Zwiefacher Feiergrund

Nach zwei Nächten in einem kleinen Nebensee des Pannerdschen Kanaals (der wiederum eine Etappe des Niederrheins ist) im schönen kleinen Vereinshafen Loowarden mit netten Nachbarn geht es wieder weiter – ein Blick zurück:

Nun noch ein paar Kilometer Rheinaufwärts bis zum Pannerdschen Kopp, dort dann rechts ab in den Waal und stromabwärts Richtung Nijmegen, wo es in den Waal-Maas-Kanaal gehen würde.

Und siehe: Heute sollten wir gleich zwei Gründe zum Feiern haben:

  • Wir haben erfolgreich den Waal befahren und die Maas erreicht
  • Wir haben eine trockene Bilge

Der Waal: Europas dichtest-befahrene Wasserstraße… Wir hatten schon ein bisschen Angst davor, denn auch hier gelten diese verqueren Linksverkehrsregeln, aber nur, wenn’s gerade passt.

Gestern waren wir auf einer Fahrradrunde schon mal hingefahren und bis zum Pannerdschen Kopp entlang, dorthin, wo sich der Rhein in die Ijssel und den Waal gabelt. Was wir das gesehen hatten, hat uns nicht gerade entspannt: Da fahren zwei Schiffe zu Berg, einer ganz am rechten Ufer, einer ganz am linken Ufer, um den ersteren zu überholen. Zugleich überholen sich in der Mitte des Flusses zwei Schiffe zu Tal. Wo wäre da wohl Platz für uns gewesen??

Dann werden wir noch Zeuge, wie am gegenüberliegenden ein zu Berg fahrendes Schiff zwei Sportboote mühsam überholt, die Boote am uferseitigen Tonnenstrick. Eben vorbei, nimmt das Berufsschiff die Fahrt heraus und drückt seinen Bug mit dem Bugstrahler schräg Richtung Ufer. Die Strömung drückt dann das Heck ebenfalls Richtung Ufer und das ganze Schiff langsam rückwärts. Am Ufer stehen einige Dalben, an die sich das Berufsschiff anlegt – das war der Plan. Warum es vorher noch die beiden Sportboote überholen musste, mit der Folge, dass sie nun hinter dem Schiff abgedrängt werden? Das weiß wohl niemand.

Nun sind wir ja bewusst am Sonntag losgefahren, wo es auf dem Waal deutlich ruhiger zugeht – und das sollte sich auch bewahrheiten. Wie von der Leitzentrale über Funk empfohlen, halten wir uns an den roten Tonnenstrich, also rechts, und stellen erleichtert fest, dass erstens heute alle Berufsschiffe auf ihrer rechten Seite fahren, und dass wir zweitens nahezu eben so schnell fahren wie sie, so dass auch kein Schiff von hinten näherkommt, das uns überholen wollen würde. Wir gleiten entspannt mit bis zu 20 km/h (neuer Rekord) zu Tal.

Es ist immer noch sehr heiß, so dass Menschen und Tiere an den schönen Stränden des Rheins Abkühlung suchen. Das ist überhaupt recht faszinierend, auch schon an dem See, in dem unser Hafen für die letzten Tage lag: Die weitläufigen Rhein- und Ijsselauen werden von Rinder- und Konick-Herden beweidet, die dort in riesigen Gebieten umherstreifen. So liegen in einer Strandbucht Menschen, in der nächsten steht eine Rinderherde zum Teil euterkühlend im Wasser, in der nächsten haben sich ein paar Angler eingerichtet, und in der nächsten stehen die Pferde am Ufer. Alles ohne Zäune, Fahrwege, die in diese Gebiete führen, überqueren Vieh-Roste, damit die Tiere nicht in die Siedlungsgebiet hinter dem letzten Deich vordringen. Unserem Hafen gegenüber sonnte sich sogar ein Stier am Strand. Alles ohne Zäune! Nebenan spielten die Kinder mit ihren Wasserspielzeugen. In Deutschland dürfen Stiere nur auf Weiden mit Elektrozaun und Warnschildern gehalten werden. Was machen denn die Holländer, dass die hier so friedlich sind?? Kriegen sie vielleicht Gras nicht nur zu fressen?


Und was war noch mit der trockenen Bilge, den zweiten Feiergrund? Ach ja:

Unser betagter Motor hat ja immer ein bisschen Öl unter sich gelassen, nach mehreren Stunden Fahrt gab es immer etwas Öl in der Bilge. Wir haben immer wieder gewischt und nach Ursachen gesucht. In Emden hatten wir ja schon den O-Ring an der Getriebeschaltwelle ausgetauscht, seitdem war das Getriebe dicht und trocken.

Wir hatten dann die Befestigung der Ölwechsel-Handpumpe geändert: Da ist ein Deckel seitlich am Motorblock, mit vielen Schrauben aufgeflanscht, die alle durch die Seitenwand des Motorblocks führen. Damit kein Öl austritt, sind sie mit einem Kupferdichtring unterlegt. Und nun kamen die Ingenieure, die den Motor für den Schiffsbetrieb umgerüstet haben. Die haben dann für die Befestigung der Ölwechselpumpe ein 5mm dickes Flacheisen mit unter eine solche Schraube montiert. Außen wieder den Kupferdichtring gelegt. Zwischen Flacheisen und Motorblock aber nicht. Dazwischen konnte es also gar nicht dicht werden, so dass dort Öl herunter leckte – zumal sie keine längere Schraube benutzt hatten, so dass sie sich nicht einmal wirklich fest ziehen ließ. Wir haben die Handpumpe nun anders (an der Lichtmaschinenhalterung) angebracht und konnten so die Deckelverschraubung wieder ganz dicht bekommen.

Wieder einige Tage später, im Zuge des Ölwechsels – es war immer noch Öl in der Bilge – haben wir dann noch probiert, ob denn die Schrauben eines anderen Deckels, der seitlich unten an der Ölwanne sitzt, wohl fest sind – und siehe da, sie waren allesamt locker und konnten ohne „nach fest kommt lose“-Risiko ca. eine halbe Drehung nachgezogen werden, wobei Öl aus der Deckeldichtung quoll. Offensichtlich also eine weitere „Ölquelle“ gefunden.

Und heute nun, nach der für den Motor durchaus herausfordernden Rhein- und Waalfahrt, wieder hoffnungsvoll in die Bilge geschaut – und Yippie: Alles trocken! Ein Grund, stolz zu sein, und sicher nicht typisch für 30 Jahre alte Bootsantriebe.

Zwei Gründe also, den Abend am Schleusen-Sportbootanleger, bei Gewittergrummel, mit einer Flasche Wein ausklingen zu lassen… Gewitter an Bord sind echt gemütlich!


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