Erlöst!! Und ja, auch Belgien ist schön.

Nur eben nicht von Lüttich bis Charleroi.

Ja, wir haben alle drei Schleusen hinter uns gelassen… Um 6.30 konnten wir bei der zweiten Schleusung mit einem etwas kleineren Berufsschiff mit hinauf. Sehr abenteuerlich, denn wir mussten neben das große Schiff – rechts 20cm zur 7m hohen Betonwand, links 20cm bis zur Schiffskante, die, da es voll beladen war, fast gleichauf mit dem Wasserspiegel war. Ein Sportboot vor uns, eines musste noch dahinter. An den Ausfahrten, vor Allem bei der letzten Schleuse, jede Menge Schiffe in Warteposition. Hatten wir ein Glück, dass auf unserer Seite der Sperrung nur wenige Schiffe gewartet hatten, und dann das zweite auch gleich noch so klein war.

In der zweiten Schleuse (frisch restauriert und heute früh wieder in Betrieb genommen!) fehlte genau in der Mitte auch noch der Schwimmpoller, es blieb uns nur eine Leiter. Bei 7,5 m Hubhöhe bedeutete das, ständig im Wechsel, Maria unten, dann ich oben, unser Festmachtau neu einzuhängen.

Das große Schiff neben uns wurde alleine gefahren, bzw. die Freundin des SKippers hat sich um niX gekümmert, der Skipper musste also in der Schleuse selbst ganz nach vorne laufen, dort festtauen, dann im Laufschritt seine 50m zurück, um das Heck wieder unter Kontrolle zu kriegen. Während das Wasser einströmte, schlingerte er dann auch noch etwas hin und her. Waren wir froh, dass unser Schiff aus dickem Stahl gebaut ist. Drei Schleusen lang das gleiche Spiel…

Und dann – endlich: Schönes Belgien. Wiesen, Hügel, nette Dörfer, Wald um uns herum. Und nur noch sehr wenig Müll im Wasser. Und das Wetter spielt auch noch mit: Heute ist ein richtig sonniger Tag, morgens zum ersten Mal mit herbstlicher Feuchtigkeit, die bald der Sonnenwärme weicht.

Weiter ging es noch zum berühmten Aufzug von Strepy-Thieux – 73m hinab in einer großen Badewanne. Aufregend. Wie auch im Hebewerk am Elbe-Seiten-Kanal hängen die Tröge an 120 armdicken Tauen. Ein Gegengewicht fährt an der Außenseite in entgegengesetzte Richtung. Die Wanne ist etwa 120 x 12m groß.

In die Wanne eingefahren, mit zwei Plaisanciers hinter einem Berufsschiff, kommt gleich eine freundliche Einweiserin zu uns, die sich unsere Permis de Navigation anschaut, die wir bei der Einreise bekommen hatten. Sie habe uns nicht im Computer, da habe die Kollegin bei der Einreise wohl etwas falsch gemacht, sie würde das eben für uns in Ordnung bringen. Nach einiger Zeit kehrt sie mit einem neuen Formular zurück – alle Inhalte darin sind wörtlich gleich, nur ein Stempel ist nicht darauf. Keine Ahnung, was das nun gebracht hat, aber nun würden die Schleusenwärter uns im Computer finden.

In der Wanne liegend erinnert die Atmosphäre an das Innere großer Fährschiffe, denn in dieser oberen Stellung ist die Wanne komplett von einer Halle überdeckt. Bloß dass hier keine LKW’s, sondern große Binnenschiffe drin liegen.Ein elektronisches Dingdongsignal ertönt. Eine Lautsprecherdurchsage kündigt den Beginn der Fahrt an. Irgendwo über unsern Köpfen rumpelt es dumpf-dröhnend. Irgendetwas beschleunigt sich und erzeugt ein zunehmendes heulendes Geräusch – großen Lüfter? Und dann, ganz sanft und ohne merklichen Ruck beginnt die Abwärtsfahrt, 70m in die senkrechte. Mit der abnehmenden Höhe gleiten wechselnde Fernblicke an uns vorbei. Auf halber Höhe gleiten die Gegengewichte an uns vorbei nach oben. Nach geschätzten 10 min. bremsen wir wiederum völlig unmerklich und sanft ab und landen abschließend im Schneckentempo auf der Höhe des unteren Gewässers. Es dauert noch einen Moment, bis die Dichtungen, die die Wanne mit dem Kanal verbinden, ausgefahren sind, und das Tor öffnet sich.

In Mühlhausen wurde dieses Jahr die große Kirmes abgesagt. Wir hatten hier ein Fahrgeschäft, das sich auf keiner Kirmes findet…

Doch der Tag hält noch eine Herausforderung bereit: Wir wollen nämlich unterhalb des Hebewerkes in den Yachthafen von Thieu fahren – ein bisschen Sehnsucht nach gepflegter Umgebung treibt uns um. Hierzu müssen wir durch die unterste Schleuse des alten Kanals fahren, der durch den großen Aufzug umgangen wurde. Unglaublich, dass das noch bis 2002 die Strecke der Binnenschifffahrt war. Das Mauseloch auf dem nächsten Bild führt vor das untere Schleusentor, dass den Tunnel am Ende verschließt, solange es geschlossen ist. Die Schleuse ist eine Selbstbedienungs-Automatikschleuse. Bevor wir da einfahren, legen wir erst mal an und messen die Durchfahrt mit dem Zollstock nach. Ja, das müsste passen. Nur treffen müssen wir…

Belohnt werden wir mit diesem schönen Hafen, mit einem eigenen kleinen Park, einer netten „Capitainière“, die uns gleich am Steg begrüßen kommt, herrlicher Ruhe mit Vogelgezwitscher, sogar ein Eisvogel ist unterwegs. Es ist mittlerweile 18:00 Uhr. Wir haben heute ca. 30km geschafft, die es in sich hatten. Erschöpft genießen wir Abendessen und drehen noch eine kleine Fußrunde im Park.

Welche ein Genuss!

Ein Gedanke zu „Erlöst!! Und ja, auch Belgien ist schön.

  1. Guten Abend
    Lesenswerte Berichte und schöne Fotos ein schönes Boot so lässt es sich aushalten.
    Gute Fahrt und gutes Wetter wünscht Ihnen
    Stefan Vogel

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