vom mühsamen Sieg über einen rostigen Bolzen

Bevor uns Corona in die Pause schickte, haben wir die größte Herausforderung noch meistern können: Wir haben den Zylinderkopf herunterbekommen. 3 Tage lang haben wir gekämpft, den einen Stehbolzen, dessen Schaft sich mittels Rost mit der Bohrung im Zylinderkopf „verschweißt“ hatte, zu besiegen. Immer und immer wieder mittels Induktionsheizgerät zur Gluthitze gebracht, mit Rostlöse-Eisspray ruckartig abgekühlt, den Kopf in der Umgebung des Bolzens mittels Heißluftfön auf ca. 90° erhitzt, den Bolzen wieder schlagartig abgekühlt, mit dem Bohrhammer mit stumpfem Meißel seitlich auf eine auf den Bolzen gedrehte Mutter eingeschlagen.

So sieht ein Induktionsheizgerät aus, dass uns Armin geliehen hat, das er selbst von der örtlichen Autowerkstatt geliehen hat. Genial, so ein Gerät: Die Spirale vorn wird über den Bolhzen gehalten, und nach wenigen Sekunden ist der rotglühend!!

Mittels einer durchgesägten Mutter, deren zwei Hälften wir als Konterung gegeneinander gedreht hatten, versucht, den Bolzen selbst zu drehen – alle anderen Bolzen gaben bei dieser Behandlung ein oder zwei Grad nach, der eine nicht. Den Rostlöser ein paar Stunden einwirken lassen und die nächste Runde. Insgesamt wohl 20 oder 30 mal. Immer wieder probieren, ob sich etwas bewegt, mittels eines in der Nähe des Bolzens unter eine Kante des Kopfes geklemmten Wagenhebers. Die anderen Bereiche des Kopfes konnten wir ca. 1/2mm hochdrücken.

Aber bei dem festen Bolzen gar nichts. Ermutigungen und Geduldsaufforderungen im Boote-Forum und von unserem Bootsservice in Gestalt von Armin.

Am vierten Tag, fast genau um 12:00 Uhr, wieder mal den Wagenheber angesetzt und geschaut, und auf einmal sehe ich Licht von Gegenüber. Ich konnte unter dem Kopf „durchschauen“. Das konnte nur eines bedeuten: Er muss ich minimal gehoben haben.

Nun von oben einen Kettenzug an der anderen Seite angesetzt, der oben an einen Balken gehängt war, welcher quer über unser Dachluke lag, und an beiden Seiten des Kopfes möglichst gleichmäßig gedrückt und gezogen. Und das lang ersehnte und kaum noch erhoffte geschah: langsam, aber stetig, hob sich der Kopf!!

Welche Freude und Erleichterung!

Und was fanden wir? Nun, keinen ordentlichen Riss der Dichtung, was die sicherste Erklärung für das Wasser im Öl gewesen wäre… Aber doch sehr ausgeprägte Abnutzungsspuren, die Dichtung war um einige Zylinder herum sehr dünn, die Oberflächenstruktur nicht mehr erkennbar. Kann schon gut sein, dass das Wasser durch konnte, meint Armin. Und der zweite Zylinder sieht auch im Vergleich zu den anderen saubergewaschen aus, hat also offensichtlich immer wieder Wasser zu schmecken bekommen. Das erkennt ein alter Hase im Boote-Forum sogar auf dem nachfolgenden Bildern!

Es folgten die üblichen, mühsamen Schritte: Reinigen der Oberflächen mit einem Spachtel und dann einer Rasierklinge, genaue Betrachtung der Flächen und der Zylinder. Armins Urteil: Sieht gut aus. Der Motor dürfte schon einiges an Laufleistung hinter sich haben, da die Zylinderflächen keinerlei Hohnspuren mehr aufwiesen, waren aber völlig glatt, ohne Riefen oder ähnliches. Der Kopf zeigte sich mit dem Planlineal als völlig eben, ein Anschliff sollte nicht nötig sein.

Firma Drinkwaard hat dann auch pünktlich einen neuen Kopfdichtungssatz zugeschickt.

Nun heißt es, alles schön wieder zusammenfügen. Wo standen doch gleich die Anzugsdrehmomente für die Zylinderkopfschrauben? 260Nm!! Mehr als ein halber Meter lässt sich im Motorraum kaum händeln. Also bedeutet das, in verrenkten Körperhaltungen neben dem Motor mehr als 50 kg zur Seite drücken! Armins großer Drehmomentschlüssel lässt sich nicht beschummeln und knackt erst, als mein Kopf deutlich rot gefärbt ist.

So weit, so gut. Wenn alles wieder montiert ist, steht ein Probelauf, weitere Motorspülungen und schließlich die Probefahrt an.

Doch nun liegt der nächste Stein im Weg: Der Corona-Virus bremst uns nun erst mal aus. Ob das alles noch was wird bei jetzt schon bedenktlich sinkender Saale? Sie verliert gerade täglich 5 – 10 cm und ist schon auf 1,5m herunter. Wir brauchen 1,25m!

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