Wenn Urlaub zur Normalität wird

Über die letzten Tage gibt es nichts spektakuläres zu berichten. So darf es auch gerne erst mal eine Weile bleiben!

Wir haben in Plaue noch eine Nacht am freien Kai am Schloss angelegt, wo wir uns abends an einem vollständigen Regenbogen erfreuen konnten…

…und aus dem jenseits dieser Brücke reichlich blühenden Holunder Saft angesetzt haben…

…und des nächsten Morgens einen Fischlehrpfad begangen haben.

Deser „Lehrpfad“, installiert von der Plauer Fischereigenossenschaft, besteht im Wesentlichen aus im Genossenschaftsgelände aufgestellten Bildern von … Na? … richtig geraten: Fischen!! Dazu dann jeweils fachliche Informationen und die Bedeutung für „den Angler“. Wir haben dennoch etwas endgültig gelernt, was wir aus unseren spärlichen Anglerkontakten schon zunehmend erahnt hatten: Angler angeln nicht um Nahrung, sondern aus Kampfgeist… Die Qualität eines Fisches wird daran gemessen, wie viel Geschick, Kraft und Intelligenz er dem angelnden Menschen entgegenhält, dass dieser sich daran messe. Das heißt, ein nicht geringer Teil der Menschen steigert seinen Stolz durch den widerkehrenden Beweis, intelligenter und/oder stärker als ein Fisch zu sein!! Ist der Beweis erbracht, wird der Fisch wieder ins Wasser geworfen, er hat seine Schuldigkeit getan. Kurzum – jetzt verstehen wir, warum uns Angler immer schon suspekt waren. Bis auf die seltenen, die ihren Fang dann auch essen, natürlich.

Weiter ging es in den Trebelsee, wo wir bei sommerlichem Sonnenschein dann drei Nächte vor Anker verblieben – hier war der Grund wohl sandiger oder kiesiger, unser Anker hielt sofort und dauerhaft. Hier stand dann ein Bootsausflug mit Elodette an, Baden, Lesen. Blechstrandleben quasi.

Am zweiten Seetag hieß es dann zum ersten Mal —->>>>

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Richtig: Deckschrubben!

Damit das Boot fein genug für die Großstadt wird!

Das hat tatsächlich einen weiten Teil des Tages in Anspruch genommen, denn der extra gegen die Gefahr des Ausrutschens raukörnige Decksanstrich hält eben nicht nur Füße fest, sondern auch Dreck, der da richtig rausgebürstet werden muss. Nun ja, es war auch das erste gründliche Reinigen nach zwei Jahren, in denen wir ja mit unseren Arbeiten auch einiges an Spuren hinterlassen hatten.

Daran anschließend haben wir dann auch gleich noch die zehn oder zwölf kleinen Rostansätze, die wir im Lack entdeckt haben, aufgeklopft und grundiert, um sie in den nächsten Tagen mit dem weißen Lack abzudecken.

Besonderen Besuch hatten wir in Gestalt einer Ringelnatter, die mitten im See bei uns herumschwamm:


Vom See aus ging es weiter nach Werder/Havel, wo wir nun für eine Woche über Pfingstgen im Hafen Dietz zu einem fairen Preis untergekommen sind.

Die Tage füllen sich mit Radtouren nach Werder und Potsdam, Besuch einer von Marias Berliner Freundinnen.


In Potsdam haben wir großes Glück: Wir besteigen den Turm (so steht es dran, aber tatsächlich besteigt man die Kuppel) der Nicolaikirche, was an sich schon recht spannend ist – der Weg führt aber auch über die Orgeletage, und auf dem Rückweg dürfen wir die Probe eines (nach unserem laienhaften Urteil erstklassigen) Organisten zuhören, der da nicht nur alle Möglichkeiten der Orgel ausschöpft, sondern auch mit ihr zu tanzen scheint, wenn er mit allen Händen und Füßen betörende Klänge aufruft.

Wieder zurück im Hafen ist es relativ windig und sehr wellig, zum ersten Mal erleben wir, wie es ist, wenn das Schiff mehrere Tage ständig ordentlich schaukelt und schwingt. Und siehe – es ist gar nicht so schlimm!

Weil die Wellen auch immer in den Auspuff hineinschwappen, öffnen wir nach zwei Tagen einmal wieder den Auspuffkrümmer, aus dem im Winter Wasser heraustropfte, um zu prüfen, ob unsere Maßnahmen vom Herbst gefruchtet haben. Ja, sie haben! Es ist alles trocken – und auch das Motoröl weiterhin schön honiggelb.


Sonnenuntergänge gehören nun zu unserem frühsommerlichen Alltag:

Ein Sommertag mit Logenplatz

Weiter ging es von der freien Liegestelle Parey nach Genthin. Dort gibt es eine für Sportboote ausgestatte Spundwand-Liegestelle mit einem Schild „Nur für Lidl-Kunden“. Einkauf direkt am Ufer – welch eine Gelegenheit. Allerdings haben wir noch eine kleine neugierige Fußrunde gedreht und wenige 100m weiter einen sehr angenehmen Edeka-Supermarkt entdeckt. Da haben wir bei Lidl dann nur noch einen „Anerkennungs-Einkauf“ in Gestalt von Sonnenblumenkernöl getätigt. Das kommt davon, wenn man als Discounter keine Pfandflaschen anderer Läden annimmt…

Da auch Genthin noch in Sachsen-Anhalt liegt, war der offizielle kleine Sportboothafen in Genthin gesperrt. Unser Wassertank hatte zwar, zu unserem eigenen erstaunen, immer noch Inhalt, aber das kann wirklich nur noch ein Mini-Rest gewesen sein. Woher also Wasser nehmen? Wir haben einfach bei der Schiffswerft Genthin gefragt, die uns sofort mit einem dicken Schlauch geholfen haben. Leider war der Schlauch etwas kurz, und so mussten wir das Schiff noch mal umlegen, seitlich in eine Lücke zwischen stählernen Arbeitsboot-Ungetümen, die nur 3m länger war als Elodie. Nun wissen, wir, dass das geht. Immerhin optimale Übungsbedingungen, denn bei den Ungetümen hätten wir keinen Fremdschaden angerichtet, wenn etwas schief gegangen wäre.

Hier lernen wir dann auch wieder etwas über unser Boot: Später am Tage begrüßt mich Maria mit „Lust auf Wasser in der Bilge?“ Oh nein, wir waren doch so froh und stolz, sie endlich sauber und alles so gut wie dicht zu haben… Tatsächlich – da schwappen ein paar cm. Wasser! Nun wissen wir erstens, dass der Wassertank in den letzten zwei Millimetern des Füllstandsanzeigers sich sehr schnell füllt – schneller, als ich bis zum Werftwasserhahn gebraucht hatte, und zweitens, dass die Entlüftung des Tanks respektive Überlauf nicht nach außen, sondern in die Bilge geht…

Und so findet sich Maria wieder mal im Motorraum wieder – sie ist nun mal die einzige von uns beiden, die da so hineinpasst, dass sie mit dem Schwamm unten in die gesamte Bilge hineinkommt…

Wir haben uns dann zur Nacht an die Genthiner freie Liegestelle gelegt, die wir auf der Fußrunde in paar hundert Meter weiter entdeckt hatten. Eine gute Stunde Generatorlauf tat not, um den Batteriehaushalt auszugleichen – dies war das erste Mal, dass wir dabei einen „Nachbarn“ hatten, in Gestalt eines voraus liegenden weiteren Sportbootes, und schon gab es den ersten Konflikt – in nicht ganz freundlich zu nennender Weise gab er Maria zu verstehen, dass der Generator störe, und Marias Erklärungen, dass er zumindest bis zum Ende des Kochens noch laufen müsse, beruhigten ihn erst mal nicht vollends. Tatsächlich hatte er aber wohl befürchtet, dass das Ding die ganze Nacht laufen würde – als ich etwas später noch mal nachfragte, ob denn eigentlich der Lärm oder der Geruch gestört hätten, war er wieder zugänglicher. Am Meisten gestört habe das Plätschern des Auspuffs und auch der Geruch. Na, da kann es nicht so schlimm gewesen sein…

Am nächsten Tag geht es weiter durch die Schleuse Wusterwitz, fast ohne Wartezeit, und dann weitet sich der enge Kanal zu dem großartigen Seenpanorama, zunächst des Wendsees.

Einige Ankerversuche hier und im nachfolgenden Plauer See scheitern – Für Schlamm ist unser Anker nicht ideal… So machen wir erst mal vor der rostigen Fußgängerbrücke am Plauer Schloss fest, an der Kaimauer, und übernachten dort.

Und wähnen uns in einer anderen Welt: War in Sachsen-Anhalt noch alles im Coroana-Schlaf, ist hier in Brandenburg, wo wir nun angekommen sind, alles, als gebe es kein Corona. Die Häfen voll, in den Außenbereichen der Restaurants munteres Treiben. Wir müssen geradezu einen Schalter im Kopf umlegen…

Von Coroan-Vorsicht ist nichts erkennbar – Maitrubel wie alle Jahre wieder, munter beisammenstehende Menschenscharen, die sich schulterklopfend begrüßen… Ich möchte wetten, dass wir in genau zwei Wochen einen kräftigen Anstieg der Infektionen beobachten werden.

Weil wir nun aber doch auch mal wieder in einem Hafen anlegen wollen, mache ich noch eine Fahrradrunde zu den umliegenden Bootshäfen und wir nehmen uns vor, am nächsten Tag zum Gästesteg des Eisenbahnseglervereins Kirchmöser zu wechseln.

Und hier verbringen wir nun erst mal zwei Nächte und entgehen so dem an öffentlichen Liegeplätzen zu erwartenden Himmelfahrtstrubel, der ja hier in den ostdeutschen Ländern dem überdurchschnittlichen Anteil von Abendlandsrettern zum Trotz zum reinen Männertagstrubel geworden ist, an dem wir uns schon in Mühlhausen kaum aus dem Haus trauten.

Der Plan geht auf, und wir liegen am äußersten Steg mit freiem Blick über den Plauer See. Traumhaft! Gegenüber die Plauer Brücke, ringsum die bewaldeten Ufer, und auf dem feiertäglichen See ringsum munteres Treiben mit allem, was schwimmt. Vom Stand-Up-Paddler über schwimmende Kisten, Segleyachten und Motorcharterboote bis hin zu den den See querenden Berufsschiffen – der Elbe-Havel-Kanal verläuft hier mitten durch den See als betonnte Fahrrinne.

Am meisten Spaß machen uns die vielen kleinen Optimistensegler – 6 Kinder im Alter von ca. 10 Jahren nebst motorisiertem Trainer, die stundenlang Manöver üben. Sie sind mit den kleinen Badewannen so sicher wie normale Leute zu Fuß auf dem Teppich… Balancieren auf der Bordwand des um 45° gekoppten Böötchens, springen hin und her, lehnen sich so weit hinaus, dass die Haare bis ins Wasser tauchen, und weichen dem schwenkenden Baum aus wie Gemsen am Berg. Ein bisschen Neid auf so viel Beweglichkeit kommt da schon auf.

Wir beschäftigen uns noch mit der Ankerproblematik – wir wollen ja auch öfter mal über Nacht ankern, schon um die mindestens 20€ je Nacht in den Häfen zu sparen – das geht aber mit dem vorhandenen Anker nicht.

So wiegen wir unseren Anker erst mal nach, mit 12 kg Cola als Gegengewicht und ein bisschen Hebelgesetz-Dreisatz. Er wiegt ca. 28kg. Wir verwerfen als Alternative den 1000€ teuren Jambo-Anker, auch wenn wir seine Qualitäten von Elodie II her schätzen, und bestellen bei Bukh Bremen einen 35kg Plastimo Britany Plattenanker, der nicht schlechter sein dürfte, was das Eingraben im Schlick betrifft.

Dieser Tag geht als richtiger sommerlicher Urlaubstag zu Ende, mit Baden, auf dem Oberdeck in der Sonne liegen, Lesen. Wir nutzen die Waschmaschine des Hafens, um drei Waschgänge unserer angesammelten Kleidung und Handtücher zu waschen und freuen uns nun wieder an nach Lavendel duftender frischer Wäsche.

Unsere Batterien freuen sich, mal wieder durchgeladen zu werden. Und unser Not-Außenborder freut sich auch, mehr noch ich, denn dieses Mal bekomme ich ihn mit wenigen Zügen an, zum ersten Mal. Beim letzten Versuch bin ich noch gescheitert. Der Trick ist wohl, dass der Choke-Zug nicht nur ein Choke-Zug ist, sondern auch eine Vorpumpe – man muss ihn vor dem ersten Start anscheinend nicht nur herausziehen, sondern mehrmals wie eine Pumpe betätigen. Freude, dass der also doch funktioniert – wir hatten schon arg daran gezweifelt.

Als Lektüre für nebenbei haben wir uns den Bericht von Hans-Jürgen Haardt „1100 Tage Freiheit“ heruntergeladen. Wir entdecken überraschend viele Parallelen auch in vielen Details, jedenfalls in der Anfangsphase. Aber keine Sorge, auf das Mittelmeer und später über den Atlantik wollen wir mit Elodie III nicht. Auch wenn wir bei der Lektüre feststellen, dass man mit einem neuen, auf spezifische Bedürfnisse zugeschnittenen Werftbau eher mehr böse Überraschungen erlebt, als mit wir mit unserem 30 Jahre alten Eisenschwein…

Auch kulinarisch lassen wir es uns dank Marias Kochkünsten und -motivation sehr gut gehen und speisen täglich auf dem Niveau gehobener Gastronomie – hier mal Kalbssteak mit Ofenkartoffelspalten, frischem Pfannengemüse und Kräuterdipp.

Ja, nach den vielen spannenden und auch Nerven kostenden Vorgeschichten fühlt sich unsere Reiseidee gerade richtig gut an!

Los geht’s…

mit dem Leben, das wir uns ausgemalt hatten, für eine längere Weile.

Aber noch nicht mit dem Fahren, denn an dem Liegeplatz in Rothensee ist es so schön dass wir noch drei Nächte verweilen. Eine Fahrradtour nach Magdeburg füllt den ersten Tag, da kann man ja mit dem Boot leider nur durchrauschen, aber 20km ist ja nicht so weit weg.

Und wir staunen, wie viele Grün-, Natur-, Wasser- und Freizeitflächen Magdeburg hat, mal parkähnlich gestaltet, mal kreativ, mal natürlich-wild. Viele originelle Spielmöglichkeiten, eingebettet in eben diese Flächen, aber auch viele Freizeitmöglichkeiten für Erwachsene. Die Elbufer mittlerweile zu weiten Teilen auch in der Innenstadt promenadig ausgestaltet. Die alte Elbe, die ja auch noch mitten durch die Stadt fließt, mit Badestränden. Wirklich schön.

Jaja, wir waren auch kurz mal am Domplatz und am Hundertwasserhaus (leider alles zu), und auch das ist einladend. Aber eben nicht so alleinstellend, denn schön gestaltete Plätze und interessante Gebäude gibt es in den meisten Städten – sehenswert, ja, aber dann hat man es eben gesehen. Lebendigkeit kommt nicht von Gebäuden, sondern von der Vielfalt, und die ist in Magdeburg – wo wir es gesehen haben – inzwischen gegeben. Als ich, Knut, kurz nach der Wende zum ersten Mal dort war, kam es mir alles recht trist und öde vor…

Spannend finde ich die alte Eisenbahn-Hubbrücke, die dauerhaft gehoben erhalten geblieben ist, allerdings böse vor sich hin rostend, für Fußgänger nutzbar, wenn sie über Treppen auf den gehobenen Teil hinaufsteigen. Spannend deshalb, weil sie wohl von einer Gruppe von Leuten übernommen wurde, die sie erhalten: Ein Schild am Aufgang sagt (ungefähr erinnert) „Achtung: Das ganze Leben ist voller Gefahren. Das Betreten der Brücke erfolgt auf eigene Gefahr. Kinder haften für Ihre Eltern. Dies ist ein Privatweg.“ Ich hätte ja nicht gedacht, das so ein Haftungsausschluss im öffentlichen Raum überhaupt möglich ist! (Ob er einem Rechtsstreit stand halten würde?).

Am nächsten Tag gab es privaten Besuch von einer unserer Lieblingskundenlehrerin mit Radtour zwischen Elbe und Ohre.

Erst am Samstag ging es dann weiter Richtung Brandenburg, erst mal spektakulär über die längste Kanal-Trogbrücke Europas (?) quer über die Elbauen und die Elbe.

Unser erstes Ziel war Genthin, aber bei Parey gibt es einen Sportbootliegeplatz am Kanalufer, der uns spontan so gut gefiel, dass wir da erst mal angelegt haben und den Sonntag wieder mit einer Radrunde verbracht haben, zur Elbe, zum Pareyer Verbindungskanal, zu einem Nachbarort.

Schönster Part der Runde war ein Bad in einer alten Elbschleife, begleitet von Schwänen, Nachtigallen und Eisvogel, jedoch ohne weitere Menschen. Wunderschön.

Ja, nun können wir es genießen, ohne Zeitplan unterwegs zu sein.

Auch die Autarkiepläne scheinen aufzugehen – mit drei Stunden fahren oder zwei Stunden Generatorlauf am Tag (von denen eine sowieso durch Kochen anfällt) gleichen wir den Batteriestromverbrauch eines Tages in etwa aus – der beträgt etwa 60Ah, jetzt, da die Heizung nur ein oder zweimal in der Nacht, einmal morgens und einmal abends anspringt, um uns durchgängige 19 bis 20° am Tage und 17 bis 18° in der Nacht zu erhalten. Im Winter wird die Bilanz anders ausfallen, denn wir heizen ja zwar mit Diesel, aber es der Motor und die Pumpen brauchen ja auch Strom, insgesamt so etwa 3A. Da sind wir dann schnell bei 100 am Tag, aber wir wollen ja auch die drei kältesten Monate an einem festen Liegeplatz mit Landstrom verbringen.

Unser Wasserverbrauch beträgt ca. 100 l je Woche, so dass unser Tank für immerhin 10 Wochen reicht. Jetzt ist er allerdings fast leer, denn wir hatten ihn in Calbe nur einmal zu ca. 1/3 gefüllt, um für die Ausfahrt zur Elbe nicht zusätzlichen Tiefgang zu erzeugen. 1000l Wasser drücken das Boot um ca. 5cm nach unten.

Warten auf Amsel – und dann: finales Yippiee

Der Morgen danach… hatte sich um Mitternacht schon durch eine kurze Phase knirschend-schabender Geräusche angekündigt:

Wir waren eigentlich überzeugt, beim Ankern alle Sorgfalt walten gelassen zu haben. Genug Abstand vom Flachwasser, auch für den Schwoibereich, Heckanker Richtung tieferes Wasser, um schwoien gen Flachwasser gänzlich zu verhindern, und natürlich bei als leicht steigend angekündigtem Pegel. Auch die GPS-Ankerwache war selbstverständlich eingeschaltet. Alles richtig gemacht?? Das Boot hatte denn auch 5 Stunden wie ein Stein am gleichen Ort gelegen, so dass wir entspannt schlafen gegangen waren.

Und doch war der Anker auf einmal, um Null Uhr, einige Meter gerutscht. Und wir lagen nun mit voller Breitseite gegen eine Sandbank, auf der anderen Seite drückte die Elbströmung quer gegen das Boot. Die Versuche, uns mit eigener Kraft dort fortzuschaffen, sind vollends gescheitert. Auch das ja für Donnerstag angekündigte steigende Wasser war nun eher eine Gefahr, als dass es Hilfe versprochen hätte: Die Strömung hätte uns immer weiter quer auf die Sandbank gehoben, und bei dem am nächsten Tag schon wieder sinkenden Pegel hätten wir dann auf der Sandbank gethront, vielleicht bis zum Herbst!

Die Rettung zeigte sich auf http://www.marinetraffic.com: Von Schönebeck war die „Amsel“ unterwegs in Richtung Barby, ein Schubschiff des Wasser- und Schifffahrtsamtes. Über einen hilfreichen, hier nicht namentlich zu nennenden Umweg bekamen wir die Handynummer von Olaf, dem Schiffsführer, der sich dann noch das Ok von seiner Chefin hat holen lassen. Drei Stunden später war er an seinem Zielhafen Barby vorbei noch bis zu uns hoch gekommen, mit einem Baggerponton vornedran. Seine Leute haben uns ein Tau zugeworfen, ein kurzer Zug, und wir waren wieder frei. Danke, Olaf und WSA!

Beeindruckend, wie fein sich so ein schwerfällig aussehendes Ding in den Wirbeln der Strömung dirigieren lässt, wenn man es kann!

Leider gibt es zwischen Barby und Magdeburg-Rothensee keine Möglichkeit, bei niedrigem Wasser anzulegen. So blieb uns, wenn wir nicht ein weiteres Mal Ankern wollten, nur übrig, es doch bis über den Domfelsen zu riskieren, auch wenn der Wasserberg aus Dresden es erst bis Torgau geschafft hatte. Die Saale hatte aber über Nacht die Elbe bei uns um immerhin 5cm angehoben, und damit war der Pegel Strombrücke wieder auf 77cm. Damit müsste es nach den Ergebnissen unserer Messfahrt mit der Cascade am Samstag möglich sein, über die flachste Stelle unterhalb der Fähre Westerhüsen hinwegzukommen.

Es blieb also spannend… Dort sind wir tatsächlich einmal über Sand geschlurrt, wir hatten uns eigentlich treiben lassen, mussten aber zwecks Kurskorrektur einmal kurz einkoppeln, und schon schaufelte der Propeller Sand statt Wasser… Die Flachstrecke dort ist nur ca. 50m lang, und wir waren schnell drüber hinweg.

Der Domfelsen selbst ist zwar mit seinen Stromschnellen, in denen man das Boot nur noch in der richtigen Richtung halten kann, aber keine Möglichkeit hat, zu bremsen oder kurzfristig auszuweichen, immer wieder Grund zu Nervosität, aber auch schnell vorüber – man erreicht bei niedrigster Drehzahl 15 km/h!

Die Niedrigwasserschleuse in den Rothenseer Verbindungskanal hat uns dann zügig aller Wassertiefensorgen enthoben, und auch die Schleuse Rothensee hat uns sofort abgeholt (was für einzelne Sportboote angesichts der ungeheuren Wassermengen, die zu bewegen sind, um große Schiffe um ca. 16m hoch zu heben, nicht selbstverständlich ist), und so hatten wir am Abend endlich, endlich unser Ziel erreicht!!!

Schleusenluxus: Die in der linken Wand eingelassenen Schwimmpoller ersparen einem das ständige Umlegen der Taue von Festpoller zu Festpoller:

Und so genossen wir den ersten Abend auf dem Mittellandkanal, gleich auf dem – wegen seiner grandiosen Aussicht wunderschönen – Sportbootliegeplatz gleich oberhalb der Schleuseneinfahrt:


Wir sind am Ziel – die Reise kann beginnen!


Yippiee!

Gleich geht’s los!

Erst mal in die Elbe.

Dort heißt es dann, vor Anker oder, wenn’s noch klappt, in Schönebeck das
Loch abwarten, das seit vorgestern aus Dresden herabkommt und heute Nacht vor der Saale ankommen wird.

Macht aber nichts, denn dahinter kommt mittlerweile auch wieder ein mächtiger Berg herab, der am Donnerstag bei uns sein wird. Pegel Schöna: +45cm in einem Tag. Da haben die Tschechen wohl wieder aufgemacht, das kann nicht nur der Regen sein, der den deutschen Teil ja bisher gar nicht wahrnehmbar beeinflusst hat. Vielleicht wollen sie ein paar Binnenschiffe auf dem Berg herunterschicken.

In der Gewissheit des Pegels haben wir uns dann gleich bei Barby entschieden, auf der Elbe zu ankern. Schön war’s dort:

Ankern inmitten der Elbe

Warten auf Wasser… Messfahrt

gestern haben sind wir zur „Messfahrt“ mit dem 80cm tiefgehenden Schiff „Cascade“ auf Heimfahrt nach Braunschweig mitgefahren – Danke, Ralf.
Erkenntnisse:
Wir hätten die ganzen letzten Wochen fahren können!!

  • Auf der Saale bei Pegel Calbe UP 328cm allerorts 140cm Tiefe. Vor km 12,6 einmal über einen Stein (?) gerumpelt, da liegt irgendwas im Wasser, das deutlich höher ist als die offizielle Fahrrinnentiefe!
  • Auf der Elbe bei Pegel MD Strombrücke 77cm ohne Probleme allerorts mindestens 140cm Tiefe.
  • Fahrrinnenverlauf auf der Saale: Anders als von allen gesagt ist die tiefste Rinne fast durchgängig in der Mitte, nicht in den Außenkurven. Das wird auf den Navionics-Boating-App-Karten richtig dargestellt. Nur bei km 1,2 braucht es die Außenkurve. Die Navionics-Tiefenlinien stimmen zu ca. 80%. Wo kriegen die die nur so genau her?
  • Fahrrinnenverlauf auf der Elbe: Die Seitenwechsel sind naturgemäß am flachsten, nur dort gab es kurze Strecken mit weniger als 150cm Tiefe. Die Navionics-Tiefenlinien sind sehr genau und stimmen zu fast 100%.

So haben wir uns gestern noch sehr auf Dienstag gefreut, nach dem Regen sollte dann wirklich alles sicher klappen.

Heute morgen schauen wir mit Schrecken auf die Elbepegel, die Elbe befindet sich bei Dresden und mittlerweile in Torgau im steilen Sinkflug. Fast 20cm in eineinhalb Tagen gegenüber dem recht stabilen Stand der letzten Wochen. Sieht so aus, dass Tschechien kein Wasser mehr über die Staustufen lässt.

Die Elbe plötzlich im Sturzflug.

Wenn das Loch morgen hier ankommt, habe ich Zweifel, ob der Regen das noch auffängt. Zumal die Vorhersagen für heute seit heute morgen schon wieder zurückgenommen werden… Am Ende gibt’s selbst morgen dann wieder nur ein paar lurze Nieselschauer, wie alle letzten Wochen.

Dann wären unsere Erkenntnisse und der eventuelle Saaleregel wieder um zwei Tage zu spät gekommen, bzw. das Hahn-Zudrehen in Tschechien zwei Tage zu früh.

So ein auf und ab der Gefühle. Langsam zehrt es arg an den Nerven.

Warten auf Wasser…

Ganz hinten in der Bildmitte erkennt das geübte Auge auch die Elodie III

Am 5.5. um 0.00 Uhr hätte es gepasst – da ist der Pegel unter Calbe auf 345cm hochgeschnellt! …und war nach zwei Stunden wieder unten. Am Morgen war alles wie immer.

Das war also das Ergebnis der für das Wochenende angekündigten starken Regenfälle, von denen am Ende wie schon in den Wochen zuvor nur ein paar kleine Schauer übrig waren.

Inzwischen haben wir bei der Talsperre Hohenwarthe nachgefragt, ob die noch Pläne haben, mal Wasser abzulassen, aber nein, von da wird erst im August etwas kommen, für Bauarbeiten im September, für die sie einen niedrigeren Pegel brauchen.

Wir haben den – tatsächlich privaten – Besitzer des Wasserkraftwerkes Calbe angerufen, der wohnt in Bayern. Der würde uns durchaus eine Welle spendieren, braucht aber die Genehmigung des WSA Magdeburg. Um die bemühen wir uns nun, der gestrige Mitarbeiter war aber nicht zuversichtlich, dass das schnell ginge, heute hatten wir einen anderen am Telefon, der meinte, sowas geht eigentlich schon in 24-48 Stunden. Er versprach, sich für uns zu bemühen.

„Schnell“ brauchen wir, denn wer weiß, wie lange die Elbe noch hält…

Wir haben auch unseren genauen aktuellen Tiefgang noch nachgemessen, er beträgt etwas unter 1,15m bei den aktuellen Tankfüllungen. Wir könnten also die Elbe noch bei Pegel 80cm in MD Strombrücke befahren, hier und da über Sand schlurrend. Und bräuchten für die Saale Pegel Calbe UP 3,40m. Da unser Boot eine sehr robuste Hacke (die untere Halterung des Ruderblattes, somit der tiefste Punkt) hat, würden wir uns mittlerweile sogar trauen, ohne Handbreit zu fahren – bzw. uns an den flachsten Stellen treiben zu lassen. Nützt aber niX, alle Anläufe der Saale nach oben enden bei 3,30m.

Für das nächste Wochenende sind wieder mal kräftige Regenfälle angekündigt. Wie schon so oft zuvor. Hoffen wir also erneut…

Schulze Kran aus Könnern würde uns für maximal 400€ herausheben, auf der Fischer-Werft die für die Kainutzung 150,-€ berechnet, der Hafen Ringel würde uns für 280,- wieder hineinkranen. Fahren würde Jörg Malow für 2100,-€. So kennen wir die Kosten für den Landtransport jetzt recht genau, wie schon bisher erahnt um die 3000€. Viel Geld für eine ungeplante Ausgabe, wenig Geld im Vergleich zu Ausgaben und Zeitaufwand, die wir in das Boot gesteckt haben, um damit unterwegs zu sein… Allerdings schreckt uns auch die Vorstellung, das halbe Boot wieder ausräumen und diverse Aufbauten wieder abbauen zu müssen!

Wenn nicht für jedes Wochenende erneut kräftiger Regen angekündigt würde, wäre das dennoch schon bestellt. So aber bewegen wir uns im Wochenrythmus und im täglichen Schwankungsrythmus der Saale von Hoffnung zu Enttäuschung.

Immerhin – hier ist es schön, und unsere Situation durchaus genießbar. Üben wir uns also weiter in Geduld…

Warten auf Wasser…

So sieht warten aus… Wir haben das Boot, wie geplant, nach Calbe verlegt, gleich oberhalb der Schleuse. Hier durften wir an einem privaten Steg, direkt am Garten, anlegen. Danke, Ingo!

Der Motor hat nun 15 Betriebsstunden hinter sich, und das Öl ist immer noch honiggelb. Wir sind voll Stolz und Freude über die geglückte, hürdenreiche Reparatur.

In Brandenburg hätten wir auch ein Ziel, das wir Corona-Regel-Conform anlaufen könnten, um dort auf weitere Lockerungen zu hoffen.

Ja, nun könnten wir los. Stattdessen warten wir immer noch auf Wasser, aber die Chancen schwinden. Jeder im Wetterbericht für die Saalezuläufe versprochene Regen wird, je näher er rückt, um so weniger. Am Ende bleibt ein kleiner Nieselschauer von wenigen Minuten. Der ist der Saale ganz egal… In ganz Deutschland lässt Regen die Pegel steigen, nur nicht an der Saale und Elbe. Magdeburg Strombrücke hat nur noch 77cm, wir brauchen 90cm. Calbe UP hat nur noch um die 330cm, wir brauchen 350.

Sowohl nach den Erfahrungen der letzten beiden Jahre als auch nach den Aussagen der Leute vor Ort wird sich das bis zum Herbst nicht mehr wesentlich nach oben verändern. Unser Aufbruch wird uns nicht gerade leicht gemacht…

Wir verbringen unsere Tage auf angenehmste Weise und freuen uns des Lebens an Bord, unternehmen Radtouren, baden in Saale und Elbe, erledigen viele noch verbliebene Kleinigkeiten am Boot, und bereiten uns leckere Mahlzeiten. Jeden morgen 15min. auf dem Rudertrainer halten Rücken und anderes fit. Insgesamt treiben wir hier mehr und häufiger Sport als in den letzten Jahren im AntoniQ – wer hätte das gedacht. Unsere Bordküche unter Leitung von Maria ist großartig, wir haben noch an keinem Tag etwas gegessen, das nicht besonders lecker geschmeckt hätte…

Vom Boot aus sieht Calbe richtig nett aus. Leider nur vom Boot aus, ansonsten ist der Ort in erschreckendem Maße vom Wegzug, Leerständen und Verfall gezeichnet. Immerhin gibt es einen weitläufigen, sehr schönen, teils wilden, teils gepflegten Park in den Saaleauen.

Wie auch immer: Wir wollen los!!

Wenn die bis Dienstag noch angekündigten Regen auch keine Verbesserung bringen, werden wir den Schwertransport beauftragen. Auskranen bei der Fischer Werft, Transport nach Werder/Havel und dort mit dem eigenen Hafenkran wieder ins Wasser – das ist die Variante, die sich als die günstigste erwiesen hat. Und trotzdem über 3000 ungeplante Euros vom Konto holen wird…