Wellen und Gischt

Wir wollten ja erst mal nicht mehr raus aus der Seeschleuse, und die Erlebnisse sich setzen lassen. Andererseits – da drüben ist Knuts frühere Heimat Butjadingen, mit den selten besuchten Freunden vom Hof Iggewarden. Die Idee, uns in Dangast, von beiden Seiten halb um den Jadebusen herum, wir per Fahrrad, zu treffen, mussten sie leider verwerfen. Sie haben eine Gastronomie und müssen jetzt ordentlich ran, um das in den Coronaschließzeiten verlorene etwas nachzuholen.

Was also tun? So leicht wollen wir nicht aufgeben. Und da gibt es doch noch diesen alten Anleger, eigentlich nur ein schräg in das Watt hinab laufender gemauerter Kai, an dem so ein paar Mal im Monat die Reederei Warrings anlegt, als Zubringer zu ihrer Wangerooge-Fähre ab Wilhelmshaven, fahrplanbedingt nur da, wenn die Tide das Anlegen an diesem Kai in Eckwarderhörne erlaubt. Ob wir da ran könnten? Das wären dann von Wilhemlshaven nur ca. 8km…

Das Wetter verspricht etwas mehr Wind, 3 bis 4, die Wellenvorhersage reicht je nach Modell von 20cm bis 90cm. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass die 90cm-Vorhersage sehr undiffeferenziert bis in die deutsche Bucht hinaus gleich ist, während die 20cm-Vorhersage sehr genau lokal unterscheidet. Und da die Jade gegenüber der Windrichtung durch die Ostfriesische Küste etwas abgedeckt ist, scheint uns das auch logisch.

Ein Anruf bei Warrings, ein Rückruf des Kapitäns wird versprochen, sobald er zum Dienst kommt, und der meldet sich auch prompt und berät uns, wie wir diesen Kai bei welchen Wasserständen anlaufen können und bis zu welchem Dalben wir vorziehen sollen, damit wir nicht auf eine versteckte Querbuhne laufen, aber der Kai neben unserem Schiff auch schon aus dem Wasser schaut. Vielen Dank für die Beratung!!

Also wagen wir es und lassen uns um 11:00 wieder durch die große Seeschleuse ausschleusen. Am Wartedalben warten wir dann noch bis 12:15, um gegen 13:00, gut eine Stunde vor Hochwasser, den Kai drüben sicher anlaufen zu können. Das klappt ganz prima, und wir lassen uns an Bord besuchen, leider nur von Reinhard, weil Susanne krank geworden ist. Schade!

Nun geht es zurück, und da wartet eine Überaschung auf uns. Kaum um die Ecke von Eckwarderhörne und Kurs Nordwest, erwartet uns richtiger kräftiger Seegang. Wind gegen Strom, also Nordwestwind gegen die wieder ablaufende See, ist nie gut, aber dass das so einen Unterschied macht! So können wir Elodie und uns selbst doch noch auf Seegangstauglichkeit testen. Oder besser: müssen. Hoch hebt sich der Bug, tief schlägt er in das nächste Wellental, das Wasser läuft über das Vorschiff, die Gischt schlägt hoch bis zur Oberkante des Schanzkleides des Oberdecks, wir müssen die Scheibenwischer fast ständig laufen lassen. So können wir auch nicht auf dem kürzesten Weg hinüber fahren, weil die Wellen sonst über eine längere Strecke von der Seite kämen, sondern müssen noch eine Weile gegenanfahren, um dann im spitzen Winkel Richtung Südsüdost zu drehen, wo die Vorhafeneinfahrt zum Greifen nahe ist. Nun kommen die Wellen von hinten, und jeder Berg und jedes Tal dreht das Boot in entgegengesetzte Richtung, wir müssen das Steuerrad ständig um beinahe zwei ganze Umdrehungen hin- und herdrehen, um nicht aus dem Kurs gedrückt zu werden.

So erreichen wir den sicheren Hafen. Und stellen fest, dass das zwar aufregend war, wir uns aber nie unsicher oder gar gefährdet gefühlt haben. Vielmehr hat Elodie das sehr gut genommen. 20 to stecken halt doch ordentlich was weg! Bleiben noch die salzverkrusteten Scheiben zu reinigen.

Und nun heißt es Umschalten von riesigen Dimensionen auf Modelleisenbahn… Wir lassen uns durch die Seeschleuse wieder in den Binnenhafen heben, fahren aber gleich in Richtung Ems-Jade-Kanal, wo wir uns noch zwei Brücken klappen lassen, bevor wir dann an der Liegestelle der Schleuse Mariensiel zur Ruhe kommen. Hatten wir die letzten Tage 20m Wasser unter dem Kiel, so sind es jetzt noch 20cm. Die Seeschleuse war fast 400m lang und 60m breit, die nun vor uns liegende ist keine 40m lang und 6,90m breit. Von großer weiter Welt heißt es nun Umschalten auf ostfriesische Idylle.

Gute Nacht.

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