bootsservice in Gestalt von Armin.

Am vierten Tag, fast genau um 12:00 Uhr, wieder mal den Wagenheber angesetzt und geschaut, und auf einmal sehe ich Licht von Gegenüber. Ich konnte unter dem Kopf „durchschauen“. Das konnte nur eines bedeuten: Er muss ich minimal gehoben haben.

Nun von oben einen Kettenzug an der anderen Seite angesetzt, der oben an einen Balken gehängt war, welcher quer über unser Dachluke lag, und an beiden Seiten des Kopfes möglichst gleichmäßig gedrückt und gezogen. Und das lang ersehnte und kaum noch erhoffte geschah: langsam, aber stetig, hob sich der Kopf!!

Welche Freude und Erleichterung!

Und was fanden wir? Nun, keinen ordentlichen Riss der Dichtung, was die sicherste Erklärung für das Wasser im Öl gewesen wäre… Aber doch sehr ausgeprägte Abnutzungsspuren, die Dichtung war um einige Zylinder herum sehr dünn, die Oberflächenstruktur nicht mehr erkennbar. Kann schon gut sein, dass das Wasser durch konnte, meint Armin. Und der zweite Zylinder sieht auch im Vergleich zu den anderen saubergewaschen aus, hat also offensichtlich immer wieder Wasser zu schmecken bekommen. Das erkennt ein alter Hase im Boote-Forum sogar auf dem nachfolgenden Bildern!

Es folgten die üblichen, mühsamen Schritte: Reinigen der Oberflächen mit einem Spachtel und dann einer Rasierklinge, genaue Betrachtung der Flächen und der Zylinder. Armins Urteil: Sieht gut aus. Der Motor dürfte schon einiges an Laufleistung hinter sich haben, da die Zylinderflächen keinerlei Hohnspuren mehr aufwiesen, waren aber völlig glatt, ohne Riefen oder ähnliches. Der Kopf zeigte sich mit dem Planlineal als völlig eben, ein Anschliff sollte nicht nötig sein.

Firma Drinkwaard hat dann auch pünktlich einen neuen Kopfdichtungssatz zugeschickt.

Nun heißt es, alles schön wieder zusammenfügen. Wo standen doch gleich die Anzugsdrehmomente für die Zylinderkopfschrauben? 260Nm!! Mehr als ein halber Meter lässt sich im Motorraum kaum händeln. Also bedeutet das, in verrenkten Körperhaltungen neben dem Motor mehr als 50 kg zur Seite drücken! Armins großer Drehmomentschlüssel lässt sich nicht beschummeln und knackt erst, als mein Kopf deutlich rot gefärbt ist.

So weit, so gut. Wenn alles wieder montiert ist, steht ein Probelauf, weitere Motorspülungen und schließlich die Probefahrt an.

Doch nun liegt der nächste Stein im Weg: Der Corona-Virus bremst uns nun erst mal aus. Ob das alles noch was wird bei jetzt schon bedenktlich sinkender Saale? Sie verliert gerade täglich 5 – 10 cm und ist schon auf 1,5m herunter. Wir brauchen 1,25m!

Rückschlag, aber richtig

Alles im Zeitplan: Unsere Wohnung ist schon ziemlich leer, das Boot weitgehend eingeräumt und wir sind im Kopf und ganz real schon eingezogen. Und in drei Wochen sollte es losgehen.

Letzte Woche noch ordentlich Inspektion gemacht, Keilriemen, diverse Filter und Impeller gewechselt und natürlich das Motoröl.

Und da kam der Schreck. So viel Pech kann man doch gar nicht haben. Der DAF575 gilt doch als unkaputtbar. Und er läuft wie die Nähmaschine, raucht kaum, springt immer sofort an. Und dann das::

Das ganze Motoröl ein einziger grauer Schleim. Alles voller Wasser. Und dann Tag für Tag eine andere Hoffnung auf einfache Ursachen zerschlagen. Nein, der externe Ölkühler ist dicht. Das viele Kondenswasser im Ventildeckel? Nein, denn nach der vierten Motorspülung mit billigem Öl ist klar: Da gibt es eine Verbindung im Motor zwischen Ölkreislauf und Kühlwasserkreislauf. Denn wir haben bei jeder Spülung nach ca. 1 Std. Motor-warmlauf mehr Öl herausgeholt, als wir hineingefüllt hatten. Und auf dem Kühlwasser schwimmt ein dicker Ölfilm.

Na dann: Zylinderkopf runter. „In zwei Stunden habt Ihr den ab“, ermuntert uns unser Bootsservicemensch. Von wegen. Am Freitag haben wir alle Flüssigkeiten wieder abgelassen und Auspuffkrümmer mit Kühlwasserausgleichsbehälter sowie den Ansaugkrümmer ab. Am Samstag dann noch eben die Lichtmaschine und die Dieselfilter, die am Kopf befestigt waren, und die Wasserpumpe. Auf dem Zylinderkopf dann noch die Kipphebelwelle demontiert, um an die 14 Muttern, mit denen der Kopf aufgeschraubt ist, heranzukommen. Englisches Gewinde: 11/16″! Immerhin eine 1″-Schlüsselweite, eine Nuss dafür findet sich schließlich im Werkzeugbestand des Bootsservices. Ja, die Muttern gehen los.

Doch zu früh gefreut: Den Rest des Samstages verbringen wir mit dem vergeblichen Bemühen, den Kopf abzuheben. Nichts bewegt sich. Mit dem Wagenheber Vorspannung, WD40 auf den Stehbolzen, mittels Holzklotz ringsum mit dem 2kg-Fäustel draufdengeln: Der Kopf bleibt fest. Ursache ist wahrscheinlich ein (oder mehrere, aber bei einen sieht man’s auch) Stehbolzen, der in der durch den Zylinderkopf führenden Bohrung festgerostet ist.

Am Ende des Tages sind wir unendlich geschafft und resigniert und sehen unser Vorhaben in Frage gestellt. Wegen einer Schraube. Nach zwei Jahren Arbeit. Zwei Wochen vor dem Start.

Wie es weiter geht, wissen wir zurzeit noch nicht. Die Küche liegt voller demontierter Motorteile. Unser Liegeplatz ist ab 1. April anderweitig vergeben. Das Boot ist manövrierunfähig. Der Bootsservice hat ein volles Auftragsbuch und kann uns zwar wie schon so oft raten und auch mal tatkräftig unterstützen, aber mehr geht nicht. Und irgendwann in ein oder zwei Monaten wird womöglich auch die untere Saale und der Magdeburger Domfelsen wieder unpassierbar werden…

Jammern im Booteforum (https://www.boote-forum.de/showthread.php?p=4909063&posted=1#post4909063) löst eine Welle der Ermunterung, hilfreicher Tipps und Hilfsangebote aus. Das tut immerhin gut. Nächste Woche werden wir weiter mit der Schraube kämpfen… Wenn sie nicht rausgeht, oder wenn sie rausgeht und wir nicht die Zylinderkopfdichtung als alleinige Ursache für das Wasser im Öl bestimmen können, brauchen wir einen neuen Motor oder müssen unseren überholen lassen.

Aber wie bekommt man eine halbe Tonne Motor am Flussufer heraus??? Mal ganz davon abgesehen, dass das sämtliche Zeit- und Geldpläne sprengen würde.