Tot ziens, Nederlande

Weiter ging es Maasaufwärts – die Maas zeigt sich als schöner Fluss, breit und angenehm zu befahren, mit viel Natur und gelegentlichen Dörfern.

Immer wieder tun sich links und rechts ehemalige Baggerseen auf, die zu Freizeitlandschaften umgestaltet wurden – in einige kann man von der Maas aus einfahren, so z.B. im recht bekannten Leukemeer, wo wir gleich im ersten See, eine Nacht vor Anker gehen. Wir verbringen einen lauen Sommerabend auf dem Oberdeck und schauen, da wir nur wenige km von der Grenze entfernt sind, durch die offen stehende Dachluke deutsches Fernsehen.

Die nächste Station ist nahe Roermond, auch dort in wunderschönen Seenlandschaften, die sich hier auch durch das Delta der Rurmündung ergeben. Hier gibt es am Ufer an mehreren Stellen einfache Befestigungen und Holzpoller, an denen man sein Boot festmachen kann. Wir sind hier zwei Nächte, die zweite davon in einer Bucht, die von einem „Naaktterrein“ umgeben ist – so kann die Badehose trocken bleiben, obwohl wir auch hier, wie an allen diesen warmen Tagen, immer wieder eine Rund im Wasser drehen.

Auch hier wundern wir uns wieder über das friedliche Miteinander von Mensch und Tier: Die Ufer werden von Pferden und Rindern beweidet. Am ersten Liegeplatz bekommen wir Pferdebesuch, am zweiten Kühe…

Einen Besuch mit dem Fahrrad statten wir Roermond ab, auch hier eine schön gestaltete, lebendige Altstadt.

Ob in den Städten oder auf dem Lande – die Holländer wissen es sich schön zu machen. Mit Kreativität, Organisationstalent und viel Einfühlungsvermögen in das, was den Menschen Lebensqualität ausmacht, gestalten sie ihr Umfeld, das ja fast überall von Menschen geschaffen ist, anders als den gewachsenen Naturlandschaften anderer Länder. Das bedeutet aber auch, dass man sich fast immer in von Planern vorgedachten Wegen und Räumen befindet – auf die Dauer würde ich da wohl ein bisschen Freiheitsgefühl vermissen.

Weiter Maasaufwärts gelangen wir nach Maasbracht – das ist ein eher kleiner Ort, der von seinen Häfen geprägt ist. Da wir hier noch ein paar Vorbereitungen für Belgien und Frankreich treffen wollen, gehen wir hier noch einmal für zwei Nächte in einen richtig schicken Hafen, wo um uns herum die blitzgepflegten holländischen Freizeitboote, die Linssens (die hier produziert werden) und andere Nobelmarken liegen. Aber es gibt auch andere Boote, im friedlichen Miteinander. Gegenüber ist ein Betonwerk, nicht so schön, aber ein großartiger Sonnenuntergang tröstet darüber hinweg.

Hier gibt es sogar zwei Bootsläden – und den Dumpstore Valkenborg. Das ist etwas ganz besonderes: Ein Laden für gebrauchtes und neues Bootszubehör, Werkzeug, Eisenwaren usw. Es gibt unendliche Regalmeter mit Werkzeugen aller Art, von denen ich bei einigen nicht mal eine Idee habe, was man damit machen könnte, von schrottig bis neuwertig, es gibt Regalmeter voller Schrauben, weitere mit Elektrodingen, Bekleidung, Schwimmwesten, Kabel, Geräte. Im Hof gibt es Flugzeugteile, ein riesiges Amphibienfahrzeug, einen Panzer. Die Ladenbesitzer verbringen ihre Zeit mit sortieren… Und tatsächlich ist alles sehr gut sortiert – wenn man erst mal das richtige Regal gefunden hat. Ein echtes Erlebnis, ein Tipp aus dem Boote-Forum. Ein Muss für jeden, der sich für Technik interessiert oder handwerkt oder bastelt! So sieht stöbern aus:

Und in den Regalmetern mit den Messingfittings, ungefähr nach Größe sortiert, aber nicht nach Funktion und Gewindesteigung, finden wir in einer der Kisten etwas, das sich als automatisches Schnüffelventil für unser Wasserwerk eignen müsste. Und das auch noch mit dem merkwürdigen 1/4″-Gewinde mit ungewöhnlicher Steigung! Genau eines. Das nehmen wir natürlich für 1,50€ mit, und bauen es nachher im Wasserwerk ein. Nun brauchen wir wahrscheinlich nicht mehr alle paar Wochen mit dem Schraubenschlüssel einen Stopfen zu lösen, damit sich die Unterdruckkammer in der Pumpe wieder ein Luftpolster einziehen kann.

Am Morgen tanken wir noch bei Tullemann, der billigsten Dieseltankstelle Hollands, auf einem Bunkerschiff gelegen, an dem ein Boot und Schiff nach dem anderen anlegt, für 1,09€/l. Schließlich geht es weiter über den die Maas begleitenden Julianakanal. Der ist etwas langweiliger, weil recht gerade, bietet aber durch seine erhöhte Lage auch immer mal nette Ausblicke.

Am Ende des Kanals vereint er sich wieder mit der Maas – wir sind in Maastricht. Dort gibt es mehrere Häfen, die alle zu den teuersten in Holland gehören. Aber es gibt auch eine Längsmauer zwischen zwei Altstadtbrücken, auf deren einer Seite Sportboote anlegen und bis zu drei Nächten verweilen dürfen. Ganz kostenlos. Und viel schöner als in jedem Hafen, in dem sich die Boote reihenhausartig nebeneinander stapeln!

Carola aus Maastricht, die uns im Boote-Forum einige Tipps gegeben hatte, hatte sich auch zu einer Stadtführung anerboten. So bekommen wir am Sonntag auch Ecken und Winkel dieser unglaublich quirligen und international belebten, ursprünglich mittelalterlichen Stadt zu sehen, die, da die Geschäfte auch Sonntags ab 12:00 geöffnet sind, dichtbevölkert ist. Zahlreiche Plätze und Straßen sind gesäumt von übervollen Straßenrestaurants und -Cafés. Die überall hängenden Mahnungen, Abstand zu halten, sind auf keine Weise einzuhalten, und Maskenpflicht gibt es in den holländischen Geschäften auch nicht – eigentlich müsste ganz Holland ein einziger Corona-Hotspot sein, und wir fühlen uns in dem Trubel nur bedingt wohl und versuchen, ihm immer wieder irgendwie auszuweichen.

In einem Schiff gleich gegenüber von unserem Liegeplatz gibt es eine Bootstankstelle und einen Bootsbedarfsladen, der auch endlich den LED-Scheinwerfer hat, den wir in den drei Maasbrachter Läden vergeblich gesucht hatten. Wir wollen ihn für die Tunnel in den französischen Kanälen gerne montiert haben. Auch eine Fluviacarte für Belgien und eine Detailkarte für die Seine und Paris kaufen wir hier.

Zwei Nächte haben wir an der schönen Maastrichter Mauer verbracht, damit auch unsere letzte in Holland. Tot ziens!

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