Zwei Schrecken an einem Tag

Wie gestern abend versprochen, ging ich, Knut, heute morgen zum E.Leclerc zwecks Einkauf von Frühstücksbackware und ein paar Kleinigkeiten. Gleich zur Öffnung um 8:30, ein ruhiger Einkauf, alle trugen ihre Masken. Bis zur Kasse: Von den 30 Kassen waren vier offen, lange Schlangen auf wenig Raum, als ich merke, dass ich an einer Schlange stehe, an der sich immer neue Gebrechliche vordrängeln, weil es nämlich die „Priorité aux Handicappées“-Kasse ist, fange ich an einer anderen noch mal von vorne an. Am Ende stand ich 40min im Kassengetümmel – wenn ich jetzt den Virus trage, weiß ich, woher – und das Frankreich von seiner Kurve nicht herunterkommt, verstehe ich nun auch. Das war aber noch gar nicht der Schrecken:

Der erste Schreck

Zurück am Boot, sehe ich es abtreiben vom Steg. Zum Glück ist die Bugleine noch dran und Maria an Bord leitet gerade Maßnahmen ein, es wieder anzulegen. Wir hatten uns am Abend so festgemacht, dass wir von Bord aus hätten los machen können – so ganz gut hatte uns das soziale Umfeld nicht gefallen. Das war der Fehler: Ein großer Frachter hatte das Boot so in Bewegung versetzt, dass sich die Heckleine selbst ausgehakt hatte! Ich kam gerade noch zurecht, um das Boot vom Steg aus mit führen zu können, denn da die Bugleine noch fest war, war normales Manövrieren für Maria auch nicht möglich, die Strömung der Oise hätte das Boot nach und nach in die Uferböschung gedrückt. Wir lernen: Angst ist ein schlechter Berater!

Weiter ging es die Oise hinab. Die Agglomeration de Paris wirft Ihre Schatten, eher eigentlich ihr Licht voraus, denn erst mal werden die Ufergrundstücke teurer und schicker…

Wir fahren noch unter diesen schicken neuen roten Brücke hindurch. Frankreich ist ja ziemlich fixiert auf seine Hauptstadt und die großen Symbole darin, schon vor Jahrzehnten wurde mit dem komplett neuen Stadtteil la Defense eine Planung verwirklicht, deren von Paris weg ansteigende Hauptachse sich genau auf den Arc de Triomphe und die Champs Elysses ausrichet. Nun haben sie, hier von Norden her, eine weitere solche Blickachse erstellt, welche vom zurückliegenden Hang aus durch diese Brücke gebildet wird.

Der zweite Schreck

Und hier sieht man schon die Seine quer voraus. Linksverkehr ist vorgeschrieben, auf der Oise wie auf der Seine, also heißt das für uns, direkt um die spitze Ecke herum (Die Steinecke links unter der Brücke auf dem Bild) in die Seine einzufahren, locker und sicher, denn der Blick nach rechts ist frei und von links kann ja auf dieser Seite nichts kommen.

Außer natürlich, wenn sich die Leute nicht dran halten… Wir sind noch hundert Meter vor der Ecke, als sich ein Bug herumschiebt. Da fährt doch tatsächlich ein Berufler wenige Meter von der Ecke entfernt, den Linksverkehr komplett ignorierend!! Wir bekommen unser Boot mit „Voll rückwärts“ einigermaßen zum stehen, nun taucht auch das Steuerhaus des Beruflers hinter der Ecke auf, geschafft, denken wir, aber der Kerl dreht weiter auf uns zu!! Ruder hart links, Gasstoß, um noch näher an das Ufer zu fahren, denn wir können ja schlecht auf die falsche Seite ausweichen, nun noch hart rechts, um auch das Heck zum Ufer zu kriegen, da zieht der Berufler auch schon in wenigen Metern Abstand an uns vorbei. Der hat es wirklich auf eine Kollision ankommen lassen, hat nicht im Geringsten reagiert, als er uns direkt vor dem Bug hatte! Und auch sehen konnte, er war tief geladen und konnte voraus schauen! Und als er mit dem Steuerhaus auf unserer Höhe ist, schwenkt er wütend seinen Funkhörer. Will wohl sagen, dass wir uns über Funk hätten melden sollen. Als ob überhaupt alle Plaisanciers Funk hätten, und es nicht erst mal eine klare Verkehrsregelung für die Ecke gebe. Klopfenden Herzens biegen wir in die nun freie Seine ein – die nächste halbe Stunde treffen wir kein anderes Schiff.

Die Seineufer sind hier sowas wie das Blankenese von Hamburg – mit schicken Villen am Hangufer bebaut. Ein paar Eindrücke:

Wir fahren noch durch die Schleuse von Bougival, gleich dahinter finden wir einen sehr schönen freien Liegeplatz an der Schleuseninsel. Die Straße auf der anderen Seite wird sich hoffentlich in der Nacht etwas beruhigen, aber he, wir sind in Paris. Da kann man keine dörfliche Ruhe erwarten, wir hätten im Gegenteil so einen schönen Liegeplatz hier niemals erwartet.

Und dies ist die Schleuse, über die man von der Seine aus nach Paris hineingelangt:

Alt, noch mit den Handspills ausgestattet, mit denen früher die Segler in die Schleuse gezogen wurden, und doch schon Riesengroß, ca. 150m lang! Der Rückblick im rechten Bild zeigt im Hintergrund St. Germaine de Laye.

Morgen folgt nun also tatsächlich die Stadtdurchfahrt – wir sind ein bisschen aufgeregt, mir ging das schon viel früher so, wenn wir mit meinen Aachener Mitstudenten und meinem VW-Bus auf den 8-spurigen Autobahnen auf die Stadt zukamen.

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