Bienvenue à la Wallonie

Zeit zum Wechsel der Gastlandflagge!

Wir haben nach Belgien eingeschleust:

Dies ist die Grenzschleuse, schon in Belgien gelegen. Und was sollen wir sagen: Ein kleiner Kulturschock…

Nach all den netten, herzlichen Holländern entspann sich bei der Schleusenanmeldung über Funk folgender Dialog, im Original natürlich auf Französisch, der Belgier spricht ja konsequent nur die Sprache seines Landesteils:

„Ecluse Lanaye, hier ist das Sportboot Elodie III aus Deutschland.“
„Ecluslaybonjou!!“
„Wir möchten gerne nach oben, ist das möglich?“
„Schleuse 4“
„Pardon, ich habe Sie nicht verstanden, bitte langsam“
„Schleuse Vier!!“
„Verstanden, danke. Brauchen wir eine Permis de Navigation für die Wallonie?“
„Ja“
„Wo bekommen wir die?“
„Im Büro“
„Im Büro der Schleuse?“
„Ja“.

Im Büro der Schleuse, ca. 800m von unserem Warteplatz entfernt, wurde uns dann an der Torsprechanlage erklärt, dass wir erst in die Schleuse hätten einfahren sollen… Und, oben, im Büro, dann, dass wir alle Bootspapiere brauchen (die im Boot liegen). Das immerhin erklärt uns eine sehr nette junge Dame hinter dem Schalter, die allerdings nur flämisch spricht – nanu? In der Wallonie???
Also im Laufschritt zurück zum Boot (um die Schleusung noch zu erwischen) und gerade noch nach dem Frachter eingefahren.

Dann kann die Schleusung ja losgehen… Oder nicht? Das Tor geht knarrend und quitschend hinter uns zu. Fast. Die letzten 20cm nicht. Nach fünf Minuten geht es wieder auf. Nach wieder fünf Minuten geht es wieder zu. Fast. Die letzten 20cm nicht. Es wird von hydraulischen Stempeln bewegt – offensichtlich ist denen der Druck ausgegangen. Zum Glück sind die vorderen Tore ziemlich undicht, man sieht auf dem Bild, wie das Wasser durch die Ritzen strömt. Diesmal warten die Schleusenwärter hoffnungsvoll darauf, dass das bisschen Strömung, dass dieses Wasser in der Schleusenkammer erzeugt, die Tore mitnimmt. Und ja, nach zehn Minuten ist der Spalt nur noch ca. 5cm, und die Schleusenwärter fangen an, die Schleuse zu füllen. Und tatsächlich, das Wasser steigt und drückt die Tore hinter uns vollends zu.

Als wir weitgehen oben sind, gehe ich in das Schleusenbüro, wo unsere Permis de Navigation ausgestellt wird. Wieder am Boot, können wir ausfahren.

Doch der Kulturschock betrifft auch das räumliche Umfeld… Nach dem so hohe Lebensqualität ausstrahlenden Holland nun ganz andere Bilder.

Es folgt eine zunächst recht langweilige Fahrt im Albertkanal – links und rechts Betonwände und mal genutzte, mal verrottende Industrieanlagen.

Wir nähern uns nach der Autobahnbrücke von Herstal schon bald Liège, die Industrieanlagen weichen nach und nach Wohngebäuden und die Ufer sind mit Wohnschiffen belegt. Die Meuse ist durch die ganze Stadt hindurch in gemauerte oder betonierte Wände gefasst, oberhalb derer der Autoverkehr brandet. Welcher Konstrast zu Maastricht, wo in der Innenstadt, auch auf den Brücken, nur Fußgänger, Radfahrer und elektrische Busse verkehren. Trotzdem macht die Durchfahrt Spaß, die Meuse schlängelt sich durch viele Brücken, und die Häuser am Ufer sind – nun ja – abwechslungsreich. Berührungsängste zwischen alt und neue, groß und klein gibt es nicht, es sieht sehr tapfer aus, wie sich manch kleines altes Häuschen zwischen die modernen Riesenkästen stemmen.

Da wir gerade noch den Maastrichter Stadttrubel hatten, Lüttich keinen irgendwie ansprechenden Liegeplatz bietet, und Belgien auch noch Corona-Hochburg ist, fahren wir weiter Maasaufwärts durch weitere Industriegebiete aus Liège heraus, immer begleitet von Betonwänden und Industrieanlagen. Beeindruckend, wie konsequent man einen Fluss entstellen kann…

Da hilft auch das bisschen blaue Farbe nicht, dass der Maler auf dem letzten Bild in gewagter Position an ein Stahlteil der Betonbrücke streicht…

Wir durchfahren noch eine Schleuse, diesmal ohne Probleme und mit kurzer Wartezeit. Lustig sind die Bahnschranken an der Ausfahrt. Das Schleusentor hat sich hier nach unten abgesenkt, und die Schranken sollen wohl verhindern, dass Leute das Rotlicht missachtend schon ausfahren, bevor das Tor ganz unten ist… Immerhin: Nach der Schleuse ändert sich das Bild etwas, die Industrieanlagen und Betonwände werden weniger, und ein, wenn auch verfallendes, Schloss auf einem Bergsport taucht auf. Unterhalb finden wir eine Anlegestelle in einer ganz alten, kleinen Schleusenkammer, die auf unserer Karte als „Relais nautic“ ausgewiesen ist.

Im weiteren Verlauf, nach Huy und Namur, wenn das Meusetal enger wird, soll die Strecke aber immer schöner werden, und die Berge, die schon mit der Einreise nach Belgien sichtbar wurden, gefallen uns nach den langen Wochen im totalen Flachland, sehr gut.

3 Gedanken zu „Bienvenue à la Wallonie

    1. …ist es doch aufgefallen… Das war eine falsche Kameraeinstellung, die uns leider nicht aufgefallen ist, weil das Display der Kamera seit vorgestern kaputt ist… Ich habe versucht, es mit Bildbearbeitung zu korrigieren, aber ganz habe ich den Farbstich nicht wegbekommen. Hier ist zwar gefühlt Herbst, aber das Grün ist noch grün.

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