Die Überführung, Teil III

Würden wir also noch einmal die Chance bekommen, das Schiff über den Domfelsen und durch die untere Saale „nach Hause“ in den vertrauten Hafen des Bootsservice Wettin zu bewegen? Würde es noch mal genug Regen geben, damit die Saale um ca. 30cm und die Elbe um ca. 20cm steigt?

Wir haben die Pegel jeden Tag beobachtet. Und dann, am 23. Mai, eine Regenankündigung für die Region im Oberlauf der Saale und auch in Tschechien, im Elbquellgebiet. Am 24. Mai tatsächlich dort Regen. Am 25. Mai machte der Saalepegel im Unterlauf einen Satz nach oben, und auch die Elbe führte einen Schwall von ca. 30cm, allerdings erst unterhalb von Dresden. Dies sollte dann auch bis Mitte Dezember der letzte Schwall bleiben… Unsere Hoffnung: dass wir, wenn wir am nächsten Tag, dem 26.Mai, führen, den Elbeschwall gerade zwischen Magdeburg und Saalemündung hätten und deshalb auch die Saale, die im oberen Bereich schon wieder im Sinken begriffen war, nicht so schnell abfließen würde. Also nichts wie hin zum Boot – es war auch die letzte Woche, in der ich das noch betrieblich verantworten konnte, und auch Volker konnte noch mal mit los.

In Burg sehr faires kleines Geld für die zwei Wochen bezahlt, und noch am Abend bis zur Schleuse Niegripp, wo wir noch hinabgeschleust wurden und uns im Unterwasser an den Wartesteg legen durften. Dort ging es dann um 6:00 Uhr, wieder gegen den Elbstrom nach Magdeburg.

Was würde der Pegel Strombrücke zeigen? Etwa 80 cm brauchen wir, um mit unseren 1,25m Tiefgang über den Domfelsen zu gelangen. Und – ja, der Pegel war bei 84cm. Also noch eben Magdeburg Wahrschauer angefunkt, aber wie zu erwarten, gab es keinerlei Berufsschifffahrt in der engen Kurve, also los.

Wer die Strecke kennt, weiß, wie es da mit einem Verdränger geht – man fährt die Elbe mit ungefähr 6km/h über Grund, schon am Anfang von Magdeburg braucht es dazu ca. 12km/h im Wasser, also ordentlich Schub, und dann schaut man am Domfelsen beiläufig aus dem Fenster und staunt, dass man noch genau das gleiche neben sich sieht, wie vor 5 Minuten… Unser Boot schafft bei Vollgas gut 14km/h, also den Hebel ganz nach vorn, und der Blick aus dem Fenster zeigt, dass es wieder im Schneckentempo vorwärt geht. Hat man die paar hundert Meter dann zwanzig Minuten später geschafft, wird alles gut und die Elbe kommt einem wieder mit gemächlichen 5km/h entgegen. Und man atmet einmal tief durch…

Vorbei an Schönebeck, immer schön den Elbmäandern in den Außenkurven folgend, gleitet im Hintergrund später der Barbyer Kirchturm vorbei, und nun ist es nicht mehr weit bis zur Saalemündung, die wir gegen 13:30 Uhr erreichten.

Jetzt würde es noch mal spannend: Hätte die Saale unten tatsächlich noch genug Wasser, oder wäre der kurze Schwall schon wieder in der Elbe verschwunden? Wenn nicht, hätten wir wieder ganz nach Burg zurück gemusst und das wäre es dann auch für das Jahr gewesen…

Aber alles ging, wie erhofft – nach dem ersten unproblematischen Kilometer in der Saale entspannten wir uns langsam wieder, gönnten uns sogar in Groß Rosenburg ein halbe Stunde Imbisspause, und als um kurz vor 18 Uhr das Schleusentor Calbe vor uns auftauchte, erfüllte uns innerer und äußerer Jubel. Jetzt konnte bis „zu Hause“ nichts mehr schief gehen. Wir ließen uns noch hochschleusen und durften mit Erlaubnis der Leitstelle am Wartesteg im Oberwasser zur Nacht verbleiben. So ein schöner Abend, so ein guter Schlaf…!

Am nächsten Morgen ging es um 8:00 Uhr weiter, die wunderschöne Saale entlang, durch die schnellsten Schleusen von Deutschland mit der nettesten Leitstelle, an dem wunderschönen Bernburg mit seiner über dem Fluss thronenden Altstadt und Burganlage vorbei, wo wir gegenüber dem Italiener zum Mittagessen anlegten, bis nach Wettin, wo nach der für uns letzten Schleuse der Steg von Armin auf uns wartete.

Ja, die Saale ist ein in der Wassersportszene wohl unterschätzter Fluss!

Natürlich haben wir nicht versäumt, den gelegentlich über uns kreisenden Rotmilanen zuzuwinken, die schließlich dafür gesorgt hatten, dass die Schleuse Alsleben erst einige Wochen später gesperrt werden würde als geplant.

Diese beiden nachgehängten letzten Tage waren anstrengend, aufregend, aber auch wunderschön. Und die Zufriedenheit, als es in der Schleuse Calbe nach oben ging, kaum vorstellbar für jemanden, der nicht dabei war…

Es ist geschafft. Da liegt unser Schiff, und wir dürfen unsere Ideen zulassen, die wir in den nächsten eineinhalb Jahren an und in ihm umsetzen würden. Denn das ist ja klar: Nach so einer Tour ist die Liste der Wünsche, Ideen, Verbesserungsvorschläge und auch Mängel ganz schön lang. Jedenfalls dürften wir beim Kauf des Schiffes nicht ganz verkehrt gelegen haben, denn sonst hätte es diese Tour wohl nicht so gut geschafft…


Die Überführung, Teil I

Warten (Friesland, NL) nach Haren (Ems)

Maria konnte leider nicht mit zur Bootsüberführung, die wir mit ca. 10-11 Tagen eingeschätzt hatten, denn sie musste erstens arbeiten und zweitens auch nach unserem Herbergsbetrieb schauen…

Ich habe aber trotzdem einen „Matrosen“ gefunden – alleine hätte ich mich mit 18to Stahl auf 13m Länge und starrer Antriebswelle ganz unerfahren – nicht auf diesen weiten, schleusenreichen Weg getraut. Volker, der Partner einer Mitarbeiterin von uns, gerade in der Endphase einer langwierigen Reha, hatte Zeit und Lust, als Matrose und Smutje mitzufahren. Vielen Dank! Obwohl er noch nie auf einem Boot gewesen war, hat er alle Manöver prima unterstützt – und dazu  noch lecker gekocht.

Unsere Fahrtetappen hatten wir mit ca. 10 Std. täglich eingeschätzt und die auch immer in etwa einzuhalten versucht, damit der Zeitplan klappt…Der Zeitplan war weniger dadurch bestimmt, dass ich oder Volker nicht auch ein paar Tage länger hätten frei machen können, sondern durch eine angekündigte Schleusensperrung inmitten der Saale (Alsleben), die ab Pfingsten bis weit in den Herbst dauern sollte. Würden wir bis dahin nicht angekommen sein, wäre unser Zielhafen in Wettin also nicht mehr erreichbar gewesen. Und zwischen Magdeburg und Wettin gibt es auch keinen anderen Hafen, der uns für längere Zeit hätte aufnehmen können! Zudem begann auch schon die Trockenphase 2018, Elbe und Saalepegel waren bereits im Sinkflug.

Also uns ein Holländischer Schleusenwärter mal fragte, wie weit wir am Tage noch kommen wollten, nahm er spöttelnd die Antwort gleich weg: „Mooglichst weit, wie alle Duitsen“… Mag sein, aber ich finde, wir hatten gleich mehrere sehr gute Gründe, nicht bummeln zu wollen!

Am Anfang unserer Fahrt stand eine Einweisung durch den Makler in die Bedienung des Schiffes. Ähm, nein, davor stand noch die Fahrt vom Bahnhof zum Verkaufshafen. Wenn Ihr irgendwann einmal bei Schepenkring Friesland ein Schiff abholt: Nehmt ein Fahrrad, den Bus oder ein Taxi. Auch ein Hubschrauber oder ein Flugsaurier geht in Ordnung. Aber lasst Euch nicht vom Makler abholen, wenn Euch Euer Leben lieb ist!

Nun aber geht’s los – Heute nachmittag noch die Einweisung, am nächsten Morgen an die Tankstelle (dabei möglichst die Säule stehen lassen…) und dann auch schon die Abfahrt.

Unsere Route durch Holland:

  • Abfahrt in Warten bei Leeuwarden auf dem Princess-Margeret-Kanal
  • Auf dem van-Starckenborg-Kanal nach Groningen
  • Weiter auf dem Wijnschoterdiep
  • Wilderfankkanal
  • Stadskanal
  • Musselkanal
  • Ter Apel Kanal
  • Haren-Rütenbrok-Kanal
  • Ankunft in Haren(Ems).

Das holländische Teilstück wird am Ende mehr Zeit gebraucht haben als erwartet. Warum? Einfach weil ein guter Teil der Route durch Holland auf sehr kleinen Kanälen mit Geschwindigkeitsbegrenzung und sehr vielen kleinen Schleusen, Brücken usw. verlaufen ist. Von den kleinen Schleusen war dann auch noch eine vorübergehend kaputt. Am Ende der Etappe sollten wir für ein Viertel der Strecke bereits vier von 10 Tagen verbummelt haben!

Die ersten 80km verliefen unspektakulär auf auch berufsschiffstauglichen, gut organisieren Wasserstraßen. Die Joysticksteuerung war sehr gewöhnungs- und übungsbedürftig. Warum? Nun: Ein Lenkrad hält man so lange in der Kurvenstellung, bis die Kurve zu Ende ist. Dann dreht man es zurück. Einen Joystick hingegen muss man loslassen, also zurückstellen in die Mitte, sobald das Ruder gelegt ist. LOSLASSEN!!! Und wenn die Kurve zuende ist, zur anderen Seite drücken, um das Ruder wieder gerade zu stellen. (Von den ganzen Zwischenkorrekturen einmal abgesehen). Nun reagieren 18 Tonnen aber träge auf die Ruderlage. Also muss man den Joystick nicht loslassen, wenn das SCHIFF schön dem Kurvenradius folgt, sondern schon, wenn das RUDER so gelegt ist, dass das Schiff in weiteren 5 bis 10 Sekunden dem  gewünschten Kurvenradius folgen WIRD! Der geneigte Leser mag sich vorstellen, dass wir zunächst einen ganz schönen Schlingerkurs fuhren, bis wir das Verhalten des Schiffes einigermaßen kannten. Gut, dass die wirkliche engen Strecken erst weit hinter Groningen beginnen würden.

Unsere erste Nacht dann in Groningen, ein wunderschöner aussichtsreicher Liegeplatz gleich nach der großen Schleuse, mit gefunkter Erlaubnis des Schleusenpersonals, und ein bisschen das abendliche Groningen genossen. Am nächsten Morgen gleich weiter in Richtung Veendam, immer noch auf einer Großschiffahrtsstraße. Erst in Veendam biegt man dann ganz plötzlich im Ort in eine winzig erscheinende Bootsgasse ein. Da sollen wir durchpassen? Und das mit unserem immer noch gelegentlich schlingernden Kurs?? Aber was muss, das muss…

Nach wenigen 100m dann eine scharfe Linkskurve. Und hier erfuhren wir in Veendam von einem Vertreter der Rijkswaterstraat, dass wir hier heute  erst mal liegen bleiben müssten, eine nachfolgende Schleuse sei kaputt, mal sehen, wahrscheinlich morgen… Und da hatten wir es an dem Tage nur von Groningen bis her geschafft, also 25km! Es ist halt so: Schiff fahren und Eile passen einfach nicht zusammen – schon gar nicht auf kleinen holländischen Kanälen! Der Liegeplatz war allerdings sehr schön und wäre unter anderen Umständen sicher auch eine freiwillige Nacht wert gewesen. Und wir bekamen zum Trost noch Flyer und Infos zum Ort gereicht – Sollte die Schleusensperrung eine Initiative des örtlichen Touristenverbandes sein?

Zudem war der Zwangshalt auch die erste echte Herausforderung in Sachen manövrieren auf engstem Raum. Denn wir mussten unser Boot im engen Kurvenbereich rückwärts in eine enge und eigentlich zu kurze Bucht hineinschieben. Für jemanden, der bisher nur Z-Antriebe kannte, keine Kleinigkeit, und als wir ohne peinliche Fehler festgemacht hatten, machte mein Selbstbewusstsein, nein, besser, mein Vertrauen in das Zurechtkommen mit dem Schiff, einen ganz schönen Hüpfer! Insofern wiederum zufrieden, fiel es uns nicht schwer, nun auf eine Runde Urlaub und entspannung umzuschalten und den Abend bei Wein und Whisky auf dem Achterdeck herabdämmern zu lassen.

Der nächste Morgen begann mit einem Missgeschick… Ich wollte meinen Matrosen noch nicht wecken, sondern ging erst mal Brötchen holen. Als ich wiederkam, war er nicht nur schon aufgewacht, sondern hatte auch schon das 10kW-Stromaggregat gestartet, um Eier zu braten. Oh je, ich ahnte, was das bedeutete… Und tatsächlich: Es stank im Salon bereits nach schmorendem Plastik. Ich hatte am Abend den Seewasserzulauf für die Auspuffkühlung des Generators abgestellt! Der erste Griff ging zum Abschaltknopf, aber: zu spät. Ein Blick in den Generatorraum zeigte: der Schalldämpfer war bereits von den heißen Abgasen durchschossen worden. Nun gut, erst mal nicht schlimm, nur mit dem Kochen würde es erst mal niX werden, schade für den Matrosen, der halt auch sehr gerne den Smut machte.

Am nächsten morgen ging es tatsächlich weiter – im Schneckentempo durch die Grachten,  im Konvoi mit 4 oder 5 Booten. Eine Brücke nach der anderen wurde von Hand geklappt, teilweise mussten mit dem Hammer in der Hand Bolzen herausgeschlagen werden, es wurde gekurbelt, gezogen und gedreht. Dafür wiederum ging es recht zügig, denn uns begleiteten ungefähr 7 Leute in orangen Westen – wurden wir gerade an einer Brücke durchgewunken, bereiteten einige schon die nächste Brücke vor, während hinter uns noch die vorige Brücke geschlossen und für den Straßenverkehr eingerichtet wurde. Vom Ablauf her perfekt – nur eben laaaangsam.

Inzwischen hatten wir auch erfahren, dass der Haren-Rütenbrock-Kanal, der uns am Ende der Holland-Etappe an die Ems bringen sollte, an Feiertagen nicht bedient wird. Würden wir bei dem Tempo noch am Mittwoch den Kanal erreichen, genauer gesagt, vor Mittwoch Mittag, weil man, wenn man später einfährt, nicht mehr vor dem Feierabend des Bedienpersonals den Kanal vollständig durchfahren kann, oder würden wir dort, vor dem Kanal oder darin eingesperrt im emsländischen Nirgendwo, einen weiteren Tag verlieren?

Nach dem Ort, ca. 20 Brücken später, ging es ein bisschen flotter, die Brücken lagen weiter auseinander, so dass die Begleitmannschaft die Brücken schon offen hatte, wenn wir ankamen, und Schleusen schon einladend offen standen.

Und dann sollte das eben erste gewonnen Selbstvertrauen doch wieder einen (übrigens bis heute nachwirkenden) Knacks bekommen. Es geschah in Stadtskanal, wo die Brücken wieder Steuerhäuser hatten und elektrisch funktionierten, aber keineswegs breitere Durchfahrten hatten: Ein Brückenwärter rief uns, die wir als letzte des Konvois fuhren, aus seinem Fenster ein „sneller, sneller“ zu.

Nun gut, nach dem Einparken gestern Abend und so vielen gut gemeisterten extrem engen, oft mit scharfkantig herausstehenden Stahlträgern und ähnlichem ausgerüstetetn Brücken und Schleusen, gepaart mit dem Wissen, dass die Manövrierfähigkeit ja mit etwas mehr Schub besser wird, ging ich die nächste Brücke schneller an. Ein Fehler!!!

Ein leichter Windstoß versetzte das Boot minimal. Aber ganz knapp vor den Dalben, die die Fahrrinne vor der Brücke einengen. Schreck, Joystick kurz zur falschen Seite, dann richtig, aber, schon etwas in Panik, einen kleinen Moment nicht an das LOSLASSEN!!! gedacht, also übersteuert. Keine Chance mehr, den Bug noch vom Dalben wegzudrehen. In Panik den Maschinentelegrafen auf voll rückwärt gezogen. Um nun zu  lernen, dass man das mit dieser (elektronischen) Steuerung nicht machen darf. Nicht nur macht sie beim Nulldurchgang zur Schonung des Getriebes eine kleine Pause (gut so), sondern auch steigt sie, wenn man den Hebel richtig schnell durchzieht, einfach aus und verabschiedet sich mit einem Warnpiepen. Ohne Bremswirkung „schießt“ (mit 6km/h, das kommt einem in so einem Moment aber mindestens wie Motorradfahren vor) das Schiff am Dalben vorbei gegen das Land, welches es dabei noch gegen den, mit scharfkantigem Stahl unterhalb des Freibordes bedeckten Dalben wirft.

Leicht auf die Seite geneigt, kommt das Schiff zur Ruhe, die Menschen bleiben stehen und fragen, ob wir Hilfe brauchen, der Brückenwärter macht erst mal wieder zu. Motor aus, zur Ruhe kommen, was nun, ist das Schiff schon im Eimer, leck, kaputt? Außen ist nur eine leichte Delle zu sehen, wo der Dalben reingekracht ist, und natürlich ist dort der Stahl blank. Im (berufsschiffig komplett abgeschotteten) Vorschiff: Kein Wasser, kein weiterer Schaden von innen erkennbar. Vorsichtig den Motor wieder an, die Steuerung tut wieder, was sie soll. Langsam rückwärts, das Schiff kommt in Bewegung, schwimmt sich frei, liegt wieder gerade. Schließlich liegen wir wieder frei schwimmend vor der Brücke, der Brückenwärter öffnet erneut, und wir fahren – nun wieder seehr vorsichtig – weiter. Alles funktioniert! Später werden wir festestellen, dass es tatsächlich keinerlei weitere Schäden außer der Beule gegeben hat. Berufsschiffig halt!

Weiter ging es Richtung Ter Apel. Wenn nun nichts mehr dazwischen käme, würden wir locker am Mittwoch vormittag am Haren-Rütenbrock-Kanal rechtzeitig zur Einfahrt zur Stelle sein und können uns für den Rest des Dienstages Zeit lassen. So dass wir, als der Kanal uns an einer Landmaschinenwerkstatt vorbei führt, erst mal anlegen und uns von den Schweißern dort ein passend gekrümmtes Rohr im Durchmesser des Auspuffes schweißen lassen, das wir anstelle des Plastikschalldämpfers einbauen. Juhu- jetzt wird’s auch wieder Strom geben. Und wo wir schon mal am Ufer liegen… können wir auch gleich die Beule wenigstens einmal grundieren und lackieren, damit da nichts nachkommt.

Weiter ging’s, eine letzte Nacht in Holland, in Ter Apel, am nächsten Vormittag hinein in den Haren-Rütenbrock-Kanal, zusammen mit zwei anderen Booten. Gleich vor der ersten nicht klappbaren Brücke dann noch mal eine Verzögerung – aber zum Glück noch rechtzeitig bemerkt und aufgestoppt: Die Brücke war knapp zu niedrig für unseren etwas angeberischen, aber sehr unpraktischen, weil schweren und nur zu zweit umzuklappenden Instrumententräger. So ging es dann ohne weitere Boote gemächlich weiter bis nach Haren/Ems, das wir am Nachmittag noch glücklich, wenn auch einen Tag später, als geplant erreichten.

Und wie war nun Holland? Est mal: Schön. Ein wirkliches Erlebnis. So viele immer freundliche, hilfsbereite, gut gelaunte und entspannte Menschen – das tat uns als Bewohner einer ostdeutschen Provinzstadt sehr gut! Das Befahren der winzigen Kanäle in Eile war zwar schön, abwechselungsreich, bunt, aber für uns nicht so entspannt, vor Allem nach dem „Kollisionstrauma“… Friesland war sicher der schönste Teil der Stecke, und das soll ja wohl auch im Vergleich zu anderen holländischen Provinzen so sein. Auf den kleinen Kanälen von Groningen nach Haren ist nicht so schön, dass man die gesamte Zeit auf Kanälen fährt, die beidseitig von mal größeren, mal städtischen Straßen begleitet sind, direkt am Kanalufer. Die Ruhe, die wir mit dem Wasserwandern verbinden, stellt sich da selten ein.

Den Haren-Rütenbrokkanal sollte man wirklich in einem Stück durchfahren – er wird beständig von einer stark befahrenen Bundesstraße begleitet, also erst recht niX mit stillen Wassern…

Trotzdem habe ich durchaus Lust bekommen, wenn wir dann auf unsere große Reise gehen, auch Holland nicht auszulassen, dann aber natürlich ohne jegliche Eile, was ja auch dem Land gerechter wird, als es nur als möglichst schnell hinter sich zu lassende, bremsende Etappe wahrzunehmend.