Endlich Sommer

Die letzten Tage waren großartig! Endlich Sommer. Nun gut, mit bis zu 40° vielleicht tagsüber etwas übertrieben, aber wir haben ja Wasser rundherum, in das wir zum Glück jederzeit hineinspringen können – jedenfalls, wenn wir nicht gerade fahren. Zwei Tage haben wir in der Rhederlaag vor Anker gelegen, jetzt noch eine Nacht in einem der Häfen dort. Die ruhigen Tage waren dennoch nicht nur ruhig: hier im Hafen stand mal wieder Wäsche Waschen an, gestern haben wir mitten auf dem See die 200-Stunden-Inspektion gemacht, mit Öl- und Filterwechseln, Keilriemen nachspannen und so. Am schönsten waren die Abende mit feuchterer, abkühlender, gewittriger Luft, mit Bad im Sonnenuntergang…

Das Boot auf dem mittleren Bild muss von Graf Zeppelin persönlich konstruiert worden sein. Es sieht nicht nur unmöglich aus, sondern kann auch gar keinen Sinn haben – Bugwellen werden nicht abgewiesen, sondern auf das Vorschiff geleitet, Aussteigen auf den Steg über den Bug ist nicht möglich, und in der Seite gibt es zwar eine Tür, die klappt aber nach außen auf und somit in 50% der Anlegemöglichkeiten gegen den Kai, das heißt, sie geht nicht auf… Und zu funktionieren scheint das Schiff auch nicht, denn sonst müsste es ja nicht von einem Schlepper abgeholt werden… Naja, hauptsache ungewöhnlich.

Ja, die Holländer wissen sich es in ihren menschengemachten Naturlandschaften ganz schön schön zu machen. Die ganze Seenlandschaft war mal Baggergebiet, heute ist er ein reines Freizeitgebiet, natürlich wie alles in Holland mit Anschluss an die Schifffahrtswege, in diesem Fall an die Ijssel. Die Stimmung ringsum ist munter, fröhlich, ausgelassen, ohne in diese nur noch laute „Partyspaß“-Stimmung umzukippen, die wir so gar nicht mögen. Und zum Abend wird es richtig ruhig, wir hören die kleinen Wellen an das Ufer plätschern.

Die vorgenannte Ijssel waren wir ja bergan heraufgekommen, und meine Sorgen, wie das wohl klappt mit der Berufsschifffahrt, waren nicht ganz unberechtigt. Dass Bergfahrer meistens die Innenkurve nehmen, hatten wir ja gewusst, und dass sie dafür die „blaue Tafel“ zeigen, auch. Dass aber Talfahrer auch meist die Außenkurve nehmen, auch wenn kein Bergfahrer entgegenkommt, und dass die die blaue Tafel nicht zeigen, und Sportbooten sowieso die blaue Tafel nicht gezeigt wird, und dass auf jedem Flussabschnitt andere Regeln gelten, nein, so detailliert hatten wir es nicht gewusst. Und so hat uns in unserer ersten Linkskurve ein Berufsschiff ganz schön in Bedrängnis gebracht. Wir hatten uns an die Regel „Sportboote fahren immer rechts – außer wenn die Verkehrslage anderes erfordert“ gehalten. Dass der große Talfahrer aber auf unserer Seite kam, hatten wir in der engen Kurve lange nicht erkennen können. Freundlicherweise ist er uns noch ausgewichen, aber das war für ihn nicht einfach. Hätte ich auf den Schiffsnamen geachtet, würde ich mich jetzt bei ihm entschuldigen und bedanken…

Bei den nächsten Begegnungen haben wir dann per Funk abgesprochen, ob wir uns Steuerbord-Steuerbord oder Backbord-Backbord (Linksverkehr) begegnen.

Inzwischen haben wir, dank der Tipps vor Allem von dem Holländer Rob im Booteforum, einigermaßen verstanden, wie es läuft, so weit man das verstehen kann. In einer offiziellen Broschüre heißt es denn an einer Stelle auch in etwa „in dieser Situation muss man hoffen, dass einem der Entgegenkommer genug Platz lässt“. Nämlich wenn ein Bergfahrer in der Außenkurve entgegenkommt und ein anderer, schwer beladener mit viel Motorleistung und großem Tiefgang, zugleich in der Innenkurve diesen überholt… Da hat man dann als Sportboot die Wahl, korrekt nach Rechtsfahrgebot, korrekt links nach blauer Tafel, oder mittendurch, damit beide zufrieden sind – wenn sie dazwischen genug Platz lassen. Und die sowieso schon vagen Vorschriften sind dann auch noch unterschiedlich, je nachdem, ob auf dem Flussabschnitt die Binnevaartpolitiereglemente (BPR) oder die Rheinschiffahrtspolizeireglemente (RPR) gelten…

Wer noch nicht genug davon hat: Hier gerne mehr: https://www.varendoejesamen.nl/stora…-blue-sign.pdf,

Ein paar Eindrücke von der Strecke. Andere Dimensionen als zunächst in Holland… Auf dem zweiten Bild wurden wir in der Schleuse Zuutphen fast unter das Heck eines großen Binnenenschiffes dirigiert und hatten mächtig Angst vor dem Schraubenwasser, wenn das Schiff am Ende der Schleusung ausfahren würde. Aber der muss noch irgendeinen geheimen Antrieb gehabt haben: Mit leichtem Brummen schiebt er sich vorsichtig erst mal etliche Meter nach vorn, bevor er zum ersten Mal die Schraube einkuppelt. Ein sehr rücksichtsvoller Berufler, danke! Vaaren do je samen…

Das vierte Bild hielt ebenfalls einen gewissen Schrecken für uns parat: Auf unserer Navionics-Boating-App, die und den Weg durch die Binnenwasserstraßen weist, erscheint als Gegenverkehr in einer der gefürchteten Linkskurven plötzlich… Ja, richtig gesehen: Ein Flugzeug!? Was auch immer die Navionics-Programmierer sich da gedacht haben – am Ende schob uns ein ganz normales großes Binnenschiff seinen Bug entgegen, mit dem wir auch ganz normal per Funk die Begegnung absprechen konnten.

Hier im Hafen geschehen auch merkwürdige Dinge: Da hinten fährt ein Cadillac oder so im Hafenbecken herum und gleich darauf über die Sliprampe hinaus (leider unscharf).

Morgen geht es noch die restliche Strecke der Ijssel hinauf und ein Stück weiter auf dem Niederrhein, bis zum Hafen Looward.


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