Dem (Winter-)ziel nahe

Weiter ging es die obere Seine hinauf, die ein sehr schöner Fluss in Naturlandschaften ist. Das Wasser wird mit jedem Kilometer klarer und lädt auch endlich wieder zum Bade – warm genug ist es ja.

Wir biegen in die Yonne ein, die beginnt schweißtreibend:

Die schlimmsten Schleusen unserer gesamten Reise begrüßen uns. Es gibt keine Wartestege vor den Schleusen, aber da muss man halt eine Weile das Boot auf der Stelle halten und hat dafür reichlich Platz um sich herum. Es soll viel schlimmer kommen: Die Schleusenkammern haben keine senkrechten Wände, vielmehr laufen die nach unten im 45°-Winkel zusammen. Das bedeutet, dass man in der Schleuse nirgendwo fest machen kann. In der ersten Schleuse verspricht der Schleusenwärter, die Schleuse „avec prudence“ zu füllen. Doch nach der ersten Hälfte scheint es ihn zu überkommen und das Wasser strömt mit Macht von vorn herein und durchwirbelt das ganze Schleusenbecken. Eine Weile gelingt es uns noch, mit Bugstrahler und kräftigen Gasstößen bei mal links, mal rechts gelegtem Ruder das Boot in der Mitte zu halten. Doch nach zwei Dritteln der Füllung finde ich uns nicht mehr in der hinteren Hälfte der Kammer, sondern auf dem Weg nach vorn, es zieht uns so stark dort hin, dass ich die zum Lenken nötigen Vorwärtsstöße nicht mehr mit Rückwärtsstößen ausgleichen kann. Schließlich drückt die Strömung, die uns im vorderen Teil der Kammer entgegen kommt, uns seitlich doch noch gegen die schräge Wand. Die vordere, rechte Unterwasserkante stößt etwas unsanft dagegen.

Was für eine verrückte Konstruktion!! Natürlich leichter zu bauen, senkrechte Schleusenwände müssen ja bei leerer Kammer einen starken Druck von außen aushalten, schräge Wände funktionieren wie ein Damm. Aber für die Schiffe – total ungeeignet. Die Berufsschiffe pendeln einfach hin und her, ihnen macht es nichts aus, links und recht immer mal anzuschrammen. Doch ein „Sportboot“ ist dafür ja eigentlich weniger gemacht. Wieder mal freue ich mich, dass unser Boot aus recht dickem Stahl besteht, ich schwimme später am Tage zu der Ecke und stelle beruhigt fest, dass es keinen Schaden gibt.

Später unterhalten wir uns mit einem Engländer, auch mit eigenem Boot unterwegs – der erzählt, dass es ihn in dieser ersten Schleuse nicht nur nach vorne gezogen hat, sondern sogar komplett umgedreht, ohne dass er etwas dagegen hätte machen können. Das gab mehrere Schrammen. Es war also nicht nur unser Ungeschick…

In den nächsten beiden Schleusen klappt es besser, sie werden aber auch vorsichtiger gefüllt. Und in der dritten beruhigt uns der Schleusenwärter, dass alle weiteren Schleusen mit Pontons ausgestattet sind, die seitlich an der schrägen Wand mit hoch laufen. An diesen können wir uns jeweils einfach fest machen und brauchen den Rest der Schleusung gar nichts mehr zu tun. So folgen die schwierigsten Schleusungen von allen und die einfachsten von allen direkt aufeinander.

Und warum hat man die Schwimmpontons nicht auch in der ersten drei von 26 Schleusen angebracht? Wir vermuten, dass es daran liegt, dass diese noch in der Ile-de-France lagen, deren Tourismusverständnis sich auf Paris konzentriert, während alle weiteren im Departement Bourgogne liegen, welches auf ländlichen Tourismus und auch auf Bootstourismus setzt.

Nun befinden wir uns nur noch ca. 30km vor unserem Winterziel und lassen es gemächlich angehen, es gibt mehrere schöne Haltes fluviales, an denen wir uns wieder Zeit lassen können zum Baden oder für Radtouren, in der wunderschönen Burgundischen Landschaft.

Und hier, in Migennes, kann Maria ihren Geburtstag genießen.

2 Gedanken zu „Dem (Winter-)ziel nahe

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