Adieu, la France, die zweite…

Weiter geht’s! Am 30.7. mit einem Mietwagen wieder zum Boot gefahren und gleich am 31.7. vormittags aufgebrochen, nach freundlichem Abschied in einem der nettesten Häfen unserer Tour, schön, familiär, mit extrem hilfsbereitem Hafenmeister vor Ort und sehr günstigem Preis. Einen besseren Ort für unsere zwei Wochen Pause hätten wir nicht finden können.

Sarreguemines an sich ist nicht sehenswert, aber dort liegt ein sehr besonderes Schiff – ein riesiges Seekreuzfahrtschiff im Maßstab, ich schätze mal, 1:10, total detailgetreu und alles echt, jedes Bullauge in Miniatur in den Rumpf geschnitten, Reling, Brücke, alles da, und das ganze als Wohnschiff und wohl auch fahrbar und im Freycinet-Maß.

Die allerletzte Schleuse in Frankreich steht auf Störung, als wir ankommen – Oh nein, lassen sie uns nicht weg? Aber schon kommt die VNF angefahren und bringt sie wieder ans Laufen. Das machen die wirklich immer prima schnell.

Die erste deutsche Schleuse, noch im französischen engen Freycinet-Maß, gibt dann richtig an: Alles wie neu, alles voller Technik, mit digitalen Displays, die anzeigen, wie lange es noch dauert, bis die Kammer unten ist, Ampeln, Sensoren, schönen abgerundeten Stahlkanten entlang der Mauer, Pollern in der Schleusenwand. Und einem netten Schleusenwärter für’s Knöpfedrücken. Als wolle Deutschland den Franzosen mal richtig zeigen, wie man so richtig Steuergeld raushaut – denn hier ist das Schleusen für Sportboote ja nun wieder kostenlos. Wir genießen halt mal einfach den Luxus…

Am Samstag noch bis nach Saarbrücken gefahren, dort am Kai am Staatstheater angelegt. Naja, der Uferpark ist ganz nett, aber die Autobahn, die direkt am anderen Saarufer durch die gesamte Innenstadt läuft, macht mit ihrem Lärm jeglichen Genuss zunichte. Immerhin, nachts wurde es relativ ruhig und unsere kleinen Fenster im Schlafzimmer sind recht erfolgreich im Schall Abhalten, so haben wir trotzdem prima geschlafen.

Auch weil wir nun mit uns mal wieder sehr zufrieden sind, nach 380 Schleusen ohne Havarien oder Schrammen, und weil unser Timing mal wieder prima ist: Ab Sonntag hätte die deutsche Einreise-Quarantänepflicht gegolten. (Ab Montag hätten wir allerdings wieder so einreisen dürfen, denn dann sind unsere zwei Wochen nach der zweiten Impfung um). Und weil nun erst mal 250 hoffentlich sehr entspannte Kilometer auf Saar und Mosel vor uns liegen.

Am Sonntag sind wir dann einfach gleich sehr früh losgefahren, nur bis Völklingen zum Frühstücken, wo es ebenfalls einen schönen Stadtanleger gibt, aber ohne Autobahn und mit kostenlosem Strom (da der Münzautomat kaputt ist) und vor Allem mit der „Völklinger Hütte“ gleich ein paar Schritte weiter. Ein tolles Erlebnis, da durch den ganzen Stahlschrott zu wandern. Und wie schlau: Auch hier, wie damals im schrecklichen Charleroi, eine ganze Landschaft verrottenden Stahls, aber statt der Mühe des Abreißens einfach zum Weltkulturerbe erklärt und als Museum genutzt. Genial! Ein rostendes Autowrack in einem Brennesselmeer heißt auf dem Schild dann „Symbiose aus Technik und Natur“!! Wirklich! Aber, ganz ohne Zynismus: Es ist wirklich ein großartiges Konzept.

Unterwegs hatten wir auch schon die erste Saarschleuse passiert und eine ganz besondere Beobachtung gemacht, passend zum Thema „Symbiose von Technik und Natur“, diesmal tatsächlich:

Das obere Schleusentor ist eines, dass sich zum Einfahren nach unten ins Wasser absenkt, also komplett verschwindet. Nachdem wir festgemacht hatten, ging es also hinter uns aufwärts, um dann aus dem Wasser aufzutauchen. Kaum war das obere Geländer herausgetaucht, kam ein Reiher an und setzte sich darauf. Dabei beobachtete er die ganze Zeit aufmerksam das Geschehen unter sich. Als das Tor selbst auftauchte, sprang er hinab auf die obere, waagerechte Stahlstrebe, die Quer durch das Tor läuft, und sammelte alle kleinen Fische auf, die dort liegen geblieben waren. Dann sprang er wieder auf das Geländer, schaute erneut herab. Das Tor samt Reiher war inzwischen oben und das Wasser wurde aus der Kammer abgelassen. Nun sind ja obere Schleusentore nicht so tief wie die Kammer (9m in diesem Fall), sondern nur so tief, wie das obere Fahrwasser. Der Rest unterhalb des Tores ist eine Betonwand, unter dem Tor etwas hervorstehend, der so genannte „Drempel“. Auf einmal glitt der Reiher mit ausgebreiteten Flügeln herab auf die Wasseroberfläche – er stand im sinkenden Wasser schon auf dem Drempel bereit. Kaum war der Wasserspiegel so eben unterhalb des Drempels, lief er auf diesem hin und her und sammelte wieder alle kleine Fischchen ein, die dort liegen geblieben waren. So ist die Schleuse für ihn nichts als ein mehrmals täglich bereitetes Buffet. Und das faszinierende daran: Er weiß das und kennt den Schleusenvorgang ganz genau!

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