Warten auf Sonne, mit Möven…

Nicht lange her, da warteten wir auf Regen… Das hat dann ja auch schließlich geklappt. Nun haben wir die Küste fast erreicht und liegen in Bad Schwartau – mit Blick auf die Kanaltrave, auf der Schiffe von der Ostsee nach Lübeck einlaufen. Und hier warten wir nun darauf, dass das Wetter wieder stabiler wird. Denn bei 5 und mehr Windstärken trauen wir uns noch nicht hinaus auf’s Meer, um durch den Fehmarnsund nach Kiel zu fahren.

Noch besser wäre es sicher, in Travemünde zu liegen, dort nehmen die Häfen aber um die 30€ für eine Nacht… Hier liegen wir beim Stettiner Yachtclub für 11€. Naja, der Markt bestimmt den Preis.

Die Fahrt von Lauenburg führte uns durch den Elbe-Lübeck-Kanal, eine sehr entspannte Fahrt durch insgesamt 7 Schleusen, mit Pause in Mölln, wo wir zwei Tage verbrachten. An einem davon ging es mit dem Fahrrad nach Ratzeburg, wo wir wieder mal einen alten Bekannten besucht haben.

Am anderen Tag haben wir unser Wasserwerk repariert, die Teile waren wie geplant bei einem Möllner Yachtclub angekommen. Zum Einbau habe auch ich, Knut, mich mal wieder in den Schiffsbauch gezwängt:

Auf der Weiterfahrt haben wir dann noch eine Nacht an der Donnerschleuse übernachtet, dort kann man kostenfrei liegen. Die Schleusen des ELK sind ganz spannend: Sie arbeiten komplett ohne Strom – die Antriebskraft für die Tore und Schütze wird aus dem Wassergefälle gewonnen und in Luftdruck umgesetzt, die Schleusenwärter öffnen und schließen mit dicken gußeisernen Handräder Luftventile, und an den Toren gibt es schlürf- und Prustgeräusche. 100 Jahre alte Technik ohne Fehl und Tadel. Hier gibt es die Beschreibung dazu, vom Erfinder selbst, Herrn Hotopp: http://www.rondeshagen.com/Hotopp_Schleusen.html .

Zudem sind es zum Teil Sparschleusen – bei denen wird bei Talschleusungen die erste, „obere“ Hälfte des Schleuseninhaltes in ein Becken neben der Schleuse laufen gelassen, das dann für die erste, „untere“ Hälfte der Bergschleusung wieder verwendet wird. Der ELK ist nämlich ein Kanal, der erst hinauf nach Mölln und dann wieder hinunter zum Meer bzw. zur Elbe führt. Und oben gibt es logischerweise wenig Wasserzulauf, deshalb ist Wasser Sparen hier besonders wichtig. An der höchstgelegenen Schleuse wird außerdem im Winter Wasser in Speicherbecken gesammelt.

Zu jeder Schleuse gehört ein Schleusenwärterhaus. Dort haben die Wärter früher mit ihren Familien gewohnt und das Amt auch meist an ihre Söhne vererbt. Die Schleusen heißen nicht nach den Orten, sondern nach den Familien. Heute sind sie immer noch wunderschön, aber haben nichts mehr mit der Schleuse zu tun, die Schleusenbediener sind recht junge Leute im Schichtdienst, die augenscheinlich Spaß an ihrer Arbeit haben.

Nach der letzten Schleuse taucht recht bald Lübeck am Horizont auf, und gar nicht viel später ist man schon in den weiten Gewässern des Hafens.

Hinter der letzten Brücke (die Eisenbahnhubbrücke auf dem vorletzten Bild, die übrigens auch ohne externe Energiezufuhr zu betreiben ist) heißt es: Deutschlandfahne ans Heck gesteckt. Denn ab dort befindet man sich nicht mehr auf Binnenwasserstraßen, sondern auf Seewasserstraßen, mit anderen Regeln, Hupsignalen, Lichtzeichen… Und Fahnenführung.

Maria freundet sich gerade so richtig mit Schleswig-Holstein an und ist ganz überrascht von den schönen Landschaften hier. Da ist aber Ostholstein ja auch wirklich eine Perle: Wälder auf Hügeln, dazwischen idyllische Seen und wunderschöne mittelalterlich alte Städtchen – was will man noch…

Und es tut so gut, dass Dich die Leute, denen man auf dem Radweg begegnet, in die Augen schauen und freundlich grüßen und sich bedanken, wenn man ihnen Platz macht. Und der Hafennachbar einem ein fröhliches herzlich willkommen zuruft. Und die Bäckereiverkäufer nicht gleich unwirsch werden, wenn man einen Moment überlegt. Und die Hunde – von einer unangenehmen Begegnung gestern einmal abgesehen, ihren Haltern nicht zur Stärkung ihres schwachen Egos dienen, sondern zur Freude.

Gestern gab’s dann die Radrunde durch Lübeck. Eine wirklich schöne Stadt, voller Mittelalter, voller Menschen, voller Läden – wir haben nicht einen einzigen Leerstand gesehen. Spannend: die Altstadt ist von Zweigen der Trave umringt. Man kann mit Mietböötchen im Kreis darum herum fahren – ohne Schleusen. Die Altstadt inmitten dieses Ringes liegt einige Meter höher, und darin gibt es einen See, der über ein Mühlenwehr auf einer Seite in die Trave hinab ausläuft. Nun dürft Ihr mal Raten, wie das Wasser IN den See HINEINkommt?? Nein, da wird nichts gepumpt, und Regenwasser reicht nicht für den Antrieb der Mühle…

Nun also warten wir auf Wetter, bei dem wir uns hinaustrauen auf’s Meer. Dabei unterstützen uns Möwen und andere Vögel, sehr zur Freude von Maria, der Möwenfreundin…

CC BY-SA 3.0, me, Bamse — Travail personnel Black-tailed gull (Larus crassirostris) in Japan

Etappenziel erreicht

Gestern haben wir es bis Lauenburg elbabwärts geschafft. Der Hafenmeister sollte Recht behalten, keine weiteren Probleme. Die Elbe war aber auch noch mal um 15cm gestiegen…

Bei schönem, aber auch heißem, windarmen Wetter haben wir den neuen Anker ausprobiert. Und es klappt. Mitten im Elbstrom stand Elodie, selbst mit etwas Rückwärtsschub bewegte sich nichts mehr. Da konnten wir erst mal schwimmen gehen… Und den neuen Anker taufen.

Natürlich nur am Seil, gegen die Strömung zu schwimmen ist chancenlos. Dafür hält einen die Strömung dann aber am Seil hängend auch ohne weiteres Zutun an der Oberfläche. Wasserski ohne Skier…

Mit dem Sonnenschirm haben wir uns etwas Schatten zu verschaffen versucht beim Fahren – leider weht der aber immer gleich um.

Ab Boitzenburg änderte sich dann das bisher gewohnte Bild der Einsamkeit: Freitag, Urlaubsbeginn in Hamburg und Schleswig-Holstein – plötzlich war das Wasser voll mit Sportbooten… Für die nächsten zwei Monate werden wir uns aus der Einsamkeit wieder an Trubel gewöhnen müssen. Der aber gegenüber dem Landleben natürlich immer noch recht entschleunigt ist.

Nun liegen wir in der Marina Lauenburg, morgen geht es dann durch den Elbe-Lübeck-Kanal ans Meer. Die Boote ganz hinten auf dem Bild warten auf die Öffnung der Eingangsschleuse. Weil der Kanal ziemlich wenig Wasserzufluss in der Scheitelhaltung hat, wird nicht für jedes Boot geschleust, sondern immer gewartet, bis einige Boote beisammen sind. Normalerweise wartet man bis zu einer Stunde, bei Wasserknappheit bis zu zwei. Heute kam erstmalig die Meldung in den NfB (Nachrichten für Binnenschiffer), dass das Wasser knapp wird. Dafür sind aber seit gestern so viele Boote unterwegs, dass es kaum zwei Stunden dauern dürfte, bis genügend Boote beisammen sind.

Gleich bekommen wir noch Besuch, wieder von einem zum Freund gewordenen AntoniQ-Kunden aus Hamburg.

Abenteuer Elbe

Gestern ging es von Hinzdorf bis Hitzacker, 70km stromab, die Strecke E9, die bei Elwis am Vortag mit F/T (Fahrrinnentiefe) von 160cm angegeben war. Über Nacht war der Pegel noch um 10cm gestiegen, was wir auch an den Ufern augenscheinlich verifizieren konnten. Wir hätten also durchgehend mindestens 40cm Wasser unter dem Kiel haben müssen.

So sind wir wieder mit bis zu 16km/h stromab gerauscht, wieder fast allein, bis auf einzelne Paddler, drei Sportboote, das Peilschiff „Domfelsen“, das Fahrgastschiff Elise aus Dömitz und ein Bagger, der die Buhneköpfe am Elbufer mit neuen Steinschüttungen stabilisierte.

Gleich nach der Abfahrt sahen wir noch einmal den Uhrenturm von Wittenberge, ein eher nicht so hübsches Wahrzeichen im Gelände der Singer-Werke, wo bis 1992 Nähmaschinen gebaut wurden.

Der „Domfelsen“ ist ein Peilschiff, das mit ausgebreiteten Armen, pardon, Auslegern, die Elbfahrrinne abfährt und die Lage und Tiefe der Fahrrinne kontrolliert.

Vier Stunden lang genossen wir die Elbe…

…erreichten auch „die Grenze“ mit Kolonnenweg und Wachtürmen, bevor sie beim Amt Neuhaus die Elbe noch einmal für einige Kilometer verlässt (das war die BRD-Enklave am anderen Ufer, die nur mit kleinen Fähren vom Wendland aus erreichbar war)…

Um dann 15km vor dem Ziel von totaler Entspannung zu großer Anspannung umzuschalten. Ja, wir haben genau die Fahrrinne eingehalten. Die Wechselstrecken sind ja nicht immer so eindeutig, aber der erste Schreck kam direkt vor einer Fahrrinnenmarkierung, da konnten wir gar nichts falsch machen. Und doch: Der Tiefenmesser fällt… bei 70cm zurück auf Slow, 60cm, bei 50cm zurück auf Dead slow, um keinen weiteren Absunk zu erzeugen (so nennt man das Eintauchen des Schiffshecks, wenn die Schraube kräftig schiebt und dabei das Wasser unter dem Boot quasi wegzieht), 40cm, 20cm, der Alarm piept, 0cm… Wir gleiten nur noch mit der Strömung weiter… nach ca. 50m war das Flach überwunden, wir atmeten kurz auf. Doch bei drei weiteren Wechseln hatten wir sogar noch richtige Grundberührungen – das Schiff macht einen kleinen Hupfer, beim letzten Flach sind es mehrere, und das Schiff wird deutlich abgebremst, so dass wir wieder etwas Schub geben, in der Hoffnung, irgendwie drüberweg zu rutschen. Bitte nicht wieder auf einer Elbsandbank festhängen… Nun ja, ganz so schlimm wäre es dieses Mal nicht, es sind ja nur kleine Sandbankhügel, keine uferseitigen „Wände“, von denen man nicht mehr wegkäme, und die Elbe ist nach wie vor im Steigflug, also kämen wir am nächsten Tag sicher frei. Trotzdem, wir wollte das nicht noch mal.

Es scheint, dass die Tiefenangaben des WSA nicht immer verlässlich sind. Der Hafenmeister wird uns nachher erklären, dass die Berufsschiffe meistens schon etwas vor den markierten Wechselstellen die Seite wechseln und damit Sediment aufwirbeln, das sich dann unterhalb wieder absetzt – nämlich genau in der eigentlichen Fahrrinne. Trotzdem – 40cm weniger? Wer weiß, was da schief läuft. Gestern und heute wird genau für diese Strecke keine Fahrrinnentiefe mehr bekannt gegeben. Vielleicht hat das was mit den aktuellen Messfahrten der „Domfelsen“ zu tun?

Mit dem Hafenmeister von Hitzacker hatten wir schon telefonischen Kontakt und die Öffnung der Drehbrücke in das Hafenbecken bestellt, jetzt war absehbar, dass wir fast eine Stunde verlieren würden, wenn wir denn nicht ganz stecken bleiben würden. Er kam uns zuvor und rief uns an, um uns zu sagen, dass wir schön langsam machen sollten, ihm sei soeben der Schlüssel für die Brücke ins Wasser gefallen!

Das Zittern hatte ein Ende: die letzten zwei oder drei Kilometer vor der Hafeneinfahrt waren unproblematisch (obwohl man noch mehrmals die Seite wechseln muss, zum Teil sehr steil, so dass man der Strömung zuvor kommen muss…).

Und der Hafenmeister hatte auch noch mal angerufen und berichtet, dass der Schlüssel gerettet sei und er uns auch bereits auf dem AIS sähe, wir sollten nur schön ruhig machen.

Als wir in die Hafeneinfahrt hineindrehen und uns der Drehbrücke nähern, sehr vorsichtig, erst wegen der Strömungswirbel, dann weil die Brückendurchfahrt echt schmal aussieht, springt die Ampel auch schon auf grün, der Hafenmeister winkt uns durch, und wir finden an den schicken und sehr neuen Stegen von Hitzacker einen prima Platz.

Beim Kassieren rettete uns der Hafenmeister den Abend, in dem er versprach, dass die schlimmste Etappe hinter uns liegt, und die Strecke nach Lauenburg keine weiteren Probleme macht.

Den Abend verbringen wir im angeregtem Gespräch mit zwei Leuten, die gerade in Hamburg ein Boot gekauft haben und es nach Berlin nach Hause überführen. Wir werden wohl in Kontakt bleiben – manchmal passt’s halt.

Donnerstag schauen wir uns in dem schönen Städtchen um, kaufen ein, und rudern mit Elodette zum Eis- und Kuchenschiff, das in der Jetzel liegt.

Und wir genießen die Entspanntheit, Freundlichkeit und Zufriedenheit der Leute hier, die wir in Sachsen-Anhalt und z.T. auch in Brandenburg so oft vermisst haben.

Mit dem Strom

Auf geht’s Richtung Westen! Und nicht, wie gedacht, über den -auf langen Strecken doch recht langweiligen – Mittellandkanal und Elbe-Seiten-Kanal,
sondern doch über die Elbe. Die steigt nämlich seit dem 14.6., und steigt,
und steigt. Wer hätte das gedacht! Hätten wir uns geärgert, wenn wir im Mai die Geduld verloren und für 3000,-€ einen Schwertransport durchgeführt hätten! Und nun werden wir noch einmal von der Elbe belohnt und dürfen die wunderschöne Mittelelbe hinab fahren, mit sagenhaften 15 km/h, weil die Elbe schon selbst 5km/h mitbringt.

Mit kaum mal weniger als 1m Wasser unter dem Kiel folgen wir aufmerksam dem Hin und Her der Elbefahrrinne, immer mit dem Blick auf die Uferkennzeichen, die der Schifffahrt verraten, wann welche Flussseite tief genug ist. Wie das funktioniert? Ist hier unter Kapitel VI erklärt. Man muss sich wirklich gut daran halten, fährt man zu spät auf die andere Seite oder verpasst einen Übergang, rumpelt man mit Sicherheit auf Sandbänke, Buhnen oder Strände.

Apropos Schiffahrt: In den ersten sechs Stunden, in denen wir die 80km von Parey bis kurz vor Wittenberge, genau gesagt bis Hinzdorf, zurücklegen, begegnen uns ein Kanu und zwei Sportboote. Ansonsten sind wir in den Weiten der Elbe ganz und gar allein. Und Weiten sind es: Zum ersten Mal erleben wir die Elbe bei mittlerem Wasserstand, nur die Buhnen schauen noch heraus, die Strände dazwischen sind weitgehend überspült.

Ansonsten begleitet uns Vogelgesang von Nachtigall über Kranich, Kuckuk und Lerche bis Star und Sperling.

Am Ende des Sonntags wollten wir eigentlich in Wittenberge in den Hafen, aber kurz davor liegt ein ordentlicher Steg vor Hinzdorf, mit einem großen Schild „Bootsanleger“. Ein Angler macht äußerst unwillig Platz, schaut dann zu, wie wir seehr vorsichtig an den Steg manövrieren, und rührt keine Hand, sondern beobachtet grimmig, wie Maria sich abmüht, die Leine an den Steg bekommt… Unfassbar, wie stumpf Menschen sein können. Sehr behutsames Annähern an den Steg ist unumgänglich, denn weder wissen wir, wie tief es davor ist (über 2m, zeigt sich!), noch wie die Strömungsverhältnisse sind. Denn zwischen den Buhnen dreht der Elbstrom muntere Pirouetten und strudelt bis hin zur Rückwärtsbewegung. Unsere 20to schwere Elodie III nimmt das alles aber doch sehr gelassen.

Oben im Dorf muss man dann, informiert ein Schild, an einem Haus klingeln, dort lädt uns ein netter Senior in seinen Garten, bittet uns Platz zu nehmen, und holt den Quittungsblock, um uns unsere 6 Euro Gastliegegebühr zu bestätigen. So schön und für so wenig Geld haben wir noch nicht gelegen (von den konstenlosen freien Anlegern an MLK und EHK abgesehen, natürlich).

Montag gibt’s dann per Fahrrad einen Morgenausflug nach Wittenberge, wo Knut gleich zur Öffnung kurz zum Zahnarzt muss, am Nachmittag radelnd wir dann noch mal los, in die andere Richtung, nach Rühstedt, das bekannte Storchendorf, in dem auf den Hausdächern ca. 30 Storchenpaare ihre Jungen betreuen. Toll anzusehen!

Und interessant, wie dieses Dorf es verstanden hat, die Chance, die ihnen die Natur da geschenkt hat, zu nutzen und sehr erfolgreich einen sanften Tourismus zu etablieren. Es wirkt so, als hätten dort alle verstanden, wie gut diese Störche für das Dorf sind.

Weil es sonst so wenig Bilder gibt, hier mal einen ganze Bildergalerie der letzten Tage.

Morgen geht es weiter nach Hitzacker, dann nach Lauenburg und Lübeck.

Nach Mölln haben wir noch einen Satz Dichtungen für unser Wasserwerk bestellt, genauer: das Wasserdruckwerk, das das Tankwasser auf Leitungsdruck bringt. Es ist eine 30 Jahre alte Speck-Pumpe, die schon seit ca. 1957 bis heute quasi unverändert gebaut wird… Sie verliert recht schnell den Druck und muss deshalb immer wieder anspringen – das kostet Batteriestrom…

Qualität – ein Anspruch von gestern??

Hier muss ich mal ein bisschen meckern:

Wir haben ja seit Sommer 2018 viele neue Dinge eingebaut.

Und erleben mit Schrecken, wie viele dieser neuen Dinge schon jetzt, nach kurzem Benutzen, kaputt sind:

  • Die Gasdruckfeder, die unser Eingangsluk hebt, hat keinen Druck mehr,
  • Das eher teure Simrad-Funkgerät funktioniert nicht richtig, die interne Funkverbindung zwischen dem mobilen Handset und dem eingebauten Geräten ist sehr gestört,
  • Der DVB-T-Empfänger empfängt noch, aber alle Tasten und Knöpfe sind nach einigen Minuten Laufzeit wirkungslos, man kann ihn nicht mal mehr ausschalten,
  • Die Wind- und Wetterstation, die ihre Außengeber auch über eine interne Funkverbindung empfängt, tut von Anfang an nicht, was sie soll, der Regenmesser steht selbst bei Sturzregen bei Null, die Temperaturwerte sind manchmal völlig unsinnig…
  • Die Navionics-App hat mehrere Fehler – bedenklich sind davon die falschen Brückenhöhen in Berlin. Auch eine Einstellung wird immer nicht mit gespeichert.

Man muss sich schon wundern, wie schlechte Qualitäten so verkauft werden. Dagegen: Alle „alten“ Sachen am Schiff lassen sich nach 30 Jahren noch selbst reparieren, alle Ersatzteile sind noch erhältlich und innerhalb weniger Tage vor Ort…

Interessant aber auch, wie unterschiedlich die Lieferanten damit umgehen:

Der holländische Lieferant der Gasdruckfedern bittet, ein Foto der eingebauten Feder zu mailen, und schickt dann sofort, ohne die kaputte zurück haben zu wollen, eine neue los.

Navionics hat immerhin einen sehr netten Support, der schnell zurückmeldet, dass die Fehler weitergegeben wurden und im nächsten Update behoben werden.

Die großen Lieferanten AWN und SVB hingegen zeigen sich wenig hilfsbereit. AWN antwortet überhaupt nicht auf Mails, telefonisch erreicht man nur die Bestellhotline, die regelmäßig ihre Nichtzuständigkeit erklärt und auf andere Durchwahlen verweist, mit denen man doch wieder bei der Bestellhotline auskommt. Nach fünf Wochen gelingt es mir, mit jemand zuständigem zu telefonieren. Ich müsse das Funkgerät ausbauen und einschicken, AWN schickt es dann weiter zu Simrad, und nach einer unabsehbaren Zeit von vielen Wochen kommt es dann zu AWN und dann zu mir zurück. Wenn man weiß, mit wie vielen Kabeln so ein Funkgerät verbunden ist, und wenn man weiß, wie wichtig ein Funkgerät auf berufsschiffsbefahrenen Wasserstraßen ist, muss man sich doch wundern, wie egal das dem schicken und wohl auch größtem Lieferanten von Bootszubehör ist… Auch SVB lässt sich den DVB-T-Empfänger zuschicken, selbst nach zwei Wochen bekommt man nicht mal eine Eingangsbestätigung, auf Nachfrage wird mitgeteilt, dass das Gerät eingegangen sei und an den Hersteller weitergeleitet WIRD (nicht etwa „wurde…“)! Nun ja, zwei Monate ohne Fernsehen sind nur Luxusverzicht, im Gegensatz zu dem sicherheitsrelevanten Funkgerät.

Mein Fazit: Ich werde empfindliche technische Geräte zukünftig nur noch bei kleinen Fachlieferanten bestellen, wie https://www.nordwest-funk.eu/shop/ , dem Klabautershop von Jan, der die Produkter des Profi-Großhändlers Mörer vertreibt oder beim „Bootsladen„, der die Produktpalette von Bukh Bremen an Endkunden verkauft.

kleine Parey-Pause

In Plaue haben wir uns für zwei Nächte in den Hafen Kirchmöser verlegt, dort haben wir unser erstes kräftiges Gewitter erlebt. Mit Aussicht auf den See ein tolles Schauspiel, weil man durch den weiten Blick viele Blitze beobachten kann.

Es folgte wieder eine Nacht auf dem Trebelsee, weiter ging es nach Genthin. Alles in Allem also eine „Rückfahrt“ durch bekanntes Terrain.

Nach Genthin hatten wir zwei Dinge zur – sehr hilfsbereiten – Werft des SET Schiffbau bestellt. Unseren neuen Anker, und einen Ersatz für die nicht mehr hebende Gasdruckfeder. Den Anker haben wir gleich am Werftkai getauscht, zum Glück, denn wir brauchten noch einen größeren Schäkel. Der alte Anker liegt festgebunden auf einer Gummimatte als Reserve auf der Badeplattform.

Sieht gewaltig aus und macht uns Hoffnung, dass die Ankerungen nun auch auf nicht so gutem Ankergrund oder in Strömung verlässlich werden. Der Tausch hat sich schon aus einem anderen Grund gelohnt: der alte Anker musste immer mittels Bootsstange mit viel Fummelei in die richtige Richtung gedreht werden, damit die Spitzen nicht in den Bootsrumpf rammten. Der neue Anker legt sich beim Einziehen von selbst auf eine Seite, dass die Spitzen sich von selbst an die eine oder andere Seite anlegen. Das macht es um vieles einfacher! Dass der Anker sich so passend vor die im letzten Jahr eingeschweißte Edelstahlplatte legt, war zwar erhofft, ist aber letztlich reines Glück.

Bei dem bestellten Klappenheber kam leider ein falscher (ich hatte die falsche Bestellnummer und die richtigen Artikelnummer angegeben, der Lieferant hat sich leider nur nach der Bestellnummer gerichtet…). Der ging gleich wieder zurück, der Lieferant hat noch am selben Tag den richtigen losgeschickt.

Weil die Liegestelle in Genthin nicht so schön ist (gegenüber ist ein großes Industriegebiet, die dortige Waschmittelherstellung sondert immer wieder unangenehme Geruchswolken ab, zudem steht direkt am Anleger ein Wohnhaus, von dem aus man sich arg unter Beobachtung fühlt, sei es aus dem Vorgarten, sei es vom Balkon), sind wir dann weiter zur idyllischen Liegestelle Parey gefahren.

Mittwoch ging es dann mit den Fahrrädern noch mal zurück zur Werft Genthin, um die nunmehr richtige Gasdruckfeder abzuholen.

Donnerstag ist Maria per Fahrrad, Bahn und ab Magdeburg Mietwagen nach Mühlhausen aufgebrochen, zu einem familiären Besuch.

Knut bleibt bis Sonntag am Pareyer Anleger. Endlich mal Zeit zum Hosen nähen:

Weiter soll es dann über Lauenburg nach Lübeck gehen. Eigentlich über Mittelland- und Elbe-Seitenkanal, aber dank des doch recht stattlichen Regens der letzten Tage steigen gerade die Elbepegel wieder beeindruckend an – das sollte genügen, um doch die schöne Strecke über die Elbe zu nehmen! Das entscheiden wir Montag früh.

Seit drei Tage wäre übrigens auch die Saale wieder für uns schiffbar gewesen. Hätten wir uns geärgert, wenn wir Ende Mai die große und teure Landtransportaktion gestartet hätten! Um so mehr freuen wir uns, dass es diese zwei Tage gab, an denen wir zu Wasser aufbrechen konnten!

Bald wieder aufbrechen wollen auch die drei schweizer Kreuzfahrtschiffe, die vor uns liegen und vorbereitet werden. Da werden Stühle gerückt, Schrammen gestrichen, Staub gesaugt, Leuchtmittel getauscht, Elektronik repariert, Wasser aufgefüllt mit Feuerwehrschläuchen aus dem über 300m entfernten Straßenhydranten – einmal auffüllen dauert fast einen ganzen Tag!

Hauptstadtrunde

Nun liegen wir wieder an der Kaimauer vor dem Schloss Plaue. Hinter uns liegt die „Hauptstadtrunde“. Abwechselungsreich, spannend. Und mit niedrigen Brücken, engen Passagen und Fahrgastschiffahrt auch nicht ganz so einfach – deshalb gibt es nicht so viele Bilder.

Wir sind von Werder aus über Potsdam nach Spandau gefahren, dort nach einer Nacht am 24-h-Kai durch die Charlottenburger Schleuse. Statt über die Spree mussten wir über Westhafenkanal und Berlin-Spandauer Schiffahrtskanal „von oben rein“ in die Stadtmitte. Nicht durch das Regierungsviertel, aber an Hauptbahnhof und Museumsinsel ging die Reise entlang.

Die Ausflugsboote sprechen im Funk nicht mit Sportbooten, erwähnen sie aber bei ihren Absprachen mit.

Wie haben wir das für die Funkprüfung gelernt? Ungefähr so: An alle – an alle – an alle – hier ist Fahrgastschiff Müritz – Müritz – Müritz. Wir nähern uns auf Talfahrt der Jannowitzbrücke.“ In Berlin geht das so: „Müritz Jannowitzbrücke zu Tal“. Bei der Dichte des Schiffsverkehrs wäre das aber auch in der korrekten Form gar nicht möglich, mangels Zeit.

Wenn ein Sportboot einem Fahrgastschiff folgt, kommt hinter dem Spruch noch ein „und Sport“. Ist aber eigentlich auch egal, denn für Sportboote warten gibt es sowieso nicht – wir haben es vorgezogen, vor schmalen Brücken oder engen Kurven zu warten, bis der Gegenverkehr durch war. Ein Hoch auf den AIS-Empfänger, der uns den Gegenverkehr gezeigt hat, bevor wir ihn unter der Brücke sehen konnten!

Eine ganz andere Berlin-Erfahrung, so komplett vom Wasser aus. Man fühlt sich an nur im innersten Kern wirklich in einer großen Stadt, ansonsten fährt man etwas durch Hafenanlagen und viel durch Grünanlagen und fragt sich, wo denn hier bitte die Leute sind!

Auf dem PC-Bildschirm hatten wir die Brückentabelle. Ich habe Maria aus dem Naviprogramm die nächste Brücke vorgelesen, und sie hat in der Tabelle die Höhe abgelesen. Wir wissen nun, dass die Höhenangaben im Navionics-Naviprogramm völliger Unsinn sind – Meistens viel zu niedrig, gelegentlich aber auch zu hoch, was dann richtig gefährlich ist. Die niedrigste ist die Jannowitzbrücke, bei Navionics mit 3,90m angegeben, in Wirklichkeit 4,10m. Die Schillingbrücke ist bei Navionics mit 3,30m angegeben, tatsächlich ist sie 4,68m. Gut, dass wir uns nicht auf die Navionics-Karten verlassen, sondern die Tabelle des WSA Berlin ergooglet hatten, sonst hätten wir uns nämlich gar nicht nach Berlin hineingetraut.

Durch dieses schmucke Tor geht es dann aus der Stadt hinaus in Richtung Spree. Zum Glück wurde in der Mitte wohl der Steinbogen einst durch die deutlich höhere Stahlkonstruktion ersetzt…

An sich ist die Idee mit den freien 24-Stunden-Liegestellen ja großartig, und an fast allen war auch reichlich Platz. Nach der Stadtschleuse kam allerdings erst die im Spreekanal, der nur für sehr viel kleinere Boote erreichbar ist, und dann die am Rummelsburger See.

Und die war leider belegt – mit einem Boot und einer riesigen Luxuskiste. „Kiste“ nennen wir diese rechteckigen Hütten auf Schwimmkörpern, die mehr und mehr in Brandenburg und Berlin unterwegs sind. In der Glasverande der Kiste saßen die Bewohner und schauten unbekümmert zu, wie die Sportboote nicht an den Anleger kamen. Es wirkte auch irgendwie so, als lägen sie schon ein paar Tage dort – das sollte sich dann auch am nächsten Tag bewahrheiten, an dem sie entspannt liegen blieben. Im Eingang stand ein hochsteigender Hengst aus vergoldetem Plastik, auf dessen erigiertem Penis die Handtücher für die Veranda bereit hingen. Tja, werden sich die Bewohner gedacht haben – wer sich an die Regeln hält, verliert.

Wir haben dann versucht, im gegenüber liegenden Rummelsburger See zu ankern – was leider mal wieder am für schlammigen Boden ungeeigneten Anker scheiterte. Unser besserer Anker, den wir bei Bukh Bremen bestellt haben, wartet seit gestern auf der Genthiner Werft darauf, dass wir ihn dort abholen…

Spannend war die Ankerplatzsuche aber doch… Was ist denn hier los, denkt sich, wer nichts ahnend in den Rummelsburger See einfährt. Überall liegen Boote und bootsartige Schwimmkörper vor Anker, teils zu größeren Gruppen zusammengeknotet, teils einzeln. Die meisten davon haben ihre besseren Tage lange hinter sich, einige sind notdürftig aus Plastik und Holz zusammengezimmerte schwimmende Buden.

Was es damit auf sich hat, lässt sich hier nachlesen. Mal sehen, wie lange sie noch durchhalten, bis dort behördlich Ordnung geschaffen wird… Wir emfinden beides: Freude über solche Freiräume für buntes, anderes Leben, und Trauer darüber, dass dies nach kurzer Zeit Formen annimmt, die für die Umgebung nicht mehr erträglich sind.

Die gescheiterten Ankermanöver bedeuten für uns, dass wir nun doch einen nahen Hafen anlaufen müssen, der aber sehr schön an einem Schiffsrestaurant angedockt ist, gleich unter der Brücke zur „Insel der Jugend“, von der auch das nachfolgende Abendfoto kommt.

Am nächsten Tag konnten wir dann die freie Liegestelle anlaufen, wir hatten vom Hafen aus (im Hintergrund) geschaut, wann das dort liegende Boot wegführe. Die Kiste bleibt natürlich da…

Hier hatten wir dann zuerst ehemalige AntoniQ-Kunden zu Besuch, später dann andere Freunde, die die nächsten zwei Tage mit an Bord blieben.

Am morgen gab es dann beim Frühstück unsere Obst – Brötchen – Obst – Etagiere. Gemeinsam ging es dann durch den Teltowkanal wieder Richtung Südwesten, mit einer Übernachtung an einer geräumig freien Liegestelle, durch die Schleuse Kleinmachnow, durch den Stölpchensee – wer hier ein Ufergrundstück nebst schlösschenartiger Villa sein eigen nennt, hat es wohl geschafft im Leben – bis in den südlichen Wannsee.

Dort, nach einem am Flachwasser gescheiterten ersten Versuch, fanden wir einen anfahrbaren Steg eines Segelclubs, wo die beiden von Bord gingen.

Wie wir im Nachhinein erfuhren, hatten die beiden da noch ein tolles Erlebnis Berliner Gastfreundschaft – sie wurden heftig von mehreren Damen und Herren älteren Semesters attackiert, was ihnen einfiele, einfach in das private Clubgelände einzudringen, und schließlich mit der Aufforderung, sich nie wieder blicken zu lassen, Richtung Straße aus dem Tor geschoben. Die Reichen vom Stölpchensee können es nicht gewesen sein – die hatten ihre schwimmenden Geräte gleich am Fuße ihres Parkgrundstückes liegen…

Nun ging es auf bekannten Wegen zurück, über Potsdam und Werder nach Plaue, wo wir nun wieder für zwei Nächte verbleiben werden, um dann über Genthin Richtung Magdeburg und von dort weiter „in den Westen“ zu reisen.

Ein unglaublich schönes Erlebnis gibt es noch von der Übernachtung vor Anker bei Potsdam, im Nordwestzipfel des Templiner Sees: Dort gibt geht ein abkürzender kleiner Kanal Richtung Potsdam Stadt, der nur für unmotorisierte Boote freigegeben ist. Der führt durch eine richtige Urwaldwildnis, mit Wurzelungetümen an den Ufern und jeglichem Vogelgeräusch.

Auf der anderen Seite sind wir noch ein Stück Richtung Seeufer gerudert und wurden dort aus zwei Metern Abstand Zeuge, wie völlig ungerührt ein Blesshuhnpärchen an seinem schwimmenden Nest baute. Die oder der eine saß oben auf und zupfte und flocht Halme zurecht, der oder die andere kam vom Ufer angeschwommen und übergab Baumaterial. Direkt vor unseren Augen. Toll!

Wenn Urlaub zur Normalität wird

Über die letzten Tage gibt es nichts spektakuläres zu berichten. So darf es auch gerne erst mal eine Weile bleiben!

Wir haben in Plaue noch eine Nacht am freien Kai am Schloss angelegt, wo wir uns abends an einem vollständigen Regenbogen erfreuen konnten…

…und aus dem jenseits dieser Brücke reichlich blühenden Holunder Saft angesetzt haben…

…und des nächsten Morgens einen Fischlehrpfad begangen haben.

Deser „Lehrpfad“, installiert von der Plauer Fischereigenossenschaft, besteht im Wesentlichen aus im Genossenschaftsgelände aufgestellten Bildern von … Na? … richtig geraten: Fischen!! Dazu dann jeweils fachliche Informationen und die Bedeutung für „den Angler“. Wir haben dennoch etwas endgültig gelernt, was wir aus unseren spärlichen Anglerkontakten schon zunehmend erahnt hatten: Angler angeln nicht um Nahrung, sondern aus Kampfgeist… Die Qualität eines Fisches wird daran gemessen, wie viel Geschick, Kraft und Intelligenz er dem angelnden Menschen entgegenhält, dass dieser sich daran messe. Das heißt, ein nicht geringer Teil der Menschen steigert seinen Stolz durch den widerkehrenden Beweis, intelligenter und/oder stärker als ein Fisch zu sein!! Ist der Beweis erbracht, wird der Fisch wieder ins Wasser geworfen, er hat seine Schuldigkeit getan. Kurzum – jetzt verstehen wir, warum uns Angler immer schon suspekt waren. Bis auf die seltenen, die ihren Fang dann auch essen, natürlich.

Weiter ging es in den Trebelsee, wo wir bei sommerlichem Sonnenschein dann drei Nächte vor Anker verblieben – hier war der Grund wohl sandiger oder kiesiger, unser Anker hielt sofort und dauerhaft. Hier stand dann ein Bootsausflug mit Elodette an, Baden, Lesen. Blechstrandleben quasi.

Am zweiten Seetag hieß es dann zum ersten Mal —->>>>

?

?

Richtig: Deckschrubben!

Damit das Boot fein genug für die Großstadt wird!

Das hat tatsächlich einen weiten Teil des Tages in Anspruch genommen, denn der extra gegen die Gefahr des Ausrutschens raukörnige Decksanstrich hält eben nicht nur Füße fest, sondern auch Dreck, der da richtig rausgebürstet werden muss. Nun ja, es war auch das erste gründliche Reinigen nach zwei Jahren, in denen wir ja mit unseren Arbeiten auch einiges an Spuren hinterlassen hatten.

Daran anschließend haben wir dann auch gleich noch die zehn oder zwölf kleinen Rostansätze, die wir im Lack entdeckt haben, aufgeklopft und grundiert, um sie in den nächsten Tagen mit dem weißen Lack abzudecken.

Besonderen Besuch hatten wir in Gestalt einer Ringelnatter, die mitten im See bei uns herumschwamm:


Vom See aus ging es weiter nach Werder/Havel, wo wir nun für eine Woche über Pfingstgen im Hafen Dietz zu einem fairen Preis untergekommen sind.

Die Tage füllen sich mit Radtouren nach Werder und Potsdam, Besuch einer von Marias Berliner Freundinnen.


In Potsdam haben wir großes Glück: Wir besteigen den Turm (so steht es dran, aber tatsächlich besteigt man die Kuppel) der Nicolaikirche, was an sich schon recht spannend ist – der Weg führt aber auch über die Orgeletage, und auf dem Rückweg dürfen wir die Probe eines (nach unserem laienhaften Urteil erstklassigen) Organisten zuhören, der da nicht nur alle Möglichkeiten der Orgel ausschöpft, sondern auch mit ihr zu tanzen scheint, wenn er mit allen Händen und Füßen betörende Klänge aufruft.

Wieder zurück im Hafen ist es relativ windig und sehr wellig, zum ersten Mal erleben wir, wie es ist, wenn das Schiff mehrere Tage ständig ordentlich schaukelt und schwingt. Und siehe – es ist gar nicht so schlimm!

Weil die Wellen auch immer in den Auspuff hineinschwappen, öffnen wir nach zwei Tagen einmal wieder den Auspuffkrümmer, aus dem im Winter Wasser heraustropfte, um zu prüfen, ob unsere Maßnahmen vom Herbst gefruchtet haben. Ja, sie haben! Es ist alles trocken – und auch das Motoröl weiterhin schön honiggelb.


Sonnenuntergänge gehören nun zu unserem frühsommerlichen Alltag:

Ein Sommertag mit Logenplatz

Weiter ging es von der freien Liegestelle Parey nach Genthin. Dort gibt es eine für Sportboote ausgestatte Spundwand-Liegestelle mit einem Schild „Nur für Lidl-Kunden“. Einkauf direkt am Ufer – welch eine Gelegenheit. Allerdings haben wir noch eine kleine neugierige Fußrunde gedreht und wenige 100m weiter einen sehr angenehmen Edeka-Supermarkt entdeckt. Da haben wir bei Lidl dann nur noch einen „Anerkennungs-Einkauf“ in Gestalt von Sonnenblumenkernöl getätigt. Das kommt davon, wenn man als Discounter keine Pfandflaschen anderer Läden annimmt…

Da auch Genthin noch in Sachsen-Anhalt liegt, war der offizielle kleine Sportboothafen in Genthin gesperrt. Unser Wassertank hatte zwar, zu unserem eigenen erstaunen, immer noch Inhalt, aber das kann wirklich nur noch ein Mini-Rest gewesen sein. Woher also Wasser nehmen? Wir haben einfach bei der Schiffswerft Genthin gefragt, die uns sofort mit einem dicken Schlauch geholfen haben. Leider war der Schlauch etwas kurz, und so mussten wir das Schiff noch mal umlegen, seitlich in eine Lücke zwischen stählernen Arbeitsboot-Ungetümen, die nur 3m länger war als Elodie. Nun wissen, wir, dass das geht. Immerhin optimale Übungsbedingungen, denn bei den Ungetümen hätten wir keinen Fremdschaden angerichtet, wenn etwas schief gegangen wäre.

Hier lernen wir dann auch wieder etwas über unser Boot: Später am Tage begrüßt mich Maria mit „Lust auf Wasser in der Bilge?“ Oh nein, wir waren doch so froh und stolz, sie endlich sauber und alles so gut wie dicht zu haben… Tatsächlich – da schwappen ein paar cm. Wasser! Nun wissen wir erstens, dass der Wassertank in den letzten zwei Millimetern des Füllstandsanzeigers sich sehr schnell füllt – schneller, als ich bis zum Werftwasserhahn gebraucht hatte, und zweitens, dass die Entlüftung des Tanks respektive Überlauf nicht nach außen, sondern in die Bilge geht…

Und so findet sich Maria wieder mal im Motorraum wieder – sie ist nun mal die einzige von uns beiden, die da so hineinpasst, dass sie mit dem Schwamm unten in die gesamte Bilge hineinkommt…

Wir haben uns dann zur Nacht an die Genthiner freie Liegestelle gelegt, die wir auf der Fußrunde in paar hundert Meter weiter entdeckt hatten. Eine gute Stunde Generatorlauf tat not, um den Batteriehaushalt auszugleichen – dies war das erste Mal, dass wir dabei einen „Nachbarn“ hatten, in Gestalt eines voraus liegenden weiteren Sportbootes, und schon gab es den ersten Konflikt – in nicht ganz freundlich zu nennender Weise gab er Maria zu verstehen, dass der Generator störe, und Marias Erklärungen, dass er zumindest bis zum Ende des Kochens noch laufen müsse, beruhigten ihn erst mal nicht vollends. Tatsächlich hatte er aber wohl befürchtet, dass das Ding die ganze Nacht laufen würde – als ich etwas später noch mal nachfragte, ob denn eigentlich der Lärm oder der Geruch gestört hätten, war er wieder zugänglicher. Am Meisten gestört habe das Plätschern des Auspuffs und auch der Geruch. Na, da kann es nicht so schlimm gewesen sein…

Am nächsten Tag geht es weiter durch die Schleuse Wusterwitz, fast ohne Wartezeit, und dann weitet sich der enge Kanal zu dem großartigen Seenpanorama, zunächst des Wendsees.

Einige Ankerversuche hier und im nachfolgenden Plauer See scheitern – Für Schlamm ist unser Anker nicht ideal… So machen wir erst mal vor der rostigen Fußgängerbrücke am Plauer Schloss fest, an der Kaimauer, und übernachten dort.

Und wähnen uns in einer anderen Welt: War in Sachsen-Anhalt noch alles im Coroana-Schlaf, ist hier in Brandenburg, wo wir nun angekommen sind, alles, als gebe es kein Corona. Die Häfen voll, in den Außenbereichen der Restaurants munteres Treiben. Wir müssen geradezu einen Schalter im Kopf umlegen…

Von Coroan-Vorsicht ist nichts erkennbar – Maitrubel wie alle Jahre wieder, munter beisammenstehende Menschenscharen, die sich schulterklopfend begrüßen… Ich möchte wetten, dass wir in genau zwei Wochen einen kräftigen Anstieg der Infektionen beobachten werden.

Weil wir nun aber doch auch mal wieder in einem Hafen anlegen wollen, mache ich noch eine Fahrradrunde zu den umliegenden Bootshäfen und wir nehmen uns vor, am nächsten Tag zum Gästesteg des Eisenbahnseglervereins Kirchmöser zu wechseln.

Und hier verbringen wir nun erst mal zwei Nächte und entgehen so dem an öffentlichen Liegeplätzen zu erwartenden Himmelfahrtstrubel, der ja hier in den ostdeutschen Ländern dem überdurchschnittlichen Anteil von Abendlandsrettern zum Trotz zum reinen Männertagstrubel geworden ist, an dem wir uns schon in Mühlhausen kaum aus dem Haus trauten.

Der Plan geht auf, und wir liegen am äußersten Steg mit freiem Blick über den Plauer See. Traumhaft! Gegenüber die Plauer Brücke, ringsum die bewaldeten Ufer, und auf dem feiertäglichen See ringsum munteres Treiben mit allem, was schwimmt. Vom Stand-Up-Paddler über schwimmende Kisten, Segleyachten und Motorcharterboote bis hin zu den den See querenden Berufsschiffen – der Elbe-Havel-Kanal verläuft hier mitten durch den See als betonnte Fahrrinne.

Am meisten Spaß machen uns die vielen kleinen Optimistensegler – 6 Kinder im Alter von ca. 10 Jahren nebst motorisiertem Trainer, die stundenlang Manöver üben. Sie sind mit den kleinen Badewannen so sicher wie normale Leute zu Fuß auf dem Teppich… Balancieren auf der Bordwand des um 45° gekoppten Böötchens, springen hin und her, lehnen sich so weit hinaus, dass die Haare bis ins Wasser tauchen, und weichen dem schwenkenden Baum aus wie Gemsen am Berg. Ein bisschen Neid auf so viel Beweglichkeit kommt da schon auf.

Wir beschäftigen uns noch mit der Ankerproblematik – wir wollen ja auch öfter mal über Nacht ankern, schon um die mindestens 20€ je Nacht in den Häfen zu sparen – das geht aber mit dem vorhandenen Anker nicht.

So wiegen wir unseren Anker erst mal nach, mit 12 kg Cola als Gegengewicht und ein bisschen Hebelgesetz-Dreisatz. Er wiegt ca. 28kg. Wir verwerfen als Alternative den 1000€ teuren Jambo-Anker, auch wenn wir seine Qualitäten von Elodie II her schätzen, und bestellen bei Bukh Bremen einen 35kg Plastimo Britany Plattenanker, der nicht schlechter sein dürfte, was das Eingraben im Schlick betrifft.

Dieser Tag geht als richtiger sommerlicher Urlaubstag zu Ende, mit Baden, auf dem Oberdeck in der Sonne liegen, Lesen. Wir nutzen die Waschmaschine des Hafens, um drei Waschgänge unserer angesammelten Kleidung und Handtücher zu waschen und freuen uns nun wieder an nach Lavendel duftender frischer Wäsche.

Unsere Batterien freuen sich, mal wieder durchgeladen zu werden. Und unser Not-Außenborder freut sich auch, mehr noch ich, denn dieses Mal bekomme ich ihn mit wenigen Zügen an, zum ersten Mal. Beim letzten Versuch bin ich noch gescheitert. Der Trick ist wohl, dass der Choke-Zug nicht nur ein Choke-Zug ist, sondern auch eine Vorpumpe – man muss ihn vor dem ersten Start anscheinend nicht nur herausziehen, sondern mehrmals wie eine Pumpe betätigen. Freude, dass der also doch funktioniert – wir hatten schon arg daran gezweifelt.

Als Lektüre für nebenbei haben wir uns den Bericht von Hans-Jürgen Haardt „1100 Tage Freiheit“ heruntergeladen. Wir entdecken überraschend viele Parallelen auch in vielen Details, jedenfalls in der Anfangsphase. Aber keine Sorge, auf das Mittelmeer und später über den Atlantik wollen wir mit Elodie III nicht. Auch wenn wir bei der Lektüre feststellen, dass man mit einem neuen, auf spezifische Bedürfnisse zugeschnittenen Werftbau eher mehr böse Überraschungen erlebt, als mit wir mit unserem 30 Jahre alten Eisenschwein…

Auch kulinarisch lassen wir es uns dank Marias Kochkünsten und -motivation sehr gut gehen und speisen täglich auf dem Niveau gehobener Gastronomie – hier mal Kalbssteak mit Ofenkartoffelspalten, frischem Pfannengemüse und Kräuterdipp.

Ja, nach den vielen spannenden und auch Nerven kostenden Vorgeschichten fühlt sich unsere Reiseidee gerade richtig gut an!

Los geht’s…

mit dem Leben, das wir uns ausgemalt hatten, für eine längere Weile.

Aber noch nicht mit dem Fahren, denn an dem Liegeplatz in Rothensee ist es so schön dass wir noch drei Nächte verweilen. Eine Fahrradtour nach Magdeburg füllt den ersten Tag, da kann man ja mit dem Boot leider nur durchrauschen, aber 20km ist ja nicht so weit weg.

Und wir staunen, wie viele Grün-, Natur-, Wasser- und Freizeitflächen Magdeburg hat, mal parkähnlich gestaltet, mal kreativ, mal natürlich-wild. Viele originelle Spielmöglichkeiten, eingebettet in eben diese Flächen, aber auch viele Freizeitmöglichkeiten für Erwachsene. Die Elbufer mittlerweile zu weiten Teilen auch in der Innenstadt promenadig ausgestaltet. Die alte Elbe, die ja auch noch mitten durch die Stadt fließt, mit Badestränden. Wirklich schön.

Jaja, wir waren auch kurz mal am Domplatz und am Hundertwasserhaus (leider alles zu), und auch das ist einladend. Aber eben nicht so alleinstellend, denn schön gestaltete Plätze und interessante Gebäude gibt es in den meisten Städten – sehenswert, ja, aber dann hat man es eben gesehen. Lebendigkeit kommt nicht von Gebäuden, sondern von der Vielfalt, und die ist in Magdeburg – wo wir es gesehen haben – inzwischen gegeben. Als ich, Knut, kurz nach der Wende zum ersten Mal dort war, kam es mir alles recht trist und öde vor…

Spannend finde ich die alte Eisenbahn-Hubbrücke, die dauerhaft gehoben erhalten geblieben ist, allerdings böse vor sich hin rostend, für Fußgänger nutzbar, wenn sie über Treppen auf den gehobenen Teil hinaufsteigen. Spannend deshalb, weil sie wohl von einer Gruppe von Leuten übernommen wurde, die sie erhalten: Ein Schild am Aufgang sagt (ungefähr erinnert) „Achtung: Das ganze Leben ist voller Gefahren. Das Betreten der Brücke erfolgt auf eigene Gefahr. Kinder haften für Ihre Eltern. Dies ist ein Privatweg.“ Ich hätte ja nicht gedacht, das so ein Haftungsausschluss im öffentlichen Raum überhaupt möglich ist! (Ob er einem Rechtsstreit stand halten würde?).

Am nächsten Tag gab es privaten Besuch von einer unserer Lieblingskundenlehrerin mit Radtour zwischen Elbe und Ohre.

Erst am Samstag ging es dann weiter Richtung Brandenburg, erst mal spektakulär über die längste Kanal-Trogbrücke Europas (?) quer über die Elbauen und die Elbe.

Unser erstes Ziel war Genthin, aber bei Parey gibt es einen Sportbootliegeplatz am Kanalufer, der uns spontan so gut gefiel, dass wir da erst mal angelegt haben und den Sonntag wieder mit einer Radrunde verbracht haben, zur Elbe, zum Pareyer Verbindungskanal, zu einem Nachbarort.

Schönster Part der Runde war ein Bad in einer alten Elbschleife, begleitet von Schwänen, Nachtigallen und Eisvogel, jedoch ohne weitere Menschen. Wunderschön.

Ja, nun können wir es genießen, ohne Zeitplan unterwegs zu sein.

Auch die Autarkiepläne scheinen aufzugehen – mit drei Stunden fahren oder zwei Stunden Generatorlauf am Tag (von denen eine sowieso durch Kochen anfällt) gleichen wir den Batteriestromverbrauch eines Tages in etwa aus – der beträgt etwa 60Ah, jetzt, da die Heizung nur ein oder zweimal in der Nacht, einmal morgens und einmal abends anspringt, um uns durchgängige 19 bis 20° am Tage und 17 bis 18° in der Nacht zu erhalten. Im Winter wird die Bilanz anders ausfallen, denn wir heizen ja zwar mit Diesel, aber es der Motor und die Pumpen brauchen ja auch Strom, insgesamt so etwa 3A. Da sind wir dann schnell bei 100 am Tag, aber wir wollen ja auch die drei kältesten Monate an einem festen Liegeplatz mit Landstrom verbringen.

Unser Wasserverbrauch beträgt ca. 100 l je Woche, so dass unser Tank für immerhin 10 Wochen reicht. Jetzt ist er allerdings fast leer, denn wir hatten ihn in Calbe nur einmal zu ca. 1/3 gefüllt, um für die Ausfahrt zur Elbe nicht zusätzlichen Tiefgang zu erzeugen. 1000l Wasser drücken das Boot um ca. 5cm nach unten.